Wissenschaftsstadt Darmstadt

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Luftreinhaltung

Schädliche Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen entstammen im Wesentlichen drei großen Bereichen: Dem gewerblichen Bereich, dem häuslichen Bereich sowie dem Verkehr. Gegen jeden Verursacher (Emittenten), der zu einer Überschreitung von Luftimmissionsgrenzwerten beiträgt, sind entsprechend seinem Anteil Maßnahmen zu richten, um die Luftqualität zu verbessern. Die Festlegung dieser Maßnahmen erfolgt im Rahmen von Luftreinhalteplänen und Plänen für kurzfristige Maßnahmen (ehemals Aktionspläne). In Darmstadt konnte aufgrund der Maßnahmen in der Vergangenheit die Belastung durch Feinstaub deutlich reduziert werden, so dass heute gültige gesetzliche Grenzwerte eingehalten werden. Weiterhin sind Maßnahmen zur Reduktion der Belastung mit Stickstoffdioxiden notwendig. 

Der aktuelle Luftreinhalteplan für den Ballungsraum Rhein-Main, Teilplan Darmstadt ist fertiggestellt und am 29.09.2015 in Kraft getreten. Die Fortschreibung erfolgt kontinuierlich, zuletzt beschlossen wurde am 07.09.2017 durch die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt der Entwurf des Maßnahmenkatalogs bezüglich der 3. Fortschreibung des Luftreinhalteplanes für den Ballungsraum Rhein-Main, Teilplan Darmstadt.

Zweck der Luftreinhaltepläne ist unter anderem durch ergriffene und geplante Maßnahmen Schadstoffbelastungen in der Außenluft zu reduzieren und so beispielsweise Diesel-Fahrverbote zu vermeiden.

Umweltzone

Seit November 2015 hat Darmstadt eine große Umweltzone, in der nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette verkehren dürfen. Weiterhin besteht ein Durchfahrt- und Nachtfahrverbot für LKW.

Die Maßnahmen sind in einem Flyer dargestellt.

Ausnahmegenehmigungen sind möglich: Wenn Ihr Auto keine grüne Plakette erhält, besteht die Möglichkeit eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Hierfür müssen sowohl allgemeine als auch besondere Voraussetzungen von Fahrzeug und Fahrzeughalter erfüllt werden.

Wenn Sie einen Ausnahmgenehmigung beantragen möchten, können Sie entweder einen formlosen schriftlichen Antrag stellen oder dieses Formular benutzen.

Weitere Informationen zum Thema

Stickoxidbelastung und Diskussion um Fahrverbote

Hauptschadstoffe in der Darmstädter Stadtluft sind reaktive Stickoxide (NOx), also gasförmige Oxide des Stickstoffs, welche in vor allem bei Verbrennungsreaktionen entstehen können. Diese führen in Innenstädten zu einer Vielzahl von negativen Umweltbelastungen. So tragen diese zur Feinstaub-Bildung bei, schädigen Pflanzen und begünstigen die sommerliche Ozonbildung.

Vor allem aber das Stickstoffdioxid (NO2), welches, vor allem bei Asthmatikern, schwere Atemwegsreizungen verursachen kann und die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen könnte, ist eine ernstzunehmende Gesundheitsbelastung. Eben jenes Stickstoffdioxid ist in Innenstädten von Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet zu über 70 % auf den PKW-Diesel-Verkehr zurückzuführen.

Aufgrund der Grenzwertüberschreitungen für Stickoxide (NOx) an der Messstelle in der Hügelstraße (City-Tunnel) gehört Darmstadt mit zu den am stärksten belasteten Städten in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen hoch belasteten Städten, werden in Darmstadt im Rahmen der Luftreinhaltepläne (s.o.) bereits vielfältige Maßnahmen zur NOx-Immissionsminderung umgesetzt und kontinuierlich ergänzt, so dass es aktuell ausschließlich in der Hügelstraße sowie in der Heinrichstraße zwischen Heidelberger Straße und Wilhelminenstraße zu einer Überschreitung des Immissionsgrenzwertes kommt.

Auch nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig, welches festgestellt hat, dass Kommunen als letzte Möglichkeit und unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit Fahrverbote aussprechen können, würde definitiv nicht die gesamte Innenstadt gesperrt werden! Auch eine Sperrung der o.g. Straßenabschnitte wird aktuell nicht geplant, da Fahrverbote vermieden werden sollen. Sperrungen oder  Bereiche für Fahrverbote können  nur erfolgen, wenn dies durch das Hessische Umweltministerium angeordnet wird, weil andere Maßnahmen nicht ausreichend sind.

Zur Vorgehensweise der Stadt nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Leipzig am 29.02. 2018 äußerten sich sowohl Oberbürgermeister Jochen Partsch und Umweltdezernentin Barbara Akdeniz umgehend: (link).

 

Entwicklung der Stickstoffdioxid-Belastung in Darmstadt

Aufgrund der Immissionsgrenzwertüberschreitungen in Darmstadt (und anderen Städten des Ballungsraumes) wurden bereits seit Jahr 2004 Luftreinhaltepläne erstellt. Aktuell ist vor allem die Stickstoffdioxidbelastung in Darmstadt im besonderen Fokus, da hier die entsprechenden Jahresmittelwerte deutlich oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes liegen. So wurde in Darmstadt an der amtlichen Messstation in der verkehrsreichen Hügelstraße in 2016 ein Jahresmittelwert (JMW) von 55,5 μg/m³ NO2 ermittelt. Dieser ist im JMW 2017 bereits auf 52,3 µg/m³ NO2 gesunken.

Graphische Darstellung der Stickstoffdioxid-Entwicklung und Hochrechnung

Zusammenstellung der Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte Darmstadt Hügelstraße (schwarze Kreise) und in der Rudolf-Müller-Anlage (Referenzmessstelle, blaue Kreise). Die gleitenden Jahresmittelwerte (grüne Kreise) sowie die Hochrechnung des JMW 2018 in der Hügelstr. (auf Basis der Monatsmittelwerte Januar bis April 2018, rote Kreise) wurden durch das Umweltamt Darmstadt ermittelt

Hochrechnung der Stickstoffdioxid-Belastung für 2018

Nach Hochrechnungen des Umweltamtes Darmstadt, welche basierend auf den Monatsmittelwerten von Januar bis April 2018 durchgeführt wurde, wird der NO2-Jahresmittelwert für 2018 bei ca. 47 µg/m³ liegen. Darüber hinaus wurden gleitende Mittelwerte von Mai-April eines jeden Jahres errechnet. Für den Zeitraum von Mai 2017- April 2018 ergibt sich (durch das Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, HNLUG bestätigt) ein Wert von 48,6 µg/m³.

Dies bestätigt die Entwicklung der Vorjahre, welche seit 2015 eine abnehmende Tendenz aufweist. Diese Entwicklung ist vor allem in den vielfältigen Maßnahmen, welche die Stadt Darmstadt im Rahmen der Luftreinhaltepläne umsetzt, begründet. Ein entscheidender Faktor dabei ist nicht zuletzt die erfreuliche Entwicklung im "Modal Split" - Bürgerinnen und Bürger nutzen vermehrt den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), das Fahrrad oder gehen zu Fuß und nutzen weniger das eigene Auto (MIV).

Sowohl der hochgerechnete JMW 2018, als auch der gleitende Mittelwert 2017/2018 (s.o.), zeigen, dass die Einhaltung des gesetzlichen Grenzwertes für Stickstoffdioxid von 40 µg/m³ an der Hügelstraße bis 2020 theoretisch möglich ist, wenn weitreichende Maßnahmen zur Reduktion der NO2 Belastung (s.u.) konsequent, nachhaltig und mit Unterstützung des Landes Hessen und der Bundesrepublik Deutschland verfolgt werden, denn ohne weitreichende Maßnahmen ist keine Unterschreitung des Grenzwertes bis 2020 möglich.

Maßnahmen zur Reduktion der Stickoxidbelastung (Green City Plan)

Um weitergehende Maßnahmen zu entwickeln, bestehende Anstrengungen und Akteure*innen zu bündeln und Förderprogramme des Bunde im Rahmen des Sofortprogrammes "Saubere Luft 2017-2020" nutzen zu können, wird aktuell ein "Green City Plan" erstellt.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hatte nach Bekanntwerden des sog. „Dieselskandals“ an den sog. "Dieselgipfeln" teilgenommen (link) und weiterhin im Dezember 2017 einen Förderbescheid des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Höhe von 624.000 € erhalten um einen „Green City“ Plan zu erstellen, in welchem Maßnahmen dargestellt werden sollen um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern.

Der „Green City“ Plan wird ein kohärentes Gesamtkonzept zur Reduzierung der Luftbelastung durch Stickstoffdioxid (NO2) darstellen, in dem einzelne Maßnahmen und Maßnahmenbündel nach Fristigkeit und Auswirkung identifiziert und bewertet werden. Fertigstellung des Plans wird, wie vom Verkehrsministerium in Berlin vorgegeben, der 31.07.2018 sein.

Verschiedene Erhebungsmethoden der Stickstoffdioxidbelastung

Es existieren zwei unterschiedliche Methoden zur Erhebung der Stickstoffdioxid-Immissionsbelastung:

  • Belastbare, amtlich geprüfte Werte der Luftschadstoffkonzentration wie Feinstaub, Benzol, Stickstoffmonoxid & Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und weitere Schadstoffe werden seit 1997 an amtlichen Messstellen kontinuierlich erhoben und in Halbstunden- bis Jahresmittelwerten nach Schadstoffklasse getrennt öffentlich abrufbar auf der Homepage des HLNUG (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) bereitgestellt.
    Hier können sowohl die Luftschadstoffkonzentrationen an der amtlichen Messstation in der Hügelstraße (hohe Verkehrsbelastung), als auch die Luftschadstoffkonzentrationen an der amtlichen Referenzstelle (Hintergrundbelastung) in der Rudolf-Müller-Anlage eingesehen werden.

  • Eine alternative Methode der Erhebung der Stickstoffdioxidkonzentration in der Außenluft besteht in der Verwendung von Passivsammlern. Dieses Verfahren wird seit 2008 in Hessen durch das HLNUG eingesetzt. Hierbei werden ca. 9 cm lange Röhrchen in einem Wetterschutzbehälter an bspw. Straßenlaternen angebracht und im ca. 4 Wochen-Rhythmus ausgetauscht. Während dieser Zeit diffundiert NO2 an ein absorbierendes Medium (Triethanolamin), welches auf ein Edelstahlgitter aufgetragen wird. Eine Analyse (Saltzman-Verfahren) der Menge des absorbierten NO2 im Labor ermöglicht Rückschlüsse auf die zugrunde liegende Stickstoffdioxid-Umgebungskonzentration.

Vor- und Nachteile des Passivsammlersystem:

  • Vorteile sind vor allem der geringe Platzbedarf während der Messung (Laternenpfahl), der simple Aufbau und die geringen Kosten.

  • Nachteile liegen in der weniger exakten Bestimmung der Belastung im Vergleich zu einer amtlichen Messstation und einem zeitlichen Versatz, da die Analyse im Labor relativ zeitintensiv ist. Darüber hinaus ist es ausschließlich möglich Zweiwochenmittelwerte bis Monatsmittelwerte zu erfassen, eine höhere zeitliche Auflösung (Stunden/Tagesweise) ist nur mit einer Messstation möglich, daher ist es auch nicht möglich die 1-Stunden Grenzwerte (Überschreitung maximal 18x/Jahr) mit Passivsammlern zu überwachen. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass aufgrund von Luftverwirbelungen (Wetterlagen, Lee-Seite von Häusern u.a.) die Gefahr einer Akkumulation von Stickoxiden besteht, die zu erhöhten Werten führen kann.

Es gibt also eine ganze Reihe an Nachteilen der Passivsammlermessungen im Vergleich zu einer amtlichen Messstelle mit all Ihren Vorzügen und ihren bereits weit-zurückreichenden Messwerten, die eine Kontinuität der Messergebnisse sicherstellt. Daher sind Werte einer amtlichen Messstelle immer Passivsammlerdaten vorzuziehen.

KONTAKT


Luftreinhaltung

Umweltamt
Telefon: 06151 13-3280
E-Mail

Ausnahmegenehmigungen
Umweltzone (Ag)

Straßenverkehrsbehörde
Frau Bär
(8:30 - 12:00 Uhr)
Telefon: 06151 13-2122
E-Mail

Aktuelle Schadstoffwerte

Berichte aus dem Hessischen Luftmessnetz finden Sie hier

Gleitender Jahresmittelwert: Messstation Hügelstraße: Stand Februar 2018: 49,8 Mikrogramm/cbm Luft

Vorläufige Daten zu 2017 hat das Umweltbundesamt veröffentlicht.

Weitere Informationen

Hess. Umweltministerium

Umweltbundesamt

Antworten zu den häufigsten Fragen zu Stickoxidbelastungen finden Sie hier: https://www.umweltbundesamt.de/themen/neun-fragen-antworten-dieselUBA.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt beschreitet seit längerem neue Wege um die Luftverunreinigungen, die durch den Verkehr verusacht werden, zu minimieren. Ein Weg ist die Ausnutzung von Daten zur Verkehrsdichte, die mittels eines Netzes von mehr als 200 Sensoren in der Stadt erfasst werden.

Entwicklungen zu Smart City auf der Cebit 2017: Hörbeitrag zum Beispiel Darmstadt finden Sie hier.

Darmstadt stellt Verkehrsleitapp vor 

Echtzeitdaten der Verkehrsbelastungssituation finden Sie hier

Eine App könnte zukünftig den Verkehrsteilnehmenden den Weg und die Geschwindigkeit weisen, welche zu den wenigsten Halten und der kürzesten Reisezeit führen. Die Zeit, die ein Fahrzeug am Verkehrsgeschehen teilnimmt, verringert sich dadurch. Weitere Informationen

Ein ähnlicher Effekt soll mit einer Park-App erzielt werden, die ab 2018 entwickelt wird. Sie soll es den Verkehrsteilnehmenden ermöglichen, ohne Umwege einen Parkplatz zu finden. Studien zeigten, das für die Parkplatzsuche bis zu 15 Minuten in Anspruch genommen werden müssen. Diese werden eingespart, wenn der freie Parkraum direkt angefahren werden kann.