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Buch des Monats

Oktober 2022

die Darmstädter Jury hat

„Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ von Eeva-Liisa Manner

zumBuch des Monats Oktober 2022 gewählt

erschienen im Guggolz Verlag, ISBN 978-3-945370-36-0, Preis EUR 22,70

Kann man sich in die Trauer hineinschmiegen wie in ein wärmendes Kleidungsstück? In ganz seltenen Fällen, wenn eine Autorin so gut, empathisch und stilsicher ist wie Eeva-Liisa Manner nämlich, dann gelingt das tatsächlich. Einen leuchtenden Glanz, eine magische Aura bekommt alles, was aus dieser Perspektive spielerisch anmutiger Traurigkeit angeblickt wird. In Eeva-Liisa Manners bereits 1951 in Finnland erschienenem Buch, ihrem ersten Roman, fällt ein elternloses, „fallsüchtiges“ Mädchen von neun Jahren, hinter dem sich ein gutes Stück weit die Autorin selbst verbirgt, ganz buchstäblich aus der Welt, und zwar geradewegs in den Himmel hinein, in ein Universum aus Musik, Engeln und Träumen, in dem sich die fundamentale Einsamkeit vergessen lässt. Es ist ein selbst erschaffener Raum, kein göttlicher Gnadenerweis, und damit das Hehrste, was Kunst erschaffen kann. Nicht zufällig bildet die Pforte zu diesem Reich die Musik von Johann Sebastian Bach. Sie überwältigt das verlorene, von ihren Lehrern längst aufgegebene Mädchen mit geradezu physischer Kraft. 

Die im Jahr 1995 gestorbene Autorin, die als eine der wichtigsten modernistischen Dichterinnen Finnlands gilt und wie die Heldin bei der Großmutter aufgewachsen ist, hat mit „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ auch eine Hommage auf ihre 1939 von der Sowjetunion annektierte Heimatstadt Viipuri verfasst: „eine Traum gewordene Wahrheit“, „vollkommen, weil sie aufgehört hat zu existieren“. Wie sich Manner – nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg – in die unschuldige Gedankenwelt eines Kinds einfühlt und auf dieser Grundlage Profundes zu den großen Fragen des In-der-Welt-Seins und der Theodizee zu sagen hat, kann nur Bewunderung hervorrufen. Ebenso erstaunt es, von welch poetischer Kraft diese hierzulande noch kaum entdeckte Prosa ist: präzise, aber ohne jede Prätention. Für einen Moment gelingt es ihr, der defekten Welt eine gedanklich vollkommene entgegenzusetzen, erfüllt von Licht und Gesang. Und doch wird der schmerzhaft hohe Preis dafür nicht verschwiegen: ein Kind, das sterben möchte. Dem Übersetzer Maximilian Murmann ist das Kunststück gelungen, diese kostbare Sprache in all ihrer prekären Leichtigkeit zu übertragen. „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“, ein Trost- und Jubelbuch von eisblumenhafter Schönheit, ist das Darmstädter Buch des Monats im Oktober 2022.

Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.", Oliver Jungen


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.

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Buch des Monats

Die Darmstädter Jury:

Peter Benz
Michael Braun
Oliver Jungen
Hanne F. Juritz
Adrienne Schneider
Julia Schröder
Dr. Tilman Speckelsen
Dr. Gerhard Stadelmaier
Dr. Hajo Steinert
Beate Tröger
Wolfgang Werth

Kontakt zur Geschäftsstelle über buchdesmonats@1sp4mhotmail.abcom

Info

Übersicht der bisher ausgewählten Bücher des Monats

und einer Zusammenfassung der Begründungen für das jeweilige Jahr

 

Wichtige Mitteilung
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