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Buch des Monats

April 2017

 

Die Darmstädter Jury hat das Buch von


Claudio Magris „Verfahren eingestellt“ – übersetzt von Ragni Maria Gschwend,

zum Buch des Monats April 2017 gewählt.

 

Carl Hanser Verlag, ISBN-13: 978-3446254664, EUR 25,00

 

Begründung der Jury:

Claudio Magris hat mit seinem an die Grenze des Schreibbaren gehenden, im programmatischen Sinne monströsen Roman „Verfahren eingestellt“, der das von dem manischen Sammler Diego de Henriquez auf den Weg gebrachte Triester Museum des Krieges in grandiose, zersplitternde, nachdenkliche Literatur überführt, ein Decamerone der Schuld und des Tötens erschaffen, das den Lesern mit höchstem Realitätssinn und zugleich überbordender erzählerischer Phantasie erschütternd vor Augen führt, dass die Geschichte der Zivilisation mit der Geschichte der Gewalt in eins fällt.

Ein solches Buch, das sich unter der weisen Führung einer gegen das Vergessen und gegen eine Teleologie des Bösen ankämpfenden, großen Frauenfigur in unzählige bestechende Nahaufnahmen ausfaltet, ist nicht weniger als die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen all die Kollaborateure an den im Namen vermeintlich heiliger Ideen begangenen Verbrechen der Menschheit.

 

Es wurde von der Darmstädter Jury „Buch des Monats“ mit großer Überzeugung zum Buch des Monats April 2017 gewählt.


Darmstädter Jury Buch des Monats (Oliver Jungen)


Maßstäbe in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelmäßig eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualität es verdient, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmstädter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfjähriger Jurytätigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind außerdem weitere Autoren, auch Buchhändler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung „Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer größeren Verbreitung verholfen werden. Dabei fällt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung „Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualität. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erzählung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein „Buch des Monats“.

In der Reihe „Darmstädter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erläuterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgewählten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.


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Die Jury

Wer in der Jury des Buchs des Monats sitzt und Informationen über die Mitglieder finden Sie hier