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Reise zur Holbein-Madonna

(SD) – Mittwoch, 24.06.2015

Reinhold Würth lädt Darmstädter Bürger und die „Madonnenkinder“ wieder nach Schwäbisch Hall ein - Oberbürgermeister Jochen Partsch: „Wunderbare Chance, die Madonna und die Sammlung Würth zu besichtigen“

Holbein Madonna. Foto: Adolf Würth GmbH & Co. KG

Holbein Madonna. Foto: Adolf Würth GmbH & Co. KG

Der neue Besitzer der Holbein-Madonna, Professor Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, hat zum zweiten Mal seit dem Jahr 2012 Darmstädter Bürger und vor allem die ehemaligen „Madonnenkinder“ eingeladen, das berühmte Bild an seinem neuen Standort zu besichtigen und einen Tag in Schwäbisch Hall zu verbringen. Das Gemälde der Schutzmantel-Madonna von Hans Holbein d. J., über lange Jahre im Darmstädter Residenzschloss zu Hause, hat für viele Darmstädter eine hohe emotionale Bedeutung. Gerade die Nachkriegsgeschichte der Madonna ist immer noch allgemein präsent: Als sogenannte "Madonnenkinder" durften in den fünfziger Jahren während der Zeit der Leihgabe des Bildes nach Basel alljährlich 20 bedürftige Darmstädter Kinder zu einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt nach Davos (Schweiz) fahren.
„Seit dem Ankauf der Holbein-Madonna im Jahr 2011 stehe ich in regem und konstruktivem Kontakt mit Reinhold Würth. Schon damals gab es während unserer Gespräche die spontane Idee, die Darmstädter Bürger und insbesondere die Madonnenkinder einzuladen und ihnen so ein Wiedersehen mit dem berühmten Bild möglich zu machen. Die erste Fahrt nach Schwäbisch Hall auf Einladung von Reinhold Würth im Oktober 2012 war ein voller Erfolg, ich hatte damals die Möglichkeit, bei dem Besuch mit dabei zu sein und war sehr berührt von der herzlichen Atmosphäre. Die erneute Einladung von Professor Würth an die Stadt Darmstadt und ihre Bürger freut mich auch persönlich sehr, denn hier ist es gelungen, eine Tradition zu etablieren, die uns allen die Holbein-Madonna nahe hält: Das Bild geht uns nicht verloren. Gerade die Madonnenkinder sollten sich wieder zur Fahrt anmelden und diese einmalige Gelegenheit wahrnehmen“, so Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Die Reise nach Schwäbisch Hall ist für den 14. August terminiert. Abfahrt in Darmstadt mit drei Reisebussen ist um 7:30 Uhr, gegen 10 Uhr wird Schwäbisch Hall erreicht sein. Ein Sprecher der Konzernführung Würth wird die Reisegruppe aus Darmstadt begrüßen, anschließend ist die Besichtigung der Holbein-Madonna und weiterer Exponate geplant. Die Zeit von 12 Uhr bis 14 Uhr bietet Gelegenheit zum Mittagessen, im Anschluss gibt es einen Empfang im Rathaus von Schwäbisch Hall und eine Stadtführung. Die Rückfahrt nach Darmstadt ist gegen 17 Uhr vorgesehen.
Insgesamt stehen 150 Plätze zur Verfügung, die Mitreise einer Begleitperson ist möglich. Die Teilnahme an der Fahrt, die Besichtigungen und das Mittagessen sind kostenfrei. Begleitet wird die Reisegruppe vom städtischen Kulturreferenten Ludger Hünnekens sowie Mitgliedern des Magistrats und des Kulturausschusses der Wissenschaftsstadt Darmstadt.

Anmeldungen sind ab sofort bis zum 3. Juli  möglich unter den Telefonnummern 06151/13-2315 oder 06151/13-2316, per Mail an repraesentationen@darmstadt.de oder schriftlich an Wissenschaftsstadt Darmstadt, Büro des Oberbürgermeisters, Repräsentationen und Ehrungen, Luisenplatz 5, 64283 Darmstadt. Ehemalige Madonnenkinder werden bevorzugt berücksichtigt. Alle Personen, die sich anmelden und einen Platz bekommen, erhalten bis Ende Juli weitere Nachricht. Absagen werden nicht verschickt.


Hintergrundinformation:
Die Darmstädter Madonna von Hans Holbein dem Jüngeren (1497–1543) entstand 1526 in Basel. Es zeigt den Auftraggeber, den Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen, mit seiner bereits verstorbenen und seiner damaligen Frau sowie mit seiner Tochter, die alle um die in der Mitte thronende Maria mit dem Jesuskind gruppiert sind. Die Bedeutung der weiteren männlichen Personen auf der linken Seite ist, wie auch die gesamte Ikonographie des Bildes, noch nicht endgültig geklärt. Das Bild gilt als Glaubensbekenntnis des katholischen, antireformatorisch eingestellten Bürgermeisters. Das Gemälde vereint Einflüsse der italienischen religiösen Renaissancemalerei mit Elementen der altniederländischen Portraitmalerei.
Seit 1965 in Darmstadt zu Hause, befand sich das Bild seit 2004 als befristete Leihgabe im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main. 2011 verkaufte die Hessische Hausstiftung das Werk an den Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth. Seit Januar 2012 hängt das Gemälde in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall.
Das Gemälde ist als Kulturgut im baden-württembergischen Verzeichnis national wertvoller Kulturgüter registriert und darf daher nicht aus Deutschland ausgeführt werden.
Die Ferienaufenthalte der Darmstädter Madonnenkinder ab 1953 in Davos waren eine Art von Gegenleistung der Baseler Stadtverwaltung, die die Holbein-Madonna ab 1947 verwahrte und präsentierte, an die letzten direkten Nachkommen der Großherzöge von Hessen-Darmstadt. 1958 kehrte das Bild aus Basel nach Darmstadt zurück und fand zunächst Platz im Hessischen Landesmuseum. Erst 1965 erhielt das Madonnenbild den von Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein ausdrücklich gewünschten Ausstellungsort im Darmstädter Schloss.
Während des Krieges, so heißt es in Darmstadt, soll Prinzessin Margret von Hessen und bei Rhein das Bild zeitweise unter ihrem Bett aufbewahrt haben. 1943 wurde es zum Schutz vor Bomben nach Schloss Fischbach in Schlesien gebracht. Mit Unterstützung westlicher Besatzungsoffiziere gelangte das Bild nach einigen Irrwegen im Dezember 1945 wieder zur Familie nach Schloss Wolfsgarten bei Darmstadt zurück. 1946 wurde es in Wiesbaden gezeigt und 1947 brachte es ein französischer Panzerspähwagen zur schweizerischen Grenze, damit es nach Basel ausgeliehen werden konnte.