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Wissenschaftsstadt Darmstadt zeichnet Professor Werner Durth mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung aus

(ono) – Friday, 26.05.2023

Oberbürgermeister Jochen Partsch und Prof. Dr. Werner Durth © Wissenschaftsstadt Darmstadt

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat Dr. Werner Durth, emeritierter Professor der Technischen Universität Darmstadt, die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung verliehen. Oberbürgermeister Jochen Partsch überreichte die hohe Auszeichnung am heutigen Freitag, 26. Mai 2023, in der Orangerie. Darmstadt würdigt damit sowohl Durths herausragendes Schaffen als Architektursoziologe und Architekturhistoriker als auch sein breit gefächertes soziales wie kulturelles ehrenamtliches Engagement.

„Es ist in Deutschland“, sagte Oberbürgermeister Partsch anlässlich der Ehrung, „kaum ein Gespräch über Architektur denkbar, in dessen Verlauf nicht der Name Werner Durth fällt – früher oder später, aber, ehrlich gesagt, in der Regel eher früher. Kein Zweiter hat Forschung und Lehre zur Architektur so konsequent in einen gesellschaftlich-historischen Rahmen gestellt, kein Zweiter auch die Biografien namhafter Architekten des 20. Jahrhunderts gleichsam aus der Zeitgeschichte herausgeschält, die politische Bedingtheit des Bauens beleuchtet und damit Architektur, wie sie vor uns steht, überhaupt erst transparent gemacht.“

„Zugleich warb Durth unermüdlich für Baukultur, für einen humanen, nicht allein ökonomischen Anspruch an die Architektur. Wer über die gesellschaftliche Verantwortung des Architekten spricht, spricht über Durth. Und das hat er in seinem eigenen Leben beispielhaft und ebenfalls unermüdlich umgesetzt – in einer Vielzahl sozialer und kultureller Initiativen und Engagements. Damit“, so Partsch, „hat er sich um das Wohl und Ansehen der Stadt Darmstadt, auch weit über ihre Grenzen hinaus, verdient gemacht.“

Werner Durth wurde am 17. Mai 1949 in Mengeringhausen geboren. Er studierte an der damaligen Technischen Hochschule (TH) Darmstadt Architektur und Stadtplanung sowie Soziologie und Philosophie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1976 wurde er bei dem Stadtplaner Thomas Sieverts und dem Soziologen Manfred Teschner zum Dr.-Ing. promoviert. Er war Mitherausgeber der Zeitschriften ARCH+ und Stadtbauwelt, 1976 bis 1981 Lehrbeauftragter für Urbanistik und Stadtsoziologie an der Hochschule für Gestaltung in Bremen und an der Universität Hannover, 1978 bis 1981 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der TH Darmstadt. Nach Professuren in Mainz und Stuttgart wurde Durth 1998 als Professor an die TU Darmstadt auf das neu eingerichtete Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur berufen und dort 2017 emeritiert.

Seine Forschungen widmete Durth den Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Architektur und des Städtebaus der Moderne, mit Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus sowie des Wiederaufbaus in der Bundesrepublik und der DDR. Sein umfangreiches publizistisches Oeuvre hat Werner Durth internationale Reputation eingebracht; nahezu alle seine Bücher gelten heute jeweils als Standardwerk. Große Beachtung fand bereits „Deutsche Architekten“ (1986), das deren Lebenslinie über die Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg nachzeichnet. Es folgten unter anderem „Träume in Trümmern“ (1988, mit Niels Gutschow) und schließlich das Mammutwerk „Baukultur: Spiegel gesellschaftlichen Wandels“ (2009), das detailliert und vielschichtig die Entwicklung von Architektur und Stadtplanung des 20. Jahrhunderts in ihrem gesellschafts- und kulturpolitischen Kontext aufzeigt.

Durth wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schelling-Architekturpreis für Architekturhistoriographie 1992, mit dem Fritz-Schumacher-Preis für sein Lebenswerk 2004, mit der Ehrendoktorwürde der Nationalen Polytechnischen Universität Lwiw (Lemberg) 2005, mit dem Literaturpreis des Deutschen Architekten- und Ingenieurverbands 2019. Seit 2019 ist er Ehrenmitglied des Bundes Deutscher Architekten, war von 2016 bis 2019 Beauftragter zur Vorbereitung des Programms „100 Jahre – 100 Orte“ anlässlich des Jubiläums der Bauhaus-Gründung in Weimar 1919 und wirkt in zahlreichen Gremien, unter anderem in der Auswahlkommission zur Architekturbiennale Venedig, in der Bundesstiftung Baukultur sowie im Expertenrat zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen mit. Er ist Mitglied unter anderem der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, der Sächsischen Akademie der Künste Dresden und der Akademie der Künste in Berlin, für deren Neubau am Pariser Platz er gemeinsam mit Günter Behnisch auch den Entwurf lieferte. Über Jahrzehnte war er Mitglied in zahlreichen Preisgerichten, von 1997 bis 2005 Vorsitzender der Jury zum Deutschen Architekturpreis, von 2000 bis 2020 Kurator des Deutschen Städtebaupreises, ausgelobt von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.

Das große Panorama – zeitlich wie räumlich betrachtet – gelingt Durth ebenso wie der fokussierte Blick auf lokales Schaffen, wie jenes der in Darmstadt tätig gewesenen Baukünstler Joseph Maria Olbrich, Friedrich Pützer, Otto Bartning oder Ernst Neufert. Seit 1998 und bis heute ist er Mitglied des Kuratoriums der Otto-Bartning-Stiftung. Zudem hat sich Werner Durth seit 2016 als Mitglied des Internationalen Advisory Boards am Verfahren zur Anerkennung der Mathildenhöhe als UNESCO-Welterbe beteiligt und zuvor schon, etwa bei dem international besetzten Planungs-Workshop „Forum Mathildenhöhe“ 2006, in erheblichem Umfang dazu beigetragen, dass die Anerkennung im Jahr 2021 zuerkannt wurde.

Besondere Verdienste hat er sich bei der Initiative zum Neubau der Synagoge in Darmstadt erworben und dabei ab 1988 an der Konzeption und Gestaltung des Gemeindemuseums in der neuen Synagoge mitgewirkt. Für dieses Engagement wurde er 1991 bei der Eröffnung des Museums durch die Übergabe einer „Urkunde zur Pflanzung von 25 Bäumen“ in Israel geehrt. In den folgenden Jahren blieb er der Jüdischen Gemeinde durch seine kontinuierliche Förderung einer Kultur der Erinnerung an die Geschichte des jüdischen Lebens in Darmstadt eng verbunden und wirkte bei mehreren Ausstellungen und Publikationen mit.

Ein besonderes Kapitel in seinem ehrenamtlichen Engagement in Darmstadt nimmt seit 2003 seine Mitgliedschaft im Gründungsvorstand des „Vereins Lebensweg“ ein, ein Verbund von Eltern mit Kindern mit Behinderungen auf der Suche nach gemeinsamen Perspektiven für das Leben nach der Schule. Gleichzeitig bereitete er mit einigen Aktiven des Vereins „Initiative Domäne Oberfeld“ die Gründung einer Stiftung zur Rettung des Hofguts und der Landwirtschaft vor, wobei der Stiftungszweck um den Aspekt der Inklusion bereichert wurde. 2006 wurde die gemeinnützige Stiftung Hofgut Oberfeld gegründet. Bis 2012 war Durth dort im Vorstand tätig und seitdem kontinuierlich im Stiftungsrat.

„Durch seine wissenschaftliche Reputation, sein soziales und kulturelles Engagement in Darmstadt, seine Charakterstärke, seine stets der Aufklärung verpflichtete persönliche Haltung hat sich Werner Durth um die Stadt Darmstadt verdient gemacht“, erklärte Partsch. „Mit der Vergabe der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung bezeugen Magistrat und Stadtgesellschaft ihren Respekt – und wir sagen damit Dank.“

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