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Darmstadt Aktuell

Otto-Bartning-Stiftung vergibt Förderpreise an Architektennachwuchs

(ono) – Freitag, 01.12.2017

OB Partsch: „Studentische Arbeiten zeigen, vor welchen Herausforderungen Städtebau in Zukunftsstädten wie Darmstadt steht“

v.l.n.r: Prof. Henning Baurmann, Oberbürgermeister Jochen Partsch, Preisträgerin h_da 2015 Dorothee Lahr, Prof. Hans-Peter Glucker, Preisträger TUD 2016 Yu Tianze, Prof. Wolfgang Lorch, Preisträgerin h_da 2016 Elisabeth Prießnigg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin TUD Eva Mitterwieser, Preisträgerin TUD 2016 Anna Schork. © Wissenschaftsstadt Darmstadt

Die Otto-Bartning-Stiftung hat am heutigen Freitag, 1. Dezember 2017, die Förderpreise für 2015 und 2016 an vier Studierende der TU Darmstadt (TUD) und der Hochschule Darmstadt (h_da) vergeben. Die Auszeichnung nahm Oberbürgermeister Jochen Partsch im Designhaus auf der Mathildenhöhe vor. Die Preise erhielten Anna Schork (TUD), Dorothea Lahr (h_da), Yu Tianze (TUD) und Elisabeth Prießnigg (h_da).

 „Ich gratuliere den Ausgezeichneten zu ihrer Arbeit, die mit dem Otto-Bartning-Preis gewürdigt wird“, sagte Partsch. „Ihre Arbeiten sind nicht nur im Hinblick auf die fachliche Qualität, auf die intelligenten und sensiblen architektonischen Lösungen, preiswürdig; an ihnen wird auch deutlich, vor welchen Herausforderungen der Städtebau in boomenden Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet und in Zukunftsstädten wie Darmstadt steht. Die Ausbildung an den Architekturfachbereichen der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt genießt überregional einen sehr guten Ruf – zu Recht, wie die hier ausgezeichneten Entwürfe belegen. Dies gilt im besonderen Maß für die gesellschaftliche Relevanz der Arbeiten.““

Die Preise für 2015
gehen an: Anna Schork (TUD) für den Entwurf „Hotel Wohnen – Eine andere Wohnform für Darmstadt“ und Dorothee Lahr (h_da) für den Entwurf „Habitat 2030“.

Anna Schork entwirft in „Hotel Wohnen –  Eine andere Wohnform für Darmstadt“ für ein Baufeld an der Landgraf-Georg-Straße zwischen Schloss und Jugendstilbad einen Neubau mit 100 Kleinwohnungen, der temporären Wohnraum, aber auch Gemeinschaftsbereiche bereitstellt. Der langgestreckte Gebäuderiegel gibt eine Antwort auf die städtebauliche und landschaftliche Situation. Er trennt die vielbefahrene Straße im Norden von der Parkanlage im Süden. Der Baukörper fügt sich als landschaftliche Form in den Baumbestand ein. Die primäre Erschließung des Gebäudes erfolgt über die Parkseite. Eine Innere Straße im Norden führt zu allen Wohnungen. Als doppelgeschossige Halle, die Begegnungsort für die Bewohner und Gäste ist, folgt diese Rue Interieure in einer Rundung der Gebäudegeometrie.

Anna Schork, Jahrgang 1990, studierte von 2009 bis 2012 im Bachelor- und von 2012 bis 2014 im Masterstudiengang Architektur an der TU Darmstadt. Studienbegleitende berufliche Erfahrungen sammelte sie unter anderem in den Büros „Ruby³ Architekten Darmstadt“ und „Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten Zürich“. Sie arbeitet seit 2016 bei „Hild und K Architekten“ in München.

Dorothee Lahrs Abschlussarbeit „Habitat 2030“ entwickelt am Beispiel Londons einen möglichen Lösungsansatz für die mit zunehmendem Wachstum der Städte entstehenden Handlungsbedarfe der Stadtentwicklung in den Bereichen Wohnungsbau, Infrastruktur, Transport, Energieversorgung, Arbeitsmarkt, Gesundheitsfürsorge und Bildungswesen. Nach einer ersten Phase der Verdichtung und Optimierung der bestehenden Bebauung soll der Platzmangel durch das Ausnutzen des Raums in der Tiefe angegangen werden. Richtwerte sind zum einen die bereits in die Tiefe ragende Bebauung, zum anderen findet das vorhandene Bestandshöhenmaß in umgedrehter Art als Tiefenmaß Verwendung. Der Verkehr wird weitestgehend in die Tiefe verlegt. Die Bestandgebäude sollen ihre aktuelle, eher private Funktion als Wohn- oder Gewerbefläche behalten. Die für London typische Lage von Wohnräumen im Souterrain erhält durch den Ausbau in die Tiefe eine qualitative Aufwertung in Bezug auf Beleuchtung und Ausblick. Die so geschaffene zusätzliche Ebene wird „priority housing“ genannt.

Dorothee Lahr, Jahrgang 1989, studierte Architektur von 2008 bis 2012 an der Hochschule Kaiserslautern und von 2012 bis 2015 im Masterstudiengang an der Hochschule Darmstadt. Seit 2015 arbeitet sie im Büro „Baumann Dürr Architekten“, Karlsruhe.

Die Preise für  2016
gehen an Yu Tianze (TUD) für den Entwurf „Orte und Wege. The Bishops Vinery“ und Elisabeth Prießnigg (h_da) für den Entwurf „Wohnen und Arbeiten in Backnang – Stadt für alle“.

Trier ist eine römische-katholische Stadt mit langer Geschichte. Bis heute ist die zugehörige Symbolsprache in der Stadt allgegenwärtig und über verschiedene Maßstäbe von der Stadtstruktur bis in die architektonischen Details erkennbar. Zentrales Thema von Yu Tianzes Entwurf „Orte und Wege. The Bishops Vinery“ ist die Neuinterpretation dieser historisch-atmosphärischen Qualitäten und die angemessene Übersetzung dieser Sprache im Zusammenhang der Entwurfsaufgabe des bischöflichen Weingutes. Der Neubau des Weinguts fußt auf der bestehenden Weinkelleranlage. Der Haupteingang des Gebäudes ist zur Altstadt ausgerichtet, dadurch entwickelt die Hauptfassade ihre stadträumliche Präsenz in ikonischer Form.

Yu Tianze, Jahrgang 1989, absolvierte von 2008 bis 2013 ein Architekturstudium in Dalian, China und Schloss von 2014 bis 2017 den  Masterstudiengang Architektur der TU Darmstadt an.

Als Standort bietet Backnang aufgrund seiner Lage im Stuttgarts und seinen qualitätsvollen und identitätsreichen Außenräumen großes Potential. Elisabeth Prießnigg stellt mit  „Wohnen und Arbeiten in Backnang – Stadt für alle“ einen Entwurf vor, der den sich stetig verändernden Anforderungen an Wohnen als auch dem Standort gerecht werden soll. Übergeordnetes Ziel war es, eine der Altstadt angemessenen Dichte zu schaffen, welche ein lebendiges und inspirierendes Lebensumfeld schafft.  Dafür entwickelte Prießnigg einen hybriden Gebäudetypus, der eine Vielfalt von Wohnungsformen zusammenfasst, die je nach Bedarf flexibel genutzt werden können. Im Herzen des Quartiers gibt es gemeinschaftliche Räume, einen Quartierssaal mit Gemeinschaftsküche sowie eine kleine Werkstatt und einen Gemeinschaftsgarten mit Spielplatz.

Elisabeth Prießnigg, Jahrgang 1987, studierte nach einer Tischlerlehre von 2009 bis 2013 im Bachelor- und von 2013 bis 2016 im Masterstudiengang Architektur an der Hochschule Darmstadt. Sie arbeitet bei Bernhardt + Partner Architekten, Darmstadt.

Otto-Bartning-Förderpreis

Otto Bartning (1883-1959) zählt zu den herausragenden Baumeistern des Zwanzigsten Jahrhunderts, nicht zuletzt wegen seines maßgeblichen Beitrags zur Entwicklung des protestantischen Kirchenbaus. Zudem war er an wegweisenden Projekten des Wohnbaus der zwanziger und dreißiger Jahre beteiligt. Seine Entwürfe prägten auch den Wiederauf nach 1945.  Bartning gilt als Spiritus Rector der „Darmstädter Gespräche“, die durch Auseinandersetzung mit Gegenwartsfragen die gesellschaftspolitische Diskussion nachhaltig anregten. In Darmstadt wurden nach Entwürfen von Bartning die Frauenklinik („Darmstädter Meisterbauten“), die Matthäuskirche in der Heimstättensiedlung, eine Wohnsiedlung an der Nieder-Ramstädter- Straße und das Bau-Muster-Haus am Hauptbahnhof errichtet.

Die Stadt Darmstadt hat im Jahre 1953 anlässlich des 70.Geburtstags von Bartning die Otto-Bartning-Stiftung für Baukunst und Bildende Künste errichtet. Zweck der Stiftung ist, „sowohl Schaffenden wie auch Lernenden im Bereich der Architektur, Malerei, Plastik und angewandten Künste durch Preise oder Ankäufe, Stellung von Aufgaben oder auf andere geeignete Weise Förderung zuteil werden zu lassen“. Der Schwerpunkt der Stiftungstätigkeit konzentriert sich seit 1998 auf die jährliche Auslobung des Otto-Bartning-Förderpreises für Studierende des Fachbereichs Architektur der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt. Im Sinne Bartnings werden insbesondere Arbeiten ausgewählt, die sich auf kulturelle und/oder gesellschaftliche Aufgabenstellungen mit innovativen Lösungsansätzen beziehen. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert. Er wird geteilt und mit je 1000 Euro Preisgeld an der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Darmstadt vergeben.

Die Preisgelder 2015 und 2016 stiftete der Förderverein des Lions Club Darmstadt. Im Namen des Stiftungskuratoriums dankte Oberbürgermeister Jochen Partsch dem Förderverein für diese nachhaltige Unterstützung der Arbeit der Otto-Bartning-Stiftung.