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Wildschweine in der Stadt

Wildschweine werden immer häufiger zum Thema in innerstädtischen Gebieten. Deshalb haben wir für Sie einige Informationen zum Thema "Wildschweine in der Stadt" zusammengestellt.

Wildschweine
Wildschweine. Foto: Klaus Roth

1. Verhaltensänderungen der "(Stadt-) Wildschweine"

Wildscheine sind sehr anpassungsfähige Tiere. Sie verstehen es hervorragend, ihren Lebensrhythmus und Gewohnheiten an die verschiedensten Lebensbedingungen anzupassen. So findet man Wildschweine auch immer wieder in Wohngebieten vor. Wildschweine sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, wobei sie ihre Aktivitäten bei störenden Einflüssen (Menschen, starker Straßenverkehr, Jagd) nahezu gänzlich auf die Nacht verlagern können. Den Tag verschlafen sie dann im Schutz eines Dickichts und beginnen erst in der Dämmerung mit der Nahrungssuche, wobei sie große Strecken zurücklegen können. Aufgrund der starken Besiedlungsdichte und der Beschränkung des natürlichen Habitats durch den Menschen, kommt es vor, dass die sehr anpassungsfähigen Wildschweine in Gärten, Parks und Außenbezirken von Städten auftauchen und dadurch ihren Lebensraum erweitern.

2. Was suchen die Wildschweine in Wohngebieten?

In erster Linie Nahrung. Wildschweine sind Allesfresser und es steht sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung auf ihrem Speiseplan. Der Speisezettel ist vielfältig und die Nahrung besteht je nach Angebot aus Klee, Gras, Brennnesseln, Blättern, Eicheln, Bucheckern, Früchten wie z.B. Äpfel, Getreide, Mais, Kartoffeln, Schnecken, Würmer, Insekten und ihre Larven, Kleintiere wie z.B. Mäuse, Eier aus Nestern von Bodenbrütern, aber auch Aas. So ist ein Komposthaufen im Garten, die Abfalltonne in Grünanlagen, aber auch der frisch gemähte Rasen in Parks oder auf Friedhöfen für Wildschweine interessant, ein lohnenswertes Ziel welches nach Schnecken, Insekten und Würmern durchsucht wird. Mit ihren kräftigen Rüsseln graben Wildschweine den Boden auf oder drücken Zäune hoch, um an die Nahrung in Komposthaufen, Papierkörben oder Abfalltonnen zu gelangen. 

Wildschweine halten sich bevorzugt in den begrünten Randbereichen der Stadt auf. Dabei werden Grünflächen, Grünzüge, verwilderte Brachflächen, bewachsene Bahndämme oder begrünte Bachläufe als Wechsel benutzt, um in die Stadt einzudringen. Manche Tierliebhaber vermuten zu Unrecht, dass die Tiere Hunger leiden und füttern deshalb. Dadurch werden die Wildschweine nun dauerhaft in die Wohngebiete gelockt. Gartenbesitzer, die ihre Gartenabfälle, Kompost, Obst und altes Gemüse im Wald oder dessen Umgebung abladen, füttern unbewusst neben Ratten auch Wildschweine. Die Tiere gewöhnen sich schnell an diese Nahrungsquelle. Entsprechendes gilt für Parkanlagen, in denen oftmals Essenreste zurückgelassen werden. Für Wildschweine sind Gartenabfälle und liegen gelassene Picknickreste ein gefundenes Fressen. Ihr gutes Gedächtnis hilft ihnen die Orte wieder zu finden, wo der Tisch reich gedeckt ist. Ein Wechsel in einen Lebensraum außerhalb der Stadt ist somit für die Tiere nicht mehr lohnend. 

Ein weiterer Grund des Aufenthalts von Wildschweinen in Wohngebieten kann aber auch die Jagd sein. Wildschweine sind äußerst schlau und können sich bestens an Orte, Personen und Situationen erinnern. So wissen sie auch zu Zeiten der Jagd, dass sie in Gärten und Parks sicher sind und genießen, dass dort nicht gejagt werden darf. 

Insbesondere aber auf Grund der relativ milden Winter im letzten Jahrzehnt kann es zu sehr hohen Vermehrungsraten bei Wildschweinen kommen, die dann gezwungen sind sich neue Lebensräume – also auch in den Randbereichen von Städten - zu erobern.

3. Verhaltensregeln im Umgang mit Wildschweinen in der Stadt

Den Wildschweinen Futter oder Wasser anzubieten sollte unbedingt unterbleiben, da es in der Folge zu erheblichen Problemen führt. Leider vermuten viele Anwohner betroffener Gebiete, dass die Wildschweine Not leiden und begehen den Fehler, die Tiere zu füttern. Sie verwechseln Wildtier mit Haustier. Wildschweine sind intelligent und werden sich den einfacheren Weg der Nahrungsbeschaffung gut merken. Dadurch werden die Wildschweine dauerhaft in die Wohngebiete gelockt. Jede Art von Fütterung zieht Wildschweine dauerhaft an, denn eine einmal erschlossene Nahrungsquelle wird immer wieder auf Nahrung geprüft. Die Konsequenz sind Schäden in Gärten und Parks. Papierkörbe, Mülltonnen, Komposthaufen, usw. bilden ein lohnendes Ziel für Streifzüge. Deshalb ist ein Umdenken seitens der Anwohner betroffener Gebiete gefordert. Lohnende Ziele wie Komposter, Mülltonnen usw. sollten vor dem Zugriff von Wildschweinen gesichert werden. Auch die Hinterlassenschaften eines Picknicks locken Wildschweine (und nicht nur diese) in die Parkanlagen und sollten auch unter dem Gesichtspunkt der Landschaftspflege ordnungsgemäß entsorgt werden. 

Wildschweine können sehr gut riechen, sehen aber schlecht und bemerken Menschen daher vielleicht erst auf kurze Distanz. Bewahren Sie deshalb bei einer unverhofften Begegnung mit Wildschweinen Ruhe. Man muss keine Angst vor Wildschweinen haben, jedoch sollte man ihnen mit Respekt begegnen. Sie flüchten in der Regel. Zwar sind Wildschweine ein sehr wehrhaftes Wild, aber grundsätzlich aggressiv sind sie nicht. Lässt sich ein direktes Aufeinandertreffen nicht vermeiden, bleiben Sie stehen und machen sich bemerkbar. Rennen Sie nicht weg, sondern ziehen Sie sich langsam und vor allem ruhig zurück. Am besten in die entgegen gesetzte Richtung und ohne Hast. Dies signalisiert den Tieren, dass für sie keine Gefahr besteht. 

Sehr wichtig ist, dass Wildschweine immer eine Rückzugs- bzw. Fluchtmöglichkeit haben. Man sollte sie auf keinen Fall in die Enge treiben. Im Normalfall wird die Flucht einer Konfrontation vorgezogen! Bei Begegnungen mit Wildschweinen sollte man auf jeden Fall Ruhe bewahren. Allerdings schrumpft die Fluchtdistanz bei den Stadtwildschweinen schnell, so dass sie den Menschen bis auf wenige Meter an sich heran lassen, wenn sie sich erst einmal an ihn gewöhnt haben. Ruhige bzw. beruhigende Worte, und ein Verhalten, als wäre alles ganz normal, entschärfen die Situation. Wilde Schreierei oder hektische Bewegungen können Wildschweine so verunsichern, dass sie eine Bedrohung fürchten und im schlimmsten Falle mit einem Angriff reagieren. 

Weibliche Wildschweine mit Jungtieren  (sog. „Frischlinge“) sollten in großem Abstand umgangen werden. Eine Bache mit Frischlingen ist aggressiver und sie wird ihre Nachkommen mit allen Mitteln und sogar unter Einsatz ihres eigenen Lebens gegen jede potentielle Bedrohung verteidigen. Falls es jedoch zu einer unverhofften Begegnung kommt, so sollte man auch in dieser Situation stehen bleiben und sich langsam und ruhig zurückziehen. 

Bei Spaziergängen mit dem Hund sollte der Hund an der Leine geführt werden, denn ein Kampf zwischen Hund und Wildschwein kann mit lebensgefährlichen Verletzungen des Hundes enden.

4. Schutz von Grünanlagen und Gärten vor Wildschweinen

Wildschweine sind mit einem hervorragenden Geruchssinn ausgestattet. Dieser ermöglicht es ihnen auch auf große Distanz Nahrung zu wittern. Dringen Wildschweine in Gärten ein, so brechen die Tiere mit ihren kräftigen Schnauzen, dem sog. „Wurf“, den Boden auf. Dies geschieht meist nachts und der Garten ist am Morgen danach kaum wieder zu erkennen. Um solch ungebetene Gäste fern zu halten, sollte man das Gelände entsprechend einzäunen. Ein normaler Zaun wird allerdings nicht viel nützen, denn dieser wird von den kräftigen Tieren hoch gedrückt, um einen Weg darunter freizumachen. Empfehlenswert sind Stabmatten, deren Pfosten fest einbetoniert und mit diesen Matten fest verschraubt sind. Ein gewöhnlicher Zaun sollte 40 - 50 cm in den Boden eingelassen werden, oder an einem Betonsockel so verankert werden, dass ein Hochdrücken nicht möglich ist. Wird der Zaun in den Boden eingelassen, so ist eine Biegung des Zaunmaterials nach außen hilfreich. Der Zaun kann somit nicht untergraben und hoch gedrückt werden, da das Wildschwein mit seinem eigenen Gewicht auf dem Zaun steht. Bei der Wahl des Zaunes sollte man auch darauf achten, dass dieser so beschaffen ist, dass ein Auseinanderdrücken der einzelnen Maschen nicht möglich ist. Die Höhe des Zaunes ist ebenfalls wichtig, denn Wildschweine sind bei Bedarf auch hervorragende Springer, weshalb der Zaun eine Höhe von ca. 1,5 m aufweisen sollte.

5. Wildschweine im Straßenverkehr

Wildschweine sind meist nachtaktiv, aber auch am Tage können Wildschweine Straßen überqueren. Diese sogenannten Wechsel sind meist mit entsprechenden Verkehrszeichen ausgewiesen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass nur genau an der Stelle, wo das Schild steht der Wechsel stattfindet und kein Wechsel an anderer Stelle erfolgt. Passen Sie in solchen Gebieten stets ihre Geschwindigkeit an. Tritt ein Wildschwein aus dem Grün an den Straßenrand, sollte man auf jeden Fall bremsbereit sein, denn es könnte im nächsten Moment die Fahrbahn überqueren. Sollten Wildschweine die Straße überqueren wollen, so lassen Sie die Tiere in gebührendem Abstand passieren. Danach sollten Sie langsam weiter fahren und darauf achten, dass kein Nachzügler dem Rest der Rotte folgt. Diese Regel gilt auch, wenn ein Einzeltier die Straße überquert hat, denn wo ein Wildschwein ist, folgen meist weitere.

6. Werden Wildschweine in Darmstadt bejagt?

Wildschweine gehören zu den frei lebenden, herrenlosen Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen. Im Allgemeinen darf nach dem Jagdgesetz eine Jagdausübung grundsätzlich nur auf land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich nutzbaren Grundflächen erfolgen, die zu einem offiziellen Jagdbezirk gehören.

Außerhalb von offiziellen Jagdbezirken  insbesondere in lt. Jagdgesetz sog. „befriedeten Gebieten“ wie z.B. Wohnsiedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen oder Gärten ist eine Jagdausübung aus Sicherheitsgründen gesetzlich verboten und es bedarf einer speziellen Ausnahmegenehmigung für die Jagd. Nur wenn eine gefahrlose Schussabgabe möglich ist, kann das Ordnungsamt der Stadt Darmstadt - Untere Jagdbehörde in Ausnahmefällen, insbesondere zur Gefahrenabwehr und zur Tierseuchenbekämpfung, dem jeweiligen Grundstückseigentümer eine beschränkte Jagdausübung durch ausgewählte und besonders geschulte Jäger genehmigen. 

Für Wildtiere im besiedelten Bereich der Stadt besteht keine konkrete behördliche Verantwortung zur Regulierung ihrer Population. Bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit durch Wildschweine in der Stadt ist allerdings behördliches Handeln erforderlich. Bürger die Wildschweine in der Stadt sichten, sollten umgehend die Polizei benachrichtigen. Diese entscheidet über weitere einzuleitende Maßnahmen der Gefahrenabwehr und informiert evtl. den Wildtierbeauftragten der Stadt Darmstadt.     

Bei Schäden in der Stadt durch Wildtiere besteht kein Anspruch auf Schadensersatz, wenn z.B. Wildschweine den Garten verwüstet haben, da Wild lt. Jagdgesetz herrenlos ist. Die Sicherung von Grundstücken oder Gebäuden liegt in der Verantwortung der Eigentümer selbst. Die Kosten für die Sicherung ihrer Grundstücke sind vom Eigentümer zu tragen.

Kontakt

  • Polizeipräsidium Südhessen

Klappacher Straße 145, 64285 Darmstadt
Tel. 06151 / 9693030  

  • Hessisches Forstamt Darmstadt 

Ohlystraße 75, 64285 Darmstadt
Tel. 06151 / 4091-0  

  •  Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz

Rheinstraße 67, 64295 Darmstadt 
Tel. 06151 / 78 58 850  

  • Grünflächenamt 

Bessunger Straße 125, 64295 Darmstadt 
Abteilung Forsten, Biotopschutz, Stadtbäume 
Tel. 06151 / 132908 oder 132923   

  • Bürger- und Ordnungsamt - Untere Jagdbehörde

Stadthaus, Grafenstraße 30, 64283 Darmstadt 
Tel. 06151 / 13- 2296 

 

 

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