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Wissenschaftsstadt Darmstadt schließt Sanierungsgebiet Martinsviertel nach 44 Jahren ab

(DK) – Dienstag, 21.06.2016

Baudezernentin Cornelia Zuschke: „Erfolgreicher Abschluss eines der ältesten und größten Fördergebiete im Westen der Bundesrepublik Deutschland“

Freifläche am Achteckhaus im Darmstädter Martinsviertel wurde neu gestaltet. © Wissenschaftsstadt Darmstadt / Grünflächenamt

Da die wesentlichen Ziele der Stadtsanierung Martinsviertel erreicht sind, hat die Stadtverordnetenversammlung der Wissenschaftsstadt Darmstadt in ihrer Sitzung am 12. November 2015 die Aufhebung der Sanierungssatzung zum 01. Juni 2016 beschlossen. Damit entfallen die Regelungen des besonderen Städtebaurechts, das heißt der Sanierungsvermerk im Grundbuch wird von Amts wegen gelöscht, Bauanträge oder auch Anträge zur Teilung von Grundstücken, die Bestellung von Baulasten oder auch Kaufverträge und langfristige Mietverträge bedürfen keiner besonderen Sanierungsgenehmigung mehr. Trotz formellem Abschluss werden noch zwei investive Maßnahmen mit Städtebaufördermitteln finanziert: Die Umgestaltung der Liebfrauenstraße im Bereich zwischen Friedrich-Ebert-Platz und Mollerstraße und der Neubau des Kinder- und Jugendzentrums in der Pankratiusstraße.

Baudezernentin Cornelia Zuschke dazu: „Mit dem erfolgreichen Abschluss des Sanierungsgebiets Martinsviertel bringt die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Fördermaßnahmen in einem der ältesten und größten Fördergebiete im Westen der Bundesrepublik Deutschland zum Abschluss. In insgesamt 44 Jahren wurden rund 90 Wohnhäuser modernisiert über 40 Straßenabschnitte und Plätze umgestaltet. Außerdem wurden zwei Kindertagesstätten erweitert beziehungsweise neu errichtet, acht gemeinschaftliche Grünflächen in den Blockinnenbereichen erstellt und sechs neue Spielplätze geschaffen. Das Martinsviertel ist heute ein Stadtquartier mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität für junge und alte Menschen“, erläutert Zuschke.
Das Martinsviertel ist eines der ältesten Stadtviertel Darmstadts. Ein großer Teil des Gebietes blieb auch nach dem 2. Weltkrieg erhalten, jedoch boten die alten Quartiere nicht mehr die Bedingungen, den die anwachsenden Ansprüche an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse forderten. In den Gebäuden selbst fehlte es an angemessenen Sanitäranlagen, beheizt wurde mit Kohleeinzelöfen. Die Blockinnenbereiche waren mit Gewerbebetrieben bebaut, Lärm- und Schadstoffemissionen gingen damit einher. Die Verkehrsverhältnisse wurden durch zunehmenden Autoverkehr immer schwieriger, Abstellmöglichkeiten für Pkws reichten nicht mehr aus, Kinder fanden sowohl im öffentlichen Raum wie auch in den Blöcken keine Spielmöglichkeiten mehr. Im Juli 1972 wurde das Martinsviertel aufgrund dieser Missstände und Mängel zum förmlich festgelegten Sanierungsgebiet per Satzung von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und war damit eines der ältesten Fördergebiete in der gesamten Bundesrepublik. Mit 65 Hektar Größe war es zu Zeiten der damaligen Bundesrepublik (Westdeutschland) eines der größten Fördergebiete im Westen.

Beginnend mit der Planung zur Osttangente und dem sich zur damaligen Zeit entwickelnden Widerstand der Bürgerschaft gegen dieses Projekt, erwuchs das Prinzip der erhaltenden Stadterneuerung mit einem umfänglichen Konzept der Bürgerbeteiligung. Während vorher der Abbruch ganzer Häuserzeilen, die Trennung des Viertels durch eine breite, nicht querbare breite Straßentrasse von Nord nach Süd sowie die Anordnung von großflächiger Hochhaussiedlungen als städtebauliche Ziele benannt worden waren, ging es nun in eine andere Richtung. Die wesentlichen Ziele waren jetzt die technische, hygienische und wohnkulturelle Anpassung der Wohngebäude an den heutigen Wohnstandard, die Herstellung der Verkehrssicherheit und die Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, der Erhalt der typischen Blockrandbebauung mit der Schaffung von Freiflächen in den Innenbereichen sowie die Errichtung von Spielplätzen, Kindergärten und Jugendeinrichtungen. Dafür wurden rund 47 Millionen Euro an Städtebauförderung vom Bund, vom Land Hessen sowie der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu je einem Drittel aufgewandt. Die damalige Institutionalisierung der Advokatenplaner, die Organisation von Workshops mit Anwohnern, Faltblätter und Broschüren zu einzelnen Projekten lieferten außerdem wertvolle Erfahrungen für die heutige Beteiligungsstruktur in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.