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Umbenennung von Straßen

Umbenennung von Straßen in Darmstadt

Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat in seiner Sitzung vom 08.05.2019 die Umbenennung der zuvor von einem beim Stadtarchiv angesiedelten wissenschaftlich Fachbeirat unter Vorsitz von Oberbürgermeister Jochen Partsch und unter der wissenschaftlichen Federführung des Historikers Dr. Holger Köhn (Büro für Erinnerungskultur, Babenhausen) überprüften Straßennamen in Darmstadt in acht Fällen beschlossen. Darunter befindet sich auch die Hindenburgstraße.

Der Fachbeirat hat eine fundierte und sorgfältige wissenschaftliche Aufarbeitung und Bewertung der Biografien der Namensgeberinnen und Namensgeber Darmstädter Straßen während des nationalsozialistischen Regimes vorgenommen. Das nun vorliegende Ergebnis ist ein durch wissenschaftliche Überprüfung ausgearbeitetes Dokument, das erstmals eine historische Betrachtung der Straßennamen für Darmstadt zusammenfasst und Empfehlungen ausspricht.

Der Beirat hat sich bei den Bewertungen der Biographien von sieben Kriterien leiten lassen,  um zu vergleichbaren und nachvollziehbaren Aussagen zu kommen:

  1. aktive Förderung des Nationalsozialismus in führender Stellung (Multiplikator) aktive Mitarbeit in der NSDAP und/oder deren Massenorganisationen („ohne Not“),
  2. (3) aktive Verbreitung der NS-Ideologie, u. a. aggressiver Antisemitismus und/oder extremer Rassismus, Führerkult in Gedanken und/oder Wirken/Praxis,
  3. Anbiederung an das NS-Regime zum persönlichen Fortkommen/Aufstieg/Karriere („Opportunismus“),
  4. gezielte Ausnutzung spezifisch nationalsozialistischer oder kriegsbedingter Vorteile zugunsten des Betriebs oder des Forschungsbereichs,
  5. gravierende/signifikante Vertuschung bzw. Lügen zur NS-Vergangenheit nach Ende der NS-Herrschaft (z.B. im Entnazifizierungsverfahren) (zur Fortsetzung der „Karriere“ bzw. zum persönlichen und/oder beruflichen Fortkommen),
  6. unkritische Befürwortung des Krieges, auch seiner Fortsetzung/Verlängerung, z.B. durch Forschung zu Waffen, Massenvernichtungsmitteln.

Diesen Kriterien olgend hatte der Beirat aschließend in seinem Bericht empfohlen, von den 110 überprüften Personen in 93 Fällen den Straßennamen beizubehalten. In sieben Fällen empfahl der Beirat einstimmig die Umbenennung der betreffenden Straße (Hans von der Au, Gustav Brandis, Walter Georgii, Peter Grund, Christian Heinrich Kleukens, Richard Kuhn und Alarich Weiss). In fünf Fällen war der Beirat im Hinblick auf die Umbenennung geteilter Meinung und plädierte mehrheitlich, aber nicht einstimmig für eine Umbenennung (Robert Cauer, Bernhard Hoetger, Karl Krolow, Max Ratschow und Paul von Hindenburg). Der Magistrat folgte den einstimmigen Vorschlägen des Fachbeirats und sprach sich im Fall Paul von Hindenburgs aufgrund der historischen und politischen Einschätzung des wissenschaftlichen Beirats zusätzlich für eine Umbenennung aus.

Wichtige Mitteilung
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