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Buch des Monats

Januar 2017

 

Die Darmstädter Jury hat das Buch von

Christa Wolf "Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten: Briefe 1952 - 2011" - Sabine Wolf (Hrsg.)

zum Buch des Monats Januar 2017 gewählt.

Suhrkamp Verlag, ISBN-13: 978-3518425732, EUR 38,00

Begründung der Jury:

Der große Briefband Christa Wolfs , aus dem Nachlass ausgewählt, herausgegeben, sorgsam ediert und mit einem kundigen Nachwort von Sabine Wolf versehen, umfasst ihr gesamtes schriftstellerisches Wirken von 1952 bis zu ihrem Tod 2011. Es entfaltet sich sowohl ein poetisches wie auch ein zeithistorisches Dokument, das vor allem durch eine kluge Auswahl der Briefe besticht. Der Bogen reicht vom forschen und selbstbewussten Auftreten der jungen Studentin bei den Redakteuren des Neuen Deutschland, denen sie Rezensionen und ihre ständige Mitarbeit andient, über die ersten Auseinandersetzungen mit der bornierten Parteibürokratie um die junge Lyriker-Generation der Sarah und Rainer Kirsch und Volker Braun, bis zur Kaltstellung durch die SED im Gefolge der Biermann Ausbürgerung. Anrührend zu lesen sind die Briefe an Günter Grass, der wegen seines späten SS-Bekenntnisses publizistisch geächtet wurde und sie ihm nun aufmunternd beisteht, eingedenk ihrer eigenen Erfahrung mit Stasi-Vorwürfen. Christa Wolf war eine unermüdliche Briefeschreiberin, sie stand zeitlebens in Ost und West mit fast allen Intellektuellen in offenem Austausch, ungeschminkt, direkt, erfrischend. Sie attestierte ihnen wie vor allem auch sich selbst, zwischen allen Fronten sehr bequem zu stehen.

Darmstädter Jury Buch des Monats (Peter Benz)


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.


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Die Jury

Wer in der Jury des Buchs des Monats sitzt und Informationen über die Mitglieder finden Sie hier