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Ehrung

(SD) – Donnerstag, 05.02.2015

Silberne Verdienstplakette der Wissenschaftsstadt Darmstadt für Moritz Neumann - Oberbürgermeister Jochen Partsch: „Streitbarer Demokrat und moralische Instanz“

Moritz Neumann. Foto: Wissenschaftsstadt Damstadt/ Pressestelle

Oberbürgermeister Jochen Partsch zeichnete am Donnerstag (5.) Moritz Neumann (66) für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den Religionen sowie das kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Stadt mit der Silbernen Verdienstplakette der Wissenschaftsstadt Darmstadt aus.

„Wir würdigen heute mit der Verleihung der Silbernen Verdienstplakette die jahrzehntelange Arbeit Moritz Neumanns für Versöhnung, Toleranz und das kulturell-politische Gemeinwohl unserer Stadt. Moritz Neumann ist mehr als nur ein verdienter und engagierter Bürger unserer Stadt. Er ist Kopf, Herz und Seele der Jüdischen Gemeinde Darmstadts, die wiederum ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtgesellschaft ist. Nicht nur als Journalist und Kommunalpolitiker hat er sich immer wieder zu Wort gemeldet; vor allem, wenn es darum ging, zu den wichtigen Fragen unserer Zeit, klare Standpunkte zu beziehen und sie auch von anderen einzufordern. Neumann ist ein streitbarer Demokrat und eine moralische Instanz: Das entschiedene Auftreten gegen Antisemitismus und Rassismus, das Engagement für Verständigung, Toleranz und ein freiheitliches, solidarisches Miteinander sind für ihn konstitutiv. Er hat in der Jüdischen Gemeinde Darmstadts, in seiner Stadt Darmstadt und in der jüdischen Gemeinde Hessens und Deutschlands nachdenklich und engagiert für Dialog und Versöhnung gewirkt und ist dem neuen und alten Antisemitismus unerschrocken entgegen getreten. Wir Darmstädter sind froh, einen wie Moritz Neumann in unserer Mitte zu haben und sind ihm dankbar für seine klugen Initiativen und die praktischen Ergebnisse seiner Arbeit.

Moritz Neumann ist integer im besten bürgerschaftlichen Sinn, sein Wirken als engagierter rund kenntnisreicher Botschafter des Judentums auch weit über unsere Stadt hinaus kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er hat mit seinem Lebenswerk bewiesen und erfahrbar gemacht, dass Dialog und Versöhnung gelingen können, dass Erinnern auch etwas Gemeinsames sein muss, um zum Besseren zu führen“, so Oberbürgermeister Partsch in seiner Laudatio.

Moritz Isidor Neumann wurde am 07. April 1948 in Fulda geboren. Er absolvierte nach seinem Schulabschluss ein Volontariat bei der „Fuldaer Volkszeitung“, danach folgten Redakteur- und Korrespondententätigkeiten für Hörfunk und Fernsehen, aber auch bei verschiedenen Verlagshäusern in Hessen, so etwa beim „Darmstädter Tagblatt“ und dem „Darmstädter Echo“.
1980 wurde Moritz  Neumann zum Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen berufen, 1994 wurde der Vater dreier Kinder zum Vorsitzenden gewählt. Parallel dazu ist er ehrenamtlich in verschiedenen Kuratorien und als Mitglied in der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen engagiert. Seit 1994 ist Neumann Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland und seit dem Jahr 2000 Mitglied des European Jewish Congress.
Moritz Neumann war Gründungsmitglied der Landesanstalt für privaten Rundfunk in Kassel und ist seit zwei Jahrzehnten Mitglied im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks. Hier gehört er dem Programmausschuss Hörfunk an und ist stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses. Zudem ist er Bundesvorsitzender des deutschen Zweigs der internationalen Berufsbildungsorganisation ORT.

Seit über drei Jahrzehnten ist Neumann in der Jüdischen Gemeinde Darmstadt engagiert, deren Vorsitz er seit 1991 bis heute innehat. Sein Engagement gilt der Vermittlung von Kenntnissen über die jüdische Religion und ihre Traditionen, die er in früheren Jahren durch zahlreiche Schulveranstaltungen und in der monatlichen Sendereihe des Hessischen Rundfunks „Aus der jüdischen Welt“ weiter gab.
Der Wiederaufbau der Synagoge in Darmstadt war für die Jüdische Gemeinde und für die Stadt Darmstadt ein Projekt, das von allen Parteien und der Bürgerschaft gemeinsam getragen wurde. Hier hat sich Moritz Neumann in herausragender Weise engagiert und durch seinen kompetenten Rat richtungweisend an der Realisierung des Projektes mitgewirkt.
Mit der Einweihung der Synagoge am 9. November 1988 veränderte sich auch das Gemeindeleben: Synagogenführungen, Bildungsveranstaltungen über jüdisches Leben, kulturelle Angebote, Konzerte, Vorträge, Ausstellungen kamen wesentlich durch den Einsatz von Moritz Neumann zustande. In seiner Amtszeit hat sich die Gemeinde auf 800 Mitglieder vor allem durch den Zuzug russischer Juden vervierfacht: Für ihr Zurechtfinden in der neuen Kultur ist er eine unentbehrliche Hilfe.
Nachdem im Oktober 2003 die Überreste der im November 1938 durch die Nationalsozialisten zerstörten Liberalen Synagoge Darmstadt bei Bauarbeiten auf dem Gelände des Klinikums Darmstadt gefunden wurden, konnten nach einem Baustopp und Planänderungen für das Klinikum die Überreste gesichert und eine Gedenkstätte als Erinnerungsort konzipiert werden.

In seiner Mitarbeit in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit setzte sich Moritz Neumann stets für die Versöhnung von Juden und Christen ein, und auch als Co-Autor verschiedener Bücher zur Geschichte der Juden in Darmstadt und Autor des biografischen Romans „Im Zweifel nach Deutschland“ hat er sich mit großem Engagement für die Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden eingesetzt.

Zu Neumanns Vita gehört auch, dass er in einer Klezmer Band namens „Oif simches“ (dt. „viel Freude“) erfolgreich als Akkordeonspieler und -sänger auftrat, sich zudem auf der Bühne auch als glänzender Witze-Erzähler erwies. Mit der Band, in den 1980er Jahren die einzige jüdische Combo, trat er in ganz (West-)Deutschland auf. Es erschien auch eine CD.

Kommunalpolitisch war Moritz Neumann von 1997 bis 2006 als ehrenamtliches Mitglied des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt engagiert.

Für die von ihm betriebene Kontaktpflege zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Darmstadts erhielt Moritz Neumann im Jahr 1982 die Freundschaftsplakette der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Seine Berichterstattung in der örtlichen Presse trug damals mit dazu bei, Vergangenes wach zu rufen, aber auch zu vermitteln und Wege zu ebnen für neue Freundschaften.
Sein Engagement und seine Aufklärungsarbeit innerhalb der Jüdischen Gemeinde Darmstadt wurden im Jahr 2006 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Für sein Wirken um das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Hessen und sein Beitrag zu einer Verständigung der Religionen erhielt er im Jahr 2011 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen.

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