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Zweites Maßnahmenpaket Aktiver Schallschutz zur Reduktion von Fluglärm in Rhein-Main-Region veröffentlicht

(PSD) – Freitag, 26.01.2018

Umweltdezernentin Akdeniz: „Ziel ist die Entlastung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger auf Basis einer validen Datengrundlage und der Start des Konsultationsverfahrens unter Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern“

© Torsten Klemm/ pixelio

Im Rahmen eines Sonderkonvents des zuständigen Forums Flughafen und Region (FFR) wurde am Freitag (26.) das zweite Maßnahmenpaket Aktiver Schallschutz, mit dem Ziel der Reduktion des Fluglärms in der Gesamtregion Rhein-Main, veröffentlicht. Das Paket erhält auch die Untersuchung zur möglichen Verlagerung der Abflugroute ‚AMTIX kurz‘ in nördliche Richtung.

Konkret wurde vom Expertengremium Aktiver Schallschutz innerhalb des FFR eine Alternative zur derzeit zwischen Wixhausen und Arheilgen verlaufenden Abflugroute hinsichtlich ihrer Lärmwirkung, fliegerischen Umsetzbarkeit sowie auf ihre Sicherheits- bzw. Kapazitätsauswirkung geprüft. Diese mögliche neue Abflugroute würde nun den bestehenden Verlauf in Höhe Gräfenhausen verlassen, zwischen Wixhausen und Erzhausen verlaufen und hinter Darmstadt wieder auf den aktuellen Routenverlauf einschwenken. Rechnerisch wurde hierdurch eine maßgebliche Entlastung der Darmstädter Bürgerinnen und Bürger ermittelt. Für die Berechnungen wurde der Frankfurter Fluglärm Index verwendet, welcher beispielsweise am Tag die Zahl der betroffenen Bevölkerung in einem Gebiet mit 53 dBA Dauerschallpegel berechnet. Hier könnte die Zahl der rechnerisch betroffenen Bevölkerung in Darmstadt um mehrere Tausend sinken. Auch in der Nacht ergäbe sich eine deutliche Entlastung. Auf Stadtteilebene ist das Bild jedoch nicht einheitlich. Während Arheilgen und Kranichstein profitieren könnten, würde sich für Wixhausen keine Entlastung ergeben. In der Summe überwiegt der Entlastungseffekt deutlich, aus diesem Grund wurde diese Schallschutzmaßnahme durch das FFR auch in das Maßnahmenpaket aufgenommen.

„Mit den heute veröffentlichten Zahlen haben wir  eine belastbare Grundlage für die weiteren Diskussionen und das anstehende Konsultationsverfahren. Im Rahmen des Sonderkonvents wurde darüber gesprochen, dass es besser sei, auch kontroverse Maßnahmen zu prüfen, anstatt nichts zu tun und damit überhaupt keine Entlastung zu schaffen. Diese Auffassung teile ich. Dass es dabei für die Gesamtstadt unterschiedliche Entlastungseffekte gibt ist eine schwierige Ausgangslage. Unser Ziel ist, vor dem Hintergrund, dass die Lärmbelastung insgesamt sich aktuell insgesamt nicht reduzieren wird, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger in Darmstadt von Fluglärm zu entlasten. Das vorgegebene und von mir befürworte Konsultationsverfahren wird nach dem 14. Februar, dem Beschluss in der Fluglärmkommission, starten“, erläutert dazu die Darmstädter Umweltdezernentin Barbara Akdeniz.

Das Konsultationsverfahren war wegen der grundlegenden Bedeutung der Maßnahme sowie damit einhergehender kontroverser Betrachtungen bereits im Mai vergangenen Jahres in einem gemeinsamen Schreiben von Darmstadt und Erzhausen an das FFR angeregt worden, um eine substanzielle Einbindung in die Entscheidungsfindung zur Routenverlagerung zu erreichen. Die Eckpunkte des Verfahrens, welches vom FFR und der Fluglärmkommission anschließend u.a. auf die Initiative hin entwickelt wurde, waren in der Fluglärmkommission für den Flughafen Frankfurt im September vergangenen Jahres vorgestellt worden. Das Verfahren soll dabei generell bei aktiven Schallschutzmaßnahmen mit lärmverlagernder Wirkung angewendet werden. Konkret sollen die jeweils betroffenen Kommunen und per Zufall ausgewählte Bürgerinnen und Bürger unter Federführung des FFR in einen gemeinsamen Austausch gebracht werden. In diesem Austausch sollen die Herleitung der Untersuchungsergebnisse sowie im Detail die positiven und negativen Auswirkungen der jeweiligen Maßnahme erörtern werden und die Prüfung von eventuellen Alternativvorschlägen möglich gemacht werden. So wird den betroffenen Kommunen eine fundierte Basis für eine eigene Bewertung bzw. Positionierung gegeben. Das Ergebnis des Konsultationsverfahrens fließt maßgeblich in einen Beschlussvorschlag des FFR für die Fluglärmkommission ein, welche dann abschließend über die mögliche Routenverlagerung berät.

Neben der möglichen Verlagerung der Abflugroute ‚AMTIX kurz‘ enthält das zweite Maßnahmenpaket eine Vielzahl weiterer Entlastungsvorschläge für die Gesamtregion, beispielsweise die Anhebung des Anfluggleitwinkels für alle Landebahnen oder die intensivere Nutzung satellitenbasierter Navigationsverfahren. Die mit Abstand größte Auswirkung für Darmstadt hat dabei die mögliche Routenverlagerung der Abflugroute ‚AMTIX kurz‘.
Das beschriebene Konsultationsverfahren soll in der ersten Jahreshälfte starten, die Details der genaueren Ausgestaltung bzw. die Einbindung u.a. der Bürgerinnen und Bürger und der kommunalen Politik sollen dabei durch das FFR mit den betroffenen Kommunen im Vorfeld besprochen werden.

„Generell danke ich dem FFR und dem Expertengremiun aktiver Schallschutz für seine Arbeit. Unabhängig vom Ausgang des Konsultationsverfahrens setze ich mich weiterhin dafür ein, dass etwa durch optimierte Startverfahren, weniger Flugbewegungen, durch den Einsatz gegen Billigfluglinien sowie insgesamt leisere Flugzeuge oder die Ausweitung des Nachtflugverbotes eine Gesamtentlastung für die Region erreicht werden kann,“ so Akdeniz abschließend.