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Buch des Monats


Mai 2018

 

Die Darmstädter Jury hat das Buch

Alice Schmidt "Tagebücher der Jahre 1948/49"

zum

„Buch des Monats Mai 2018“ gewählt. 

 

 

Begründung der Jury:

Der große Einzelgänger der deutschen Literatur der alten Bundesrepublik, Arno Schmidt, beschloss, aus dem Krieg zurückgekommen, seine Existenz ganz der Schriftstellerei hinzugeben. Unter äußerst prekären Verhältnissen lebten er, 34 Jahre alt und seine Frau Alice, 32 Jahre alt, am Rand der Lüneburger Heide in einem Zimmer einer ehemaligen Munitionsfabrik unter vielen Flüchtlingen. Alice begann protokollartig Tagebuch zu führen, in nüchterner, stakkatohafter Manier, mit Abkürzungen hantierend, die an die berühmte Schmidtsche moderne Prosa durchaus heranreichen. Diese symbiotische Beziehung im Sprachlichen bestimmte auch ihr Leben. Sie hatte sich verpflichtet, unter Aufgabe ihres Berufes, ihrem Mann als Sekretärin zu dienen. Diese Tagebücher sind im Bewusstsein entstanden, das Leben des Schriftstellers Schmidt für die Nachwelt festzuhalten. Man erfährt von Alltagssorgen, der Beschaffung von Nahrung, Geld und Alkohol, damit Arno in Schreiblaune kommt. Er arbeitete akribisch und manisch an einer Biographie des Romantikers Friedrich de la Motte Fouqué, die allerdings erst 1958 erschien und an seinem ersten Roman „Leviathan“, der bei Rowohlt heraus kommen sollte. Das Herzstück dieses Tagebuchs ist denn auch der grandios geschilderte Besuch bei Ernst Rowohlt in Hamburg, der in einer Whiskey-Tränke endete. Was sich lohnte, denn die Honorare trudelten wenig später ein.

Die Tagebücher sind ein einzigartiges Zeitdokument, auf die man neugierig wurde, da die Tagebuchaufzeichnungen späterer Jahre bereits längst erschienen waren, die vor allem von der staatsanwaltlichen Verfolgung Schmidts wegen Pornographie und Gotteslästerung und der Flucht ins liberale Darmstadt berichteten.

Auch dieser Band ist eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag und von Susanne Fischer herausgegeben und hervorragend kommentiert.

Darmstädter Jury Buch des Monats e.V. (Peter Benz)


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.


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Buch des Monats

Die Darmstädter Jury:

Peter Benz
Oliver Jungen
Hanne F. Juritz
Dagmar Leupold
Adrienne Schneider
Dr. Wilfried F. Schoeller
Dr. Gerhard Stadelmaier
Dr. Hajo Steinert
Wolfgang Werth

Kontakt zur Geschäftsstelle über buchdesmonats@hotmail.com