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San Antonio − #StayStrongSA: We’re All in This Together

Mittwoch, 27.05.2020

Reihe. Die Krise, die vereint: Retrospektiver Blick in einige unserer Partnerstädte. Über frühe Maßnahmen, lokale Initativen und die Wiedereröffnung in San Antonio.

Ron Nirenberg, Bürgermeister von San Antonio, hilft dem Verein ‚Meals on Wheels San Antonio‘, der in diesen Krisenzeiten Menschen in Not unterstützt.

Dieser Bericht wurde im Mai erstellt und die Lage und Fallzahlen bezüglich der Covid-19-Pandemie haben sich in der beschriebenen Stadt oder dem Land möglicherweise verändert. Daher ist der folgende Artikel nur als Momentaufnahme zu betrachten


Update (22.07): Situation in San Antonio: Nach den Feierlichkeiten zum Memorial Day Ende Mai und dem Nationaltag am 4. Juli, 2020 ist die Zahl der Infizierten in San Antonio stark gestiegen. Am 17.07. wurde der neue Höchstwert von 27.047 Fällen in Bexar County erreicht. Texas Gouverneur Abbott erließ zwei neue landesweite Durchführungsbestimmungen: eine Ausführungsverordnung, die Masken vorschreibt, und eine Proklamation, die Versammlungen von mehr als 10 Personen verbietet. Beide traten am 3. Juli 2020 in Kraft. In seinem Interview für CNN  (18.07.) erklärte Oberbürgermeister Nirenberg den steigenden Zahlen, "wir haben schneller geöffnet, als es die Daten nahelegten. Zusätzlich haben wir politische Führer in unserem Staat und offensichtlich in unserer Nation, die das Maskentragen zum politischen Statement erklärt haben". Die aktuellen Informationen aus San Antonio sind hier verfügbar.


Während die USA mit den weltweit höchsten Fallzahlen von an Coronavirus erkrankten Menschen und daran Verstorbenen die Schlagzeilen dominieren, beklagt der Kreis um San Antonio – Bexar County – bei einer Bevölkerung von über 2 Mio. Menschen 1.761 Infizierte und 53 Tote, was im Vergleich mit anderen Kreisen eher im unteren Bereich der landesweiten Statistik zu sehen ist.

In San Antonio hat Bürgermeister Ron Nirenberg früh gehandelt und dadurch Menschenleben gerettet. Bereits am 23. März beschloss er die „Stay-at-home“-Regelung, bei der die Bürgerinnen und Bürger nur für bestimmte Aktivitäten ihr Haus verlassen durften: beispielsweise für Einkäufe, den Spaziergang mit dem Hund, Radfahren und Joggen. Die sonst pulsierende texanische Stadt mit Weltkulturerbe und einer berühmten kulinarischen Vielfalt wurde dadurch zwar schnell zu einem menschenleeren Raum, die Einwohner wurden aber keineswegs mit den Folgen dieser Restriktionen alleine gelassen.

Nirenberg setzte sich persönlich gegen die Verbreitung von Corona ein und klärte auf: Er verteilte Essen an Bedürftige und veranstaltete eine Online-Fragestunde für Kinder. Zudem sendet er täglich ein Briefing zur Situation via Video-Stream.

In einer Kurzmitteilung an Oberbürgermeister Partsch fasst er die Lage seiner Stadt zusammen: „Diese Zeit ist sehr herausfordernd, aber ich bin mir sicher, dass unsere Stadt daraus viel lernt und aus dieser Krise gestärkt hervorgeht. Ich muss uns durch die Krise lotsen und beginne jetzt schon mit Korrekturmaßnahmen gegen die Schwachstellen in unserem System, die die Krise offenbart hat.“

Von Verzweiflung, Panik, Resignation ist hier wenig zu spüren

Philina Wittke ist Leiterin des Verbindungsbüros der TU Darmstadt für Nordamerika. Sie lebt seit Januar in San Antonio und beschreibt den Einbruch der Corona-Pandemie in einer „innovativen, kreativen und geselligen Stadt voller Leben und Lachen, voller Sonnenschirme und Fotospots, voller Geschichten, die man kennt und die man nicht für möglich hält:

Normalerweise tummeln sich im urbanen Grün rund um The Pearl an sonnigen Tagen Alt und Jung, Familien und Paare, Studierende, Jogger, Freunde, Touristen und Hunde. Sie teilen sich einen Tisch, den Spielplatz oder den Fotospot vor dem Springbrunnen, genießen den italienischen Kaffee, die französischen Macarons, einen Teller Tacos oder eine Schale Ramen. Auf den Bänken, Stühlen und Mauervorsprüngen scheint es endlosen Platz zu geben, endlose Anlässe für Gespräche und endlose Ratlosigkeit, wie all die nassen Kinder aus den Wasserfontänen wieder trocken nach Hause kommen sollen.

Doch in jenen Tagen war niemand bei The Pearl. Der Lieferservice des regionalen Wochenmarktes hatte ein Onlineportal eingerichtet, die Restaurants haben nur „Zum Mitnehmen“ geöffnet. Der Weg in den Norden war einsam, weil Familien, Jogger und Fahrradfahrer ihre Blicke senkten und einen Bogen umeinander machten.

Und dennoch: Von Verzweiflung, Panik, Resignation ist hier wenig zu spüren. Jeden Tag gab es eine neue Idee, eine neue App und eine neue Initiative, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Einige Restaurants verkauften ihre Lebensmittel direkt aus den Kühlhäusern, um das Essen nicht wegwerfen zu müssen. Brauereien unterzeichneten Petitionen, um ihr Bier selbst ausliefern zu dürfen. Der lokale Supermarkt schaffte es regelmäßig in die nationalen Nachrichten, weil die Schutzmaßnahmen und die Lieferketten beispielhaft waren“.

In San Antonio wurden mehrere Hotlines und Hilfsangebote eingerichtet, die sich vor allem an Obdachlose, Opfer von häuslicher Gewalt sowie bedürftige Menschen richten. Lokale Whisky-Destillerien haben auf die Produktion von Desinfektionsmitteln umgestellt, die sie dann an die Stadt und Medizineinrichtungen spenden. Nichtregierungsorganisationen und Restaurants kümmern sich um die Versorgung von älteren Menschen. In verschiedenen Stadtteilen werden kostenlose Drive-Through-Tests durchgeführt.

Phasenweise Wiedereröffnung der Geschäfte

Am 17. April wurde hier die Maskenpflicht eingeführt. Knapp eine Woche danach versammelten Bürgermeister Nirenberg und Richter Wolff das Economic Transition Team (ETT), um den Beratungsrichtlinien des Health Transition Teams (HTT) eine breit gefächerte Geschäftsperspektive zu verleihen und die Wiedereröffnung lokaler Wirtschaft zu ermöglichen. Das ETT hatte die Aufgabe, einen Bericht mit Empfehlungen und Ressourcen zur Wiedereröffnung und zum sicheren Betrieb innerhalb der vom Staat Texas festgelegten Parameter für lokale Unternehmen vorzubereiten.

Am 19. Mai 2020 leitete der Gouverneur von Texas die 2. Phase der wirtschaftlichen Wiedereröffnung ein, indem er Geschäftskategorien ankündigte, die nun, wenn auch mit reduzierter Auslastung, operieren können. Ron Nirenberg gab am nächsten Tag eine neue Erklärung zur öffentlichen Gesundheit heraus, in der die Empfehlung zur Verwendung von Masken und zur Begrenzung der Anzahl der Menschen in den Versammlungsräumen erneut betont wurde. Die Anordnung des Bürgermeisters stimmt mit der des Gouverneurs überein, und gleich am Freitag  wurden weitere Geschäfte wieder eröffnet.

Den Daten zufolge ist die Zahl der diagnostizierten positiven Fälle in den letzten drei Wochen weiter zurückgegangen. Ein guter Grund zur Hoffnung, dass es so bleibt, aber wachsam sind alle und üben soziale Distanzierung. Für die Zoofans in San Antonio gibt es auch eine gute Nachricht: der Zoo durfte vor nun einer Woche bei einer Belegung von 25 % voll öffnen.

Wichtige Mitteilung
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