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Frauenfeindliche sexistische Werbung

frauenfeindlicher Werbung
Bild: © Terre des Femmes

Auch in der Wissenschaftsstadt Darmstadt taucht seit Jahren immer wieder kommerzielle Werbung auf, in der kaum bekleidete oder nackte Frauen als Blickfang zur Verkaufsförderung unterschiedlicher Produkte benutzt werden. Zahlreiche Beschwerden über sexistische und frauenfeindliche Werbung sind in den letzten Jahren im Darmstädter Frauenbüro oder direkt beim Deutschen Werberat eingegangen. Das Bewusstsein der Werbetreibenden und Werbeschaffenden verändert sich - wenn überhaupt - sehr langsam dahingehend, die Rollenbilder in der Werbung einem modernen, fortschrittlichen Frauenbild anzupassen.

Anlass genug auch politisch aktiv zu werden. Unter der Federführung von Herrn Oberbürgermeister Jochen Partsch (ehemals Stadtrat) tagte bereits ein Arbeitskreis mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Parteien des Darmstädter Stadtparlaments mit dem Ziel, zu sensibilisieren und sich gegen frauenfeindliche, sexistische Werbung in Darmstadt zu positionieren.

Sich mit "frauenfeindlicher/sexistischer Werbung" zu beschäftigen, löst entweder große Zustimmung oder höchst kontroverse Debatten aus. Denn es heißt immer auch, sich mit dem eigenen Rollenverständis und der Wertehaltung jeder einzelnen Person auseinander zu setzen.

Eins ist jedoch klar: Bei frauenfeindlicher Werbung geht es nicht um Fragen des guten Geschmacks, oder um eine persönliche Weltsicht, sondern es geht um Respekt UND um die Achtung von Artikel 1 des Grundgesetzes, der besagt

"Die Würde des Menschen ist unantastbar."


Woran können Sie frauenfeindliche Werbung erkennen?

  • Wenn Sie kaum unterscheiden können, ob das Produkt oder die Frau zu haben ist. Das heißt, weibliche Sexualität wird vermarktet. Die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen wird signalisiert.
  • Wenn Frauenkörper bloßer Blickfang sind und die abgebildeten Frauen keinen Zusammenhang zum angepriesenen Produkt haben.
  • Wenn Frauen in unterwürfiger Pose dargestellt werden.
  • und die Wortwahl bzw. das Bildmotiv Frauen zu Objekten herabwürdigen.
  • Wenn Frauen auf Rollenklischees reduziert werden, z. B. Dummchen oder allzweckpatente Mutti und stets adrette Gattin, um nur einige zu nennen.
  • Wenn Bilder oder Texte Frauen und Männer (oder Kinder) in überholten Geschlechterrollen fixieren, z. B. der männliche Arzt und die Krankenschwester, statt wechselweise auch die Mechatronikerin und den Krankenpfleger.
  • Wenn Bilder und Texte eine "ideale" Frau preisen und mittels Bildern oder Texten extreme Schönheits- oder Schlankheitsnormen propagiert werden.


Zugenommen hat doppeldeutige Werbung. Das heißt, Anzeigen und Werbespots haben die Gleichstellung und Selbständigkeit von Frauen zum Thema - aber erst auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass diese dabei karikiert und lächerlich gemacht werden, insbesondere mit ironischen, zweideutigen Wort- und Bildspielen. Unter dem Vorwand, "kreativ" oder "witzig" werben zu wollen, werden alte frauenfeindliche Denkmuster neu aufgenommen und verbreitet.
Derzeit bietet die Gesetzeslage nur wenige Möglichkeiten, juristisch gegen sexistische, frauenfeindliche Werbung vorzugehen. Ein Verbot oder eine Entfernung bestimmter Plakatierungen ist nur in Ausnahmefällen möglich - nämlich bei Verstößen gegen Rechtsvorschriften oder einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zulässig ist. 

Beschwerdemöglichkeiten

  • Nutzen Sie das Beschwerdeformular des Deutschen Werberates gegen frauenfeindliche Werbung. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft überprüft die Anträge und kann die Einstellung der Werbung erreichen.
  • Versenden Sie die Protestpostkarte des Frauenbüros mit Ihrer Beschwerde an den Deutschen Werberat und das entsprechende Unternehmen.
  • Nutzen Sie die Aufkleber von TERRE DES FEMMES unter Beachtung der rechtlichen Hinweise.
  • Beschweren Sie sich mündlich oder schriftlich bei dem Geschäft oder Unternehmen, das das beworbene Produkt herstellt oder verkauft.
  • Motivieren Sie Freundeskreis und Familie, ebenfalls zu protestieren.
  • Und nicht zuletzt können Sie, Frauen und Männer, Produkte gezielt auswählen und nicht mehr kaufen oder in Anspruch nehmen, bei denen mit frauenfeindlichen Methoden geworben wird. Die Statistik sagt, dass gerade Frauen hier einen großen Einfluss haben, denn sie sind immerhin für den Einkauf von 80 % der Waren des täglichen Gebrauchs zuständig.
  • Fassen Sie Ihre Kritik an einer frauenfeindlichen Werbung kurz zusammen und schicken Sie diese als LeserInnenbrief an Zeitungen oder Zeitschriften.
  • Halten Sie eine Reklame, Fotos, Schriften usw. für jugendgefährdend, informieren Sie bitte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. (Adresse siehe Kasten rechts)

 

 

Brust raus

Werbung wirkt. Nur wie? Indem halbnackte Frauen in dusseligen Posen sinnlose Botschaften an den Mann zu bringen versuchen. Das ist sexistisch, könnte man meinen. Der Deutsche Werberat sieht das häufig ganz anders. Mit einem nie enden wollenden Augenzwinkern.

zur Kolumne von Silke Burmester auf Spiegel Online vom 15. Februar 2014

Terre des Femmes: Frauenfeindliche Werbung ist strukturelle Gewalt


Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen

Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen positioniert sich zu sexistischer Werbung und lädt zur Stellungnahme ein. 

Beschwerdestellen

Beschwerden über Frauen diskriminierende Werbung:
Deutscher Werberat
www.werberat.de

Beschwerden über Kinder diskriminierende Werbung:
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
www.bundespruefstelle.de

Beschwerden über jugendschutzrelevante Fernsehprogramme / Internetangebote:
Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)
www.kjm-online.de

"Sicher nichts für Frauenhände"

Untersuchung begleitend zur Ausstellung  "Der Frauenzoo der Werbung", Sept. 2007
Markanteste Ergebnisse: 

  1. 95 % der Befragten wünschten sich die in der Werbung gezeigten Frauenbilder nicht als Vorbild für ihre Tochter, Freundin oder Nichte .
  2. Der Großteil der Befragten fühlte sich von sexistischer Werbung abgestoßen oder belästigt und wollte die Thematik auch problematisiert wissen.

"Zorniger Kaktus" - Negativ-Preis für sexistische Werbung

Terre des Femmes hat 2014 den "Zornigen Kaktus" für besonders sexistische Werbung verliehen
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Wanderausstellung

Die Wanderausstellung "Kauf mich?! Frauen und Männer in der Werbung, als Nachfolge-Wanderausstellung zum "Frauenzoo der Werbung".
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