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Darmstadt Aktuell

Westwald

(PSD) – Mittwoch, 16.10.2019

Stellungnahme des Naturschutzbeirats zum Regionalen Entwicklungskonzept des Regierungspräsidiums

© Pixabay

Das  Regionale Entwicklungskonzept (REK) für Südhessen, das im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt vom Planungsbüro Albert Speer & Partner erstellt wurde, sieht für die Siedlungsentwicklung Darmstadts ein Wohnraumpotential von 3.500 neuen Wohneinheiten im Innenbereich und 9.000 Wohneinheiten im Außenbereich vor. Die Notwendigkeit dieser Expansion wird mit dem vorhergesagten Wachstum Darmstadts begründet. Bis 2030 sollen laut einer Studie des Instituts Wohnen und Umwelt insgesamt 15.500 zusätzliche Wohneinheiten benötigt werden. Hinzu kommen Flächen für Gewerbe und Infrastruktur. Diese Prognosen sind folgenschwer: 140 Hektar würden bebaut oder versiegelt, darunter große Waldbestände, aber auch Ackerland und wertvolle Offenlandbiotope. 

Insbesondere betroffen wären Waldflächen zwischen Bessungen, Heimstättensiedlung, Eberstadt und der B3/A5. In dieser besonderen Lage erfüllt der Wald aber unersetzbare Funktionen unter anderem als Kaltluftproduzent, Filter für Luftverschmutzung und Lärmschutz. Der Wald ist überdies ein vielfältiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und ein unverzichtbares Naherholungsgebiet für die Menschen. Der Naturschutzbeirat begrüßt die Einrichtung eines runden Tisches für den Wald in Darmstadt. Der Darmstädter Wald ist ein wichtiges Kulturgut und wertvolles Naturkapital, das es zu erhalten gilt.

Mit dem Regionalen Entwicklungskonzept wird klar: Darmstadt hätte einen hohen Preis zu zahlen, sollte das vorhergesagte Wachstum ungebremst eintreten oder durch die Ansiedlung neuer Gewerbe sogar noch angefacht werden. Der Wald hat aber nicht nur lokale Bedeutung. In Bäumen und Böden sind große Mengen klimaschädliches CO2 gebunden. In einer Zeit, in der es darum gehen muss, weltweit Flächen aufzuforsten, um den Klimawandel abzumildern, kann es nicht angehen, dass in Südhessen großflächig das Gegenteil zugelassen wird. Die Politik in Darmstadt positioniert sich mit dem Beschluss „Höchste Priorität für den Klimaschutz“ auf der 31. Stadtverordnetenversammlung am 19.09.2019 deutlich für den Klimaschutz. 

Eine solch großflächige Vernichtung von Naturkapital steht auch in deutlichem Widerspruch zur im hessischen Raumordnungsgesetz verankerten „nachhaltigen Raumentwicklung“ und dem erklärten Ziel der Hessischen Landesregierung, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Die Stadt Darmstadt muss - mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung in der Stadt und im Umland - dem prognostizierten städtischen Bevölkerungswachstum mit neuen Ideen begegnen. Eine sozial-ökologisch ausgerichtete Siedlungsentwicklung ohne Flächenexpansion und Vernichtung von Naturkapital ist möglich. Darmstadt kommt hier als „Stadt im Walde“, als Zentrum des naturverbundenen Jugendstils und als „Wissenschaftsstadt“ eine besondere Verantwortung zu. 

Die außerordentlich hohe Bedeutung des Westwaldes mit insgesamt acht Waldfunktionen wurde von der Stadt Darmstadt bereits 2006 erkannt und führte zu einem Antrag beim Regierungspräsidium Darmstadt auf Ausweisung des Gebietes als Bannwald. Aufgrund der Untätigkeit der Behörde wurde dieser Antrag 2013 aktualisiert und erneut gestellt. In der Begründung der Beschlussvorlage heißt es: „Diese Waldbereiche sind in ihrer Ausdehnung und Leistungskraft unbedingt zu erhalten, zu schützen und zu fördern, da dieser Wald für das Gemeinwohl besonders im Rahmen der Erholung unersetzlich ist und die Allgemeinheit vor erheblichen Nachteilen durch Lärm und Emissionen schützt […]. Weitere Waldrodungen, welche auch Auswirkungen über den eigentlichen Rodungsbereich hinaus hätten, sind deshalb unbedingt zu vermeiden“. Der Naturschutzbeirat unterstreicht die unverminderte Gültigkeit dieser Begründung und stellt mit großem Bedauern und Unverständnis fest, dass das Regierungspräsidium dem erklärten Willen der Stadt Darmstadt bisher nicht gefolgt, sondern untätig geblieben ist. 

Der Naturschutzbeirat fordert das Regierungspräsidium Darmstadt auf, den Antrag auf Ausweisung des Westwaldes als Bannwald unverzüglich und uneingeschränkt umzusetzen und lehnt die im Regionalen Entwicklungskonzept empfohlene Siedlungsexpansion im Außenbereich entschieden ab. 

Der Naturschutzbeirat der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Darmstadt, den 26. September 2019