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Darmstadt Aktuell

Darmstädter Delegation besucht türkische Partnerstadt Bursa

(PSD) – Dienstag, 22.05.2018

Oberbürgermeister Partsch: „Wir wollen die langjährigen Kontakte weiter pflegen und intensivieren“ / Stadträtin Akdeniz lädt türkische Jugendliche zum Internationalen Jugendcamp nach Darmstadt ein / Frauenpolitische Themen

Dezernentin Barbara Akdeniz mit dem stellvertretenden Bürgermeister Önder Tanır. © Wissenschaftsstadt Darmstadt

Im Auftrag von Oberbürgermeister Jochen Partsch ist Stadträtin Barbara Akdeniz Anfang Mai zu einem Besuch in Darmstadts türkische Partnerstadt Bursa gereist. Ziel der Mission war laut Oberbürgermeister Jochen Partsch, die Kontakte, die nach der einseitigen Aufkündigung der Beziehungen durch Bursa auf Eis gelegen hatten, neu zu knüpfen. Oberbürgermeister Partsch: „Auch in Zeiten von Krisen und politischen Differenzen haben wir den Gesprächsfaden nie abreißen lassen. Dies wird inzwischen auch von der türkischen Seite wieder positiv registriert. So haben wir mit der Reise von Stadträtin Akdeniz das Angebot bekräftigt, die langjährigen Kontakte zu Bursa zu pflegen.“

Seit 1971 besteht die Verschwisterung mit Bursa. Die türkische Stadt nahe des Marmarameeres wies zum damaligen Zeitpunkt etwa gleich viele Einwohnerinnen und Einwohner auf wie Darmstadt, heute ist Bursa die viertgrößte Stadt der Türkei mit annähernd 3 Millionen Menschen.

„Internationale Beziehungen und globale Kommunikation sind für uns in Darmstadt von großer Bedeutung, gerade deshalb, weil in Darmstadt Menschen aus rund 150 Nationen leben und arbeiten, darunter sehr viele mit Wurzeln in der Türkei. Die Reise von Stadträtin Akdeniz wurde von daher mit besonderer Aufmerksamkeit wahrgenommen“, ergänzte Partsch bei einem Pressegespräch am Dienstag, 22 Mai 2018.

Begleitet wurde Akdeniz von der ehrenamtlichen Stadträtin Iris Behr und der stellvertretenden Leiterin des Städtischen Sozialdienstes, Nadia Alwan. Der erste Termin der vielen in Bursa geplanten und absolvierten Gespräche führte ins Rathaus, wo die kleine Delegation vom stellvertretenden Bürgermeister Önder Tanır empfangen wurden. „Herr Tanır, in Vertretung für Oberbürgermeister Alinur Aktaş, hieß uns herzlich willkommen und betonte die Haltung Bursas, die Partnerschaft zwischen den beiden Städten wieder aufleben lassen zu wollen. Herr Tanır machte deutlich, dass Bursas Stadtregierung nach vorne schauen möchte und schlug vor, beispielsweise über Schüleraustausch oder wirtschaftliche Kooperationen die Beziehungen zu kräftigen“, erläutert Stadträtin Akdeniz. „Dieses Angebot nehmen wir beim Wort, schon für diesen Herbst haben wir Jugendliche aus Bursa zum Internationalen Camp nach Darmstadt eingeladen. Wir hoffen sehr, dass eine Delegation das Angebot in diesem Jahr wieder annehmen wird. In früheren Zeiten waren in der Regel Kinder und Jugendliche aus Bursa beim Camp dabei“, so Akdeniz.

Thematisch wollte sich die Darmstädter Delegation während des Aufenthaltes in Bursa mit frauenpolitischen Fragestellungen befassen. Von daher stand ein Treffen mit der Vorsitzenden der Frauengruppe der Cumhuriyet Halk Parti CHP Bursa, Vildan Özkula, auf dem Programm, sowie mit dem  Vorsitzenden der CHP Bursa, Hüseyin Akkuṣ. Im Vordergrund der Gespräche standen Überlegungen zu der  sehr kurzfristig angesetzten türkischen Präsidentschafts- und Parlamentswahl im Juni dieses Jahres.

Politisch intensiv war auch das Gespräch bei der ortsansässigen Yeṣil sol parti  (Grüne linke Partei). Die Mitglieder der Partei schilderten die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme in Zeiten eingeschränkter Meinungsfreiheit und des Ausnahmezustands. Sie erläuterten auch umweltpolitische Maßnahmen, wie z. B. die Sicherung von Wasserressourcen in kommunaler Hand oder die Erzeugung von regenerativem Strom. Deutlich wurde in dem Gespräch vor allem, dass es Mut und Überzeugung braucht, politische Haltungen öffentlich zu äußern und sich für demokratische Strukturen einzusetzen. Das Gespräch und die solidarischen Ermutigungen führten auf beiden Seiten zu der Erkenntnis, dass der Austausch und die Begegnung – unabhängig der politischen Konstellationen –sowie das Eintreten für Menschenrechte und Demokratie von großer Bedeutung sind.

Als vierte Gruppe besuchte die Delegation den feministischen Frauenverein mor salkim. Der anregende Austausch über Frauenrechte und die Verhinderung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen führte dazu, dass ein Gegenbesuch der Gruppe in Darmstadt avisiert ist. Anders als in Darmstadt wird die Vereinigung, die als Organisation anerkannt ist, nicht staatlich gefördert. Die Frauen leisten ehrenamtliche Arbeit bei der Begleitung von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kindern und vermitteln in Schutzhäuser. „Null Toleranz gegenüber Gewalt an Frauen und Kindern, darin sind sich alle einig und diesen internationalen Kampf wollen wir gemeinsam fortsetzen“, so Akdeniz. Jugendamtsmitarbeiterin Nadia Alwan schilderte der Frauengruppe, wie die Arbeit gegen Gewalt an Frauen und Kinder in Darmstadt organisiert ist, insbesondere im Bereich der Kindeswohlgefährdung. Stadträtin Iris Behr, die zeitgleich ehrenamtlich im Vorstand der Baff-Frauenkooperation tätig ist, schilderte die Arbeit des Frauenzentrums Darmstadt und lud die Frauen zu einem fachlichen Austausch nach Darmstadt ein. Ein Gegenbesuch der Frauengruppe wurde sehr positiv aufgenommen und wird sicher Impulse für die Arbeit in Darmstadt als auch in Bursa bringen.

Als abschließende Bewertung der Delegationsfahrt nach Bursa fasst Stadträtin Barbara Akdeniz zusammen: „Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt, der Gesprächsfaden mit den politisch Verantwortlichen in Bursa wurde wieder aufgegriffen, die Oppositionsparteien haben wahrgenommen, dass uns ihre politische Haltung interessiert und wir den offenen Diskurs suchen und die frauenpolitischen Aktivitäten, die mit dem Verein mor salkim angeregt wurden, werden einen regen fachlichen Austausch garantieren.“

Oberbürgermeister Jochen Partsch resümiert: „Ich bin der Delegation mit Stadträtin Akdeniz an der Spitze dankbar für ihre Bemühungen, den Dialog mit der Stadtregierung von Bursa zu beleben. Gern werde ich den Kontakt mit meinem Kollegen Alinur Aktaṣ persönlich suchen, um die 47 Jahre währende Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten fortführen. Gerade in  politisch schwierigen Zeiten ist der Dialog zwischen Kommunen und ihren Amtsträgern sowie nicht zuletzt von Bürgerinnen und Bürgern von herausragender Bedeutung.“