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Buch des Monats

Mai 2022

die Darmstädter Jury hat

„Der makedonische Offizier“ von Andrej Platonow zum

Buch des Monats Mai2022

gewählt, erschienen im Suhrkamp Verlag, Berlin, aus dem Russischen übersetzt, mit Kommentaren und einem Nachwort versehen von Michael Leetz, ISBN 978-3-518-43026-2, Preis 24,- EUR

 

Es sind nur vierzig Seiten. Und „nicht zur Veröffentlichung bestimmt“, wie es 1936 in den Akten des sowjetischen Geheimdienstes steht. „Der makedonische Offizier“ von Andrej Platonow blieb Entwurf, Fragment, Skizze, aber von einer vollendeten, in sich stimmigen kompositorischen Eleganz und Schärfe und vor allem: Gefährlichkeit. Gerade, weil das alles im Ton einer Fabel, eines fernen Märchens daherkommt. Das in ferne, fremde Töne Verkleidete stört ja die Despoten viel mehr als alles nur Direkte. Weil es die Phantasie schöner, böser, produktiver in Wallung bringt. Stalin schäumte vor Wut. Die Fabel war ja auch demnach. Sie macht aus einem Land kein gar zu großes Geheimnis, das fest verschlossen und ausweglos ummauert scheint, gefangen in einem Wahnsystem, in dem diejenigen sich selbst zu Tode prügeln, die zu wenig Freude über das Leben ihres Königs Osni (sprich Stalin) empfinden, und in dem „jeder Atemzug seit Osnis Geburt zur Vergeblichkeit verdammt ist in seinem Ringen um Glückseligkeit“. Ein Land, das nach Osnis Willen alle anderen Länder beherrschen (heute hieße das in den Kreml-Verlautbarungen „von Lissabon bis Wladiwostok“)  und jeden Einfluss von außen abwehren möchte (heute hieße das „Sonderoperationen gegen Nazis“). Der makedonische Offizier, ein heimlicher Abgesandter Alexander des Großen, hat den Außenblick des verstörten Eindringlings, der sich in verbotenen Zonen und Liebesbegegnungen bewegt wie in surreal vermintem Gelände. Er ist Wasserbau-Ingenieur wie sein Autor Platonow (1899 - 1951), der zeitlebens vergeblich Fuß zu fassen versuchte im Schriftstellerverband, aber unermüdlich für alle seine Schubladen in großen Romanen das fabulös beschrieb, was faul, furchtbar, blödsinnig und mörderisch war im Staate Osnis. „Nicht zur Veröffentlichung bestimmt“ könnte auch Putins, des neuen russischen Osni Geheimdienst heute diesem Stück Literatur attestieren. Sieht man die Fernsehbilder des Despoten Wladimir P., wie er von einer stotternden, ihn gelähmt adorierenden Glotz-Camarilla (inklusive Geheimdienstchef und Minister des Auswärtigen) umgeben ist, die er nach Belieben herunterputzt, dann hat das, noch schöner, noch böser, noch eindringlicher, als es jede TV-Kamera fertigbrächte, schon Andrej Platonow in Szene gesetzt. Vor 86 Jahren. Fürs deutsche Publikum jetzt zur Veröffentlichung bestimmt. Keineswegs zu früh.

Darmstädter Jury "Buch des Monats e.V.", Gerhard Stadelmaier 

 

 


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.

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Buch des Monats

Die Darmstädter Jury:

Peter Benz
Michael Braun
Oliver Jungen
Hanne F. Juritz
Adrienne Schneider
Julia Schröder
Dr. Tilman Speckelsen
Dr. Gerhard Stadelmaier
Dr. Hajo Steinert
Beate Tröger
Wolfgang Werth

Kontakt zur Geschäftsstelle über buchdesmonats@1sp4mhotmail.abcom

Info

Übersicht der bisher ausgewählten Bücher des Monats

und einer Zusammenfassung der Begründungen für das jeweilige Jahr

 

Wichtige Mitteilung
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