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Wissenschaftsstadt Darmstadt reduziert Wege und weist mit Schildern auf Schutz der bodennahen Vegetation im Stadtwald hin

(DK) – Dienstag, 22.12.2020

Umweltdezernentin Akdeniz: „Verringerung des Wegenetzes hilft dem Wald: Es darf mehr Totholz verbleiben dadurch entsteht ein größerer Bereich in dem sukzessive neuer Wald entstehen kann“

© Pixabay

Das Grünflächenamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat kürzlich angefangen, einzelne Wege im Darmstädter Stadtwald zu schließen, um südlich der Heimstättensiedlung, von BAB 5 und B 3 umgrenzt, auf mehr Flächen Totholz stehen lassen zu können. Dies dient dem Wald und schützt die Waldnutzenden. Manche Wege haben in diesem Zusammenhang nun Hinweisschilder erhalten. 
 
„Lebende und abgestorbene Holz-Biomasse im Wald gewährleistet eine natürliche Humus- und Bodenbildung und erhöht die Wasserspeicherkapazität. Sowohl stehendes als auch liegendes Totholz bindet Wasser und kann damit die Ausbildung des typischen Waldinnenklimas unterstützen“, erläutert dazu Umweltdezernentin Barbara Akdeniz. „Daher ist es wichtig, nicht alles Totholz aus dem Wald zu entnehmen – es hilft dem Wald sich selber zu regenerieren. Dies steht jedoch in Konkurrenz zu dem Wald als Erholungsraum: Joggen, Radfahren, Spazierengehen – entlang der Wege ist es gefährlich das Totholz stehen zu lassen. Das Wegenetz im Stadtwald ist allerdings sehr dicht und eine Verringerung hilft dem Wald: Es darf mehr Totholz verbleiben – es entsteht ein größerer Bereich in dem sukzessive (allmählich, natürlich) ein neuer Wald entstehen kann. Jede und jeder kann dabei etwas tun, um dem Wald zu helfen“, appelliert Akdeniz an die Waldnutzenden. „Benutzen Sie die Hauptwege. Laufen Sie nicht querwaldein. Die Maßnahme der Schließung von Wegen ist schon vor der Einbringung des Leitbildes Wald in die politischen Gremien notwendig – mit dem Beschluss des Leitbildes werden noch weitere wichtige Maßnahmen greifen. Das Leitbild und die angegliederten Maßnahmen befindet sich aktuell im letzten Abstimmungsverfahren im Runden Tisch Wald.“ 

In den letzten drei Jahren (2018-2020) hat die anhaltende Dürre zur Vegetationszeit in den deutschen Wäldern zu erheblichen Schäden geführt. Laut aktueller Waldzustandserhebung (BMEL 2020) war der Kronenzustand über alle Baumarten betrachtet seit 1984 noch nie so schlecht wie jetzt. Angaben des hessischen Umweltministeriums von Anfang November hat die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und Altersklassen 28 % erreicht – der höchste Wert seit 1984. Hessenweit betrachtet sind 80 % der bereits abgestorbenen Bäume Fichten. Auch bei der zweiten Hauptbaumart, der Buche, sind die Zahlen der Kronenverlichtung dramatisch. Die Schäden sind nicht gleichmäßig über Hessen verteilt, vielmehr zeigen sich regional starke Unterschiede. So weist der Frankfurter Stadtwald eine Schadquote von 97 % auf. Leider kann auch im Darmstädter Stadtwald ein sehr hoher Anteil toter Bäume beobachtet werden. 

Für unser Klima ist dies dramatisch: Wir brauchen unseren Wald als CO2-Senke. Der deutsche Wald entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid (Thünen-Institut Kohlenstoffinventur für 2017). Damit kompensiert er etwa sieben Prozent der Emissionen in Deutschland. Rund 1.200 Millionen Tonnen Kohlenstoff sind hierzulande in lebenden Bäumen gebunden – noch. Auf den ersten Blick erinnert diese Szene nicht mehr an einen Wald. Der bisherige Baumbestand ist abgestorben, einige wenige Baumindividuen trotzen der Trockenheit. 
 
Aber es ist immer noch Wald! Totholz ist wichtig für die Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit der folgenden Waldentwicklung. Gleichzeitig ist Totholz aus Sicht des Artenschutzes von großer Bedeutung, da zahlreiche Arten darin und davon leben. Moose etwa sind Experten beim Thema Wasserhaltefähigkeit und Überlebensstrategie. Sie nehmen Wasser und Nährstoffe vor allem über ihre Oberfläche auf und sind von Luftfeuchtigkeit und Niederschlag abhängig. Innerhalb des Ökosystems Wald kommt ihnen die Bedeutung als Wasserspeicher und -filter zu. Sie bremsen den Oberflächenabfluss und binden Schadstoffe, die sie mit dem Wasser aufnehmen. Moose sind darüber hinaus der Lebensraum vieler Kleinstlebewesen.
 

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