Wissenschaftsstadt Darmstadt

Telefon: +49 (0)6151-13-1

E-Mail: info@darmstadt.de

ImpressumDatenschutz und Nutzungsbedingungen

1

Erinnerungsort Liberale Synagoge

Zur Vorgeschichte

Errichtung der Gedenkstätte
Errichtung der Gedenkstätte / Foto: Nikolaus Heiss

Im Oktober 2003 wurden bei Aushubarbeiten für einen Neubau im Städtischen Klinikum die Überreste der Liberalen Synagoge entdeckt. Das in dreijähriger Bauzeit nach einem Entwurf von Edmund Köhler errichtete und am 24. Februar 1876 eingeweihte Gotteshaus wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Nationalsozialisten zerstört.

Die hohe geschichtsträchtige Bedeutung dieses Fundes löste eine intensive Debatte über den Umgang der Stadt mit ihrer eigenen NS – Vergangenheit aus. An einem vom damaligen Oberbürgermeister Peter Benz initiierten ‚Runden  Tisch’ setzten sich Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der Stadt Darmstadt , des Klinikums sowie Architekten und Denkmalschützer zusammen und kamen in einem komplexen Prozess zu dem Ergebnis, dass um die Fundamente ein würdige öffentliche Stätte der Erinnerung entstehen soll, ohne die Funktionalität des zu errichtenden Krankenhausbaus zu beeinträchtigen. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat am 13.04.2004 beschlossen, an der Fundstelle eine Gedenkstätte zu errichten – als einen Ort der Erinnerung, der Stadtgeschichte eindringlich erfahrbar macht. Das Konzept beinhaltet die künstlerisch - didaktische Ausgestaltung des Ortes durch die Installationskünstler Ritula Fränkel und Nicholas Morris. Während des rund zweieinhalb Jahre andauernden Baustopps wurden die aufgefundenen Teilfundamente freigelegt und der Krankenhausbau umgeplant und ein Ort der Erinnerung baulich und inhaltlich konzipiert. Die Eröffnung sollte im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen der Neuen Synagoge im November 2008 erfolgen. Der Termin konnte aber wegen erheblicher Verzögerungen beim Bau des Klinikgebäudes nicht realisiert werden.



Der Fundort

Foto: Nikolaus Heiss

In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden die Funde als Kulturdenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz eingestuft, an dessen Erhaltung aus bau-, gesellschafts- und politikgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Die erhaltenen Fundamente entsprechen etwa einem Sechstel der ursprünglichen Grundfläche der Synagoge. In der Nähe der ehemaligen Thoranische ist ein Teil des eingebrochenen Erdgeschossfußbodens mit schwarzen und weißen Keramikfliesen zu erkennen, überdeckt von herabgestürzten, verbrannten Holz- und Schieferplatten. Die Mauerreste wurden in aufwändiger Handarbeit durch den Restaurator Steyer gereinigt und konserviert. Zum Schutz während der Bauarbeiten für den Klinikneubau wurde die Fundstelle komplett mit Sand verfüllt, mit einer Betondecke abgeschlossen und anschließend erneut freigelegt. Die Fundstätte wird nunmehr durch einen geschlossenen Kubus von ca. 15 x 15 m Größe vor der Witterung geschützt. Von außen erscheint die Gedenkstätte als natursteinverkleidete Raumskulptur. Eine anspruchsvolle Konstruktion, die das tonnenschwere Gewicht des über der Gedenkstätte lastenden Krankenhausgebäudes unsichtbar umleitet, ermöglichte es, den Innenraum stützenfrei zu überspannen.



Der Erinnerungsort Liberale Synagoge

Am 9. November 2009 wurde der Erinnerungsort Liberale Synagoge seiner Bestimmung übergeben.

Entstanden ist ein würdiger und in seiner Art einzigartiger Ort, der den Namen Erinnerungsort  verdient. Kein anderes Zeitdokument in unserer Stadt verfügt über eine vergleichbare Eindringlichkeit:

Bereits beim Betreten des Innenhofs weisen die Menora und einzelne Mauerfragmente auf den Erinnerungsort hin. Das Foto auf der Glasfassade zeigt ein Foto der Synagoge (ca. 1919) mit Blick vom damaligen Klinikgarten. Im Inneren des Raumes tritt die Architektur zurück, die Aufmerksamkeit richtet sich auf die beleuchteten Fundamente des ehemaligen Thoraschreins und eines Turmes. In einer räumlichen Inszenierung eröffnen die – multimedial auf verschiedene Zugangsmöglichkeiten ausgerichteten - Stationen des künstlerisch-didaktischen Parcours den Blick auf das, was nicht mehr sichtbar ist, auf das Leben der jüdischen Darmstädter, deren bedeutendes Gotteshaus an dieser stand. Das Verstehen und Beurteilen dessen, was hier geschehen ist, ist Ergebnis einer Spurensuche mit Steinen, Bildern und Worten.

Galerie

Zahlen und Fakten zum Erinnerungsort

Architektur: PFP Architekten Hamburg
künstlerisch-didaktisches Konzept: Ritula Fränkel und Nicholas Morris Darmstadt
technische Umsetzung: media|machine und arts+media Mainz
Baukosten   1.800.000 Euro
Ausstattung    285.000 Euro
Spenden           60.000 Euro

Zeitzeugenberichte am Audioterminal

Das Audioterminal im Erinnerungsort Liberale Synagoge ist neuerdings um drei weitere Zeitzeugenberichte ergänzt worden.

Die ehemaligen Darmstädter Helga Keller, Lea Itan und Max Neu sprechen über ihr Leben vor der Verfolgung der Juden in Darmstadt, den Schikanen während des Nationalsozialismus und den Ereignissen nach der Pogromnacht.

Die Interviews mit Helga Keller, Lea Itan und Max neu stammen vom Darmstädter Filmemacher Christian Gropper. Die Erweiterung des Terminals wurde ermöglicht mit Unterstützung des Darmstädter Förderkreis Kultur e.V., der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der HEAG Kulturfreunde gGmbH und der Jubiläumsstiftung der Sparkasse Darmstadt.

mehr

Ansprechpartner

Cornelia
Artinger

Telefon: (06151) 13-3341
Fax: (06151) 13-3398

Öffnungszeiten

Mittwoch und Sonntag
von 11:30 Uhr bis 16 Uhr

STADTRUNDGANG ZUR JÜDISCHEN GESCHICHTE DARMSTADTS

Stadtführung von Jugendlichen für Schulklassen und Jugendgruppen

Montag, den 6. November 2017,  16 - 18 Uhr

und

Mittwoch, den 8. November 2017, 17 - 19 Uhr

Eine Stadtführung von Jugendlichen für Schulklassen und Jugendgruppen

Das Team Archiv- und Museumspädagogik (TAMPDA) und das Kulturamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt laden anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht (9. November 1938) zu einem Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte Darmstadts ein. Das Besondere: Schülerinnen und Schüler der Lichtenbergschule Darmstadt, die im Schuljahr 2017/18 am Schulprogramm „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz teilnehmen, gestalten diese Stadtrundgänge im Rahmen der Initiative „Schüler Gegen Vergessen Für Demokratie“ und setzen eigene Akzente. Expertinnen und Experten der Darmstädter Erinnerungskultur unterstützen die Jugendlichen bei der Planung mit ihrer Expertise.

Die ca. zweistündige interaktive Führung beginnt vor dem Erinnerungsort Liberale Synagoge (Klinikum Darmstadt, Zugang über Bleichstraße). Zu den weiteren Stationen gehören die Gedenkwand für die zerstörte Orthodoxe Synagoge und Stolpersteine, die als Zeichen aktiven Erinnerns für die von den Nationalsozialsozialisten vertriebenen, deportierten und ermordeten Darmstädter Bürgerinnen und Bürger im Stadtgebiet verlegt sind. Um zu erfahren, wie und wo heute in Darmstadt – 79 Jahre nach der brutalen Zäsur durch den Nationalsozialismus – wieder jüdisches Leben spirituell und kulturell praktiziert werden kann, endet der Stadtrundgang mit einem Besuch in der neuen Synagoge in der Wilhelm-Glässingstraße (inkl. Einladung zum Kennenlernen der interaktiven Konzeption des Museums der jüdischen Gemeinde).


Interessierte Schulklassen und Jugendgruppen können sich bis 15.10.2017 anmelden bei:


Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt, Frankfurter Strasse 71, kulturamt@darmstadt.de Ansprechpartnerin ist Cornelia Artinger, Tel. 06151 13 33 34

Informationen für Schulklassen

Besuche von Gruppen und Schulklassen sind auch nach Vereinbarung möglich.

Weitere Informationen finden Sie hier

Literaturhinweis

"Eine Zierde unserer Stadt" Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Liberalen Synagoge Darmstadt
von Martin Frenzel

ISBN: 978 3 87390 259 6