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Buch des Monats

Juli 2021

Die Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“ hat

Toon Horsten: „Der Pater und der Philosoph“,

erschienen im Verlag Galiani, ISBN: 978-3-86971-211-6 , 24 EUR zum

Buch des Monats Juli gewählt.

 

 

Begründung der Jury:

Auch der ambitionierteste Geistespalast kann mitunter auf die Sachen selbst zurückgeworfen sein, ganz konkret auf vierzigtausend Manuskriptseiten in der seltenen Gabelsberger-Kurzschrift, die in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen Sein und Nichts schwebten. Die Rede ist vom umfangreichen Nachlass des jüdisch-deutschen Philosophen Edmund Husserl, der die eigentliche Ausformulierung seiner für das zwanzigste Jahrhundert so prägenden Phänomenologie enthielt. In der größten Not aber kam diesem kostbaren Konvolut – vom Himmel geschickt? – ein Geistlicher zur Hilfe, der belgische Franziskaner-Pater Herman Leo Van Breda. Die Geschichte seines Lebens erzählt nun sein entfernter Verwandter Toon Horsten, und kein Roman könnte spannender sein. Noch 1938, im Todesjahr des Philosophen, der alle frühzeitigen Angebote, den Nachlass nach Prag oder in die USA zu überführen abgelehnt hatte, gingen die Manuskripte samt Transkriptionen von Husserls Mitarbeitern wie Edith Stein und Eugen Fink von Freiburg im Breisgau aus auf eine gefährliche Reise durch das tobende Europa. Sie erreichten über die Zwischenstation Berlin schließlich die Stadt Löwen, wo ihre Erforschung im neu gegründeten Husserl-Archiv begann. Aber schon kurz darauf folgte der Krieg dem Weg des Geistes, und erneut schien das wertvolle Erbe in Gefahr. Wie Pater Van Breda, der „Gott und Husserl…mit gleichem Eifer“ diente, im Angesicht von Besatzung und Geldnot alle Widrigkeiten zu meistern, ein gewaltiges Netzwerk in die Szene der französischen Existenzialisten hinein aufzubauen und auch mit Husserls problematischstem Schüler, Martin Heidegger, umzugehen verstand, das erzählt Horsten in faszinierend präziser wie unprätentiöser Weise. Er führt damit auf charmante Weise auch die Lebenswelt und die Philosophie wieder zusammen, die einander eben allenfalls in einem Gedankenspiel wie der phänomenologischen Reduktion ausklammern können. Die Darmstädter Jury „Buch des Monats“ hat diese schöne Hommage an einen der in seiner Zeit wichtigsten und doch unbekanntesten Netzwerker im Haus des Denkens zum Buch des Monats Juli 2021 gewählt.

(Darmstädter Jury "Buch des Monats e.V.",Oliver Jungen)

 


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.

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Buch des Monats

Die Darmstädter Jury:

Peter Benz
Michael Braun
Oliver Jungen
Hanne F. Juritz
Adrienne Schneider
Dr. Tilman Speckelsen
Dr. Gerhard Stadelmaier
Dr. Hajo Steinert
Wolfgang Werth

Kontakt zur Geschäftsstelle über buchdesmonats@1sp4mhotmail.abcom

Wichtige Mitteilung
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