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Artikel

Troyes − Masken für alle

Mittwoch, 27.05.2020

Reihe. Die Krise, die vereint: Retrospektiver Blick in einige unserer Partnerstädte. Auch in Troyes herrschte wie überall in Frankreich eine Ausgangssperre. Die Stadt setzte daher verschiedenen Maßnahmen zur Aufheiterung der Menschen zuhause ein. Aber in der Zeit zuhause entstehen dennoch Fragen - so auch beim Sportjournalist Clément Meunier.

Bürgermeister François Baroin verteilt Mundschutzmasken an die Bevölkerung seiner Stadt

Dieser Bericht wurde im Mai erstellt und die Lage und Fallzahlen bezüglich der Covid-19-Pandemie haben sich in der beschriebenen Stadt oder dem Land möglicherweise verändert. Daher ist der folgende Artikel nur als Momentaufnahme zu betrachten.

Die französische Partnerstadt Troyes liegt mit ihren über 63.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der von der Pandemie schwer getroffenen Region Grand Est und ist die Hauptstadt des Départements Aube, in dem bisher 161 Todesopfer gezählt wurden – etwa die Hälfte von ihnen im Krankenhaus der Stadt Troyes.

Zur Bekämpfung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen war und ist die Stadt immer noch sowohl im virtuellen Raum als auch im realen Leben aktiv. Bereits Anfang April wurde beschlossen, die Stadtbevölkerung mit 150.000 waschbaren und wiederverwendbaren Textilmasken aus lokaler Produktion auszustatten. Seit dem 22. April wurden dann die Masken zum Teil von Bürgermeister François Baroin persönlich und mit der Unterstützung der Armee an die Bevölkerung verteilt. Mit Rücksicht auf das Ansteckungsrisiko wurden die Masken im ersten Schritt an die über 70-jährigen ausgeliefert. Danach erst konnten alle anderen Menschen, nach Altersgruppen gestaffelt, ihre Masken an sechs Verteilstellen in der Stadt selbst abholen – ein Grund, um in solchen bisher unvorstellbaren Zeiten einer Ausgangssperre das Haus zumindest im Umkreis von einem Kilometer zu verlassen.

Online-Maßnahmen zur Aufheiterung zuhause

Die neue Bestimmung zur Lockerung der Mobilität ab dem 11. Mai erlaubt Ausflüge und Reisen im Umkreis von bis zu 100 km von zu Hause auch ohne Bescheinigung. Die somit neu gewonnene Bewegungsfreiheit dürfte sich für die Menschen in Troyes als eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität anfühlen, die nächst gelegene Großstädte um Troyes herum, Paris, Reims, Nancy, Dijon oder Orléans bleiben für sie zunächst noch unerreichbar. Ähnlich wie sonst überall hat die strikte Ausgangssperre, die vom 17. März an bis zum 11. Mai über ganz Frankreich verhängt wurde, die Menschen in Troyes im Land der Champagne vor große Herausforderungen gestellt, ja sogar die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt (siehe auch den Beitrag von Clément Meunier unten).

Darauf hat der Gemeindeverband Troyes Champagne Métropole mit umfangreichen Maßnahmen reagiert, vor allem aber mit einer Vielzahl von digitalen Angeboten, die explizit dazu einladen, von Zuhause aus die bisher bekannten Kulturangebote der Museen, Bibliotheken und Gärten online neu zu entdecken, neue Kochrezepte von berühmten Kochmeistern der Stadt aus dem Herzen der Region Champagne auszuprobieren und sich über die kommunalen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise zu informieren. Der städtischen Webseite www.ville-troyes.fr ist zu entnehmen, dass die Stadt Troyes damit ihrer Bevölkerung dabei helfen wollte, „dem Krisenzustand von Zuhause zu entfliehen.“ Nicht weniger wichtig scheint der Stadt gewesen zu sein, sich mit einer auf derselben Webseite extra dafür eingerichteten Rubrik „Merci à …“ mit einzelnen Profilen und aussagekräftigen Geschichten bei besonders engagierten Menschen aus unterschiedlichsten Berufskategorien zu bedanken.

Clément Meunier – Corona und die Frage nach dem Sinn

Clément Meunier, Sportjournalist beim Regionalsender France 3 Champagne-Ardenne, erlebt die Zeit der Ausgangssperre mit seinen beiden kleinen Jungen zu Hause. Für ihn, der durch die leidenschaftliche Ausübung seiner Tätigkeit meist unterwegs und einen hektischen Rhythmus gewohnt war, eine innere Wiederentdeckung, die er in einem am 06.04.2020 veröffentlichten Artikel teilt.

Seit er seit dem 17. März wie viele Franzosen das Haus nicht ohne Grund verlassen darf, stellt er sich zunehmend Fragen nach dem Sinn des Lebens, über die Zeit und die Prioritäten. Von Beginn an habe er sich angesichts der vielen Todesopfer, der unterschiedlich von diesem beängstigenden Virus betroffenen Freunde und Verwandte klein und machtlos gefühlt. Und großen Respekt empfunden für diejenigen, die sich jeden Tag für die Bekämpfung der Pandemie und den Schutz der Gemeinschaft eingesetzt haben.

„Ich habe das Glück, seit meinem 18. Lebensjahr von meiner Leidenschaft, Sportjournalist zu sein, leben zu können. Natürlich erscheint das zum jetzigen Zeitpunkt sinnlos, aber in den letzten Jahren war es mein Leben, mein tägliches Leben, dem ich mich zu 100 % hingegeben habe“, so Meunier. Noch dazu hat er vor drei Jahren das Café-Theater „Le Troyes Fois Plus“ (letroyesfoisplus.fr) in Troyes eröffnet sowie die Eröffnung der Freiluftbar „MBeach“ am Freizeitsee in der Forêt d'Orient in der Nähe von Troyes vorbereitet.

Bei aller Begeisterung für dieses Leben stellt Meunier jedoch fest, dass er seine Familie und vor allem seine zwei Jungen im Alter von vier Jahren und sechs Monaten kaum gesehen habe.Trotz aller Versuche, sich nicht so sehr vom Alltag einnehmen zu lassen, und des Verzichts auf Schlaf war für ein gemeinsames Frühstück oder ein Familienessen kaum Zeit. Die Ausgangssperre und damit die Betreuung der beiden Kinder mit Fußball spielen, Hausaufgaben machen, Windeln wechseln und Karottenpüree zubereiten stelle ihn vor neue Aufgaben, lasse ihn aber auch seine Kinder ganz neu entdecken.

Abends, wenn die Kinder im Bett sind, kamen dann die Fragen. ‚Wie kann ein Virus die Welt so in die Knie zwingen? Warum ist der Mensch so von Unnötigem eingenommen? Was ist der Sinn, den wir unserem Leben, der Umwelt, der Wirtschaft, der Politik geben wollen...‘ Alles stehe in Frage. Während das Café-Theater geschlossen ist, es in der ganzen Welt keine Sportveranstaltungen oder -übertragungen mehr gibt, findet Meunier das plötzlich zweitrangig, „auch wenn es normalerweise mein tägliches Leben ist“. Durch diese Erfahrung glaubt er, dass diese Zeit unsere Zukunft auch über die Krise hinaus beeinflussen wird.

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