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Darmstadt gedenkt ihrer von den Nationalsozialisten verschleppten und ermordeten Bürger*innen

Dienstag, 01.12.2020

Das erstmals im November 2004 eingeweihte „Denkzeichen Güterbahnhof“ erinnert am Ort der Deportationen an die über dreitausend jüdischen Männer, Frauen und Kinder sowie an die Angehörigen der Sinti aus Darmstadt und dem ehemaligen „Volksstaat Hessen“, die in den Jahren 1942 und 1943 in die Todeslager der Nationalsozialisten im Osten verschleppt wurden. Die meisten von ihnen kehrten nie zurück.

Bild: protest.foto südhessen

Gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, dem Hessischen Landesverband der deutschen Sinti und Roma sowie weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren gedenkt die Wissenschaftsstadt ihrer rassistisch verfolgten Bürger*innen im März und im September jedes Jahres.

Beim diesjährigen Gedenken am 27. September sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch:

„Das Denkzeichen erinnert mit den Namen in seinem Inneren an die Opfer, an die Ediths, Rosas, Stephans und Bertholds, die damals entrechtet, verschleppt und umgebracht wurden, weil aus Ressentiment und Hass Raserei geworden war, und weil die Raserei sich staatlicher, militärischer und industrieller Instrumente und Strukturen bedienen konnte.“

Der Oberbürgermeister erinnerte auch an die Unterstützung der Nationalsozialisten in der Bevölkerung: „All das konnte nur geschehen, weil die Brandstifter die Unterstützung des größten Teils der Bevölkerung hatten. Weil es den wirren Agitatoren und Hasspredigern gelungen war, Hass und Ressentiments in die Köpfe und Herzen der meisten Menschen in Deutschland zu bringen.“

Romano und Maria Strauß vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Hessen sprachen als Vertreter der Minderheit bei der Gedenkstunde, aber auch als die Kinder von Überlebenden der Gräueltaten des Nationalsozialismus, die hier von Darmstadt aus nach Auschwitz deportiert worden waren.

Maria Strauß sagte, dass viele Menschen auch heute weiterhin Angst hätten „vor Angriffen, Beschimpfungen, Benachteiligungen und Ausgrenzung. Eine Angst, die mich sehr traurig macht. Es macht mich traurig, wenn Kinder vor ihren Freunden einen Teil ihrer Identität verheimlichen müssen. Es macht mich traurig, dass Angehörige unserer Minderheiten, Juden, Sinti und Roma, auf der Straße Angst haben müssen.”

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