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Darmstadt Aktuell

Schutz von Motorradfahrern

(PSD) – Dienstag, 09.04.2019

Polizei und städtische Zulassungsstelle kooperieren / Reißer: "Mehr Sensibilität im Straßenverkehr"

Polizeipräsident Bernhard Lammel und Bürgermeister Rafael Reißer werben für mehr Sicherheit beim Motorradfahren © Polizei Südhessen

Im vergangenen Jahr verunglückten in Darmstadt zwei Motorradfahrer mit Maschinen über 125 ccm tödlich. Zudem starb ein Mofafahrer. Elf Motorradfahrer schwerer Maschinen zogen sich 2018 im Stadtgebiet schwere sowie 24 leichte Verletzungen zu. Insgesamt waren motorisierte Zweiradfahrer an insgesamt 136 Verkehrsunfällen beteiligt. In ganz Südhessen starben im vergangenen Jahr 19 Motorradfahrer, über 100 wurden schwerverletzt. Insgesamt ereigneten sich in Südhessen 448 Unfälle mit Motorrädern über 125 ccm. 2017 starben in Südhessen dagegen „nur“ sechs Motorradfahrer.

Die drastisch gestiegenen Unfallzahlen mit verunglückten Motorradfahrern sind der Grund dafür, die Biker in diesem Jahr schon frühzeitig auf Gefahren und Risiken hinzuweisen. Zu den Hauptunfallursachen bei Motorradfahrern zählen Jahr für Jahr nicht angepasste Geschwindigkeit, geringer Sicherheitsabstand und riskantes Überholen.

Im Rahmen einer Präventions-Kooperation mit der Zulassungsstelle der Stadt Darmstadt, dort gab es im Jahr 2018 5703 zugelassene Krafträder, erhalten Motorradfahrer, die ihre Maschine für den Verkehr zulassen möchten, schon bei der Anmeldung hilfreiche Informationen. 

Ziel der Aktion ist es, die Biker auf Risiken beim Motorradfahren, wie nicht angepasste Geschwindigkeit und mit Fehlern anderer zu rechnen, aufmerksam zu machen. Zudem werden hierbei problematische Straßen-, Sicht- und Wetterverhältnisse thematisiert. 

Mit der Präventionskampagne der Hessischen Polizei „Du hast es in der Hand“ appellieren die Ordnungshüter zudem an die Eigenverantwortung der Motorradfahrer. Hierzu gehört auch, Anwohner nicht über Gebühr durch vermeidbaren Lärm zu belästigen. Denn nicht nur Bürgerinnen und Bürger auf dem Land leiden unter dem Lärm von Motorradfahrern, auch Bewohner im Stadtgebiet fühlen sich von Maschinen im hohen Drehzahlbereich zunehmend gestört. Zudem gilt es Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer durch verantwortungsvolles Fahren zu minimieren.  

Nach dem Odenwaldkreis, dem Landkreis Bergstraße und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg ist die Stadt Darmstadt nun der vierte Kooperations-Partner der Polizei Südhessen. Die Zulassungsstelle des Kreises Groß-Gerau wird noch folgen.

Strecken an der Bergstraße und im Odenwaldkreis auch bei Fahrern aus Darmstadt beliebt

Die Landstraßen im benachbarten Odenwaldkreis und an der Bergstraße sind auch für Zweiradfans aus Darmstadt beliebte Strecken. Ein Biker aus Darmstadt mit einem Motorrad bis 125 ccm starb im vergangenen Jahr im Kreis Bergstraße, ein weiterer Motorradfahrer aus Darmstadt zog sich bei einem Sturz dort schwere Verletzungen zu. Gerade auf den kurvenreichen Straßen können gefährliche Situationen entstehen, die Motorradfahrer rasch überfordern. Die Kombination aus Unerfahrenheit und Übermut wird vielen Motorradfahrern gerade dort zum Verhängnis.

Oftmals grenzen Felder bis an die Fahrbahn, deren Bewuchs die Sicht einschränkt und in kurvigen Strecken die Sicht auf den weiteren Straßenverlauf beeinträchtigt. Weiterhin muss dort auch stets mit Fahrbahnverunreinigungen durch landwirtschaftlichen Verkehr gerechnet werden.

Viele Gefahren lauern auf dem Land für Biker bei einem Sturz außerdem auch neben der Fahrbahn. Bäume oder auch Schutzplankenpfosten führen oftmals zu schweren Verletzungen, teils mit Todesfolge. 

Immer wieder sind auch Biker mit neuen Maschinen an Unfällen beteiligt. Das Risiko ist laut verschiedenen Studien bei ihnen deutlich höher, als bei Besitzern älterer Motorräder. Genau dort setzt die Kooperation des Polizeipräsidiums Südhessen mit der Zulassungsstelle ebenfalls an.

Der Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Südhessen, Bernhard Lammel, sagte in diesem Zusammenhang: „Die Motorradfahrer schon ganz am Anfang der Saison zu sensibilisieren, ist uns sehr wichtig. Wir werden aber auch unsere Kontrollen auf stark frequentierten Strecken zur Reduzierung der Unfallzahlen und zur Bekämpfung des Lärms deutlich intensivieren.“

Lammel betonte ausdrücklich: „Unsere Maßnahmen richten sich nicht gegen die große Masse der Motorradfahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten, sondern gegen jene, die zu schnell und zu laut unterwegs sind.“

Der für die  städtische Kfz-Zulassungsstelle zuständige Bürgermeister Rafael Reißer sagte dazu: „Ich freue mich, dass wir als Wissenschaftsstadt Darmstadt in diesem Jahr gemeinsam mit der Polizei eine Aktion durchführen können, die für mehr Sensibilität im Straßenverkehr wirbt und damit auch zu mehr Sicherheit führen sollte. Gerade beim Thema Motorradfahren ist es wichtig, die gegenseitige Rücksichtnahme noch einmal herausgestellt zu betonen, damit die zuletzt gestiegenen Unfallzahlen künftig wieder deutlich sinken.“  

Für die Präventionskampagne konnte das Polizeipräsidium Südhessen einen prominenten Mitstreiter gewinnen. Der dreifache Superbike Champion und FIM Superstock 1000 European Champion 2018, Markus Reiterberger, unterstützt die Polizei bei ihrem Bestreben Unfälle mit Bikern zu reduzieren.

„Ich freue mich sehr, dass ich der Polizei Südhessen als Gesicht für ihre diesjährige Unfall-Präventionskampagne dienen kann und damit auch ein wichtiger Teil bei der Verbreitung der Botschaft „Du hast es in der Hand“ bin. Jedes Jahr sterben auf Deutschlands Straßen Motorradfahrer durch überhöhte Geschwindigkeit, Kontrollverlust und Rücksichtslosigkeit. Das muss nicht sein, wenn man sich nur ein bisschen daran hält, dass Racer auf die Rennstrecke gehören und eben nicht in den Straßenverkehr! Diese Botschaft ist sehr wichtig und ich möchte dabei helfen, dass sie auch diejenigen erreicht, die es betrifft“, so Markus Reiterberger.