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2015 Honigmann, Barbara

Am 3. Oktober wurde die Berliner Schriftstellerin Barbara Honigmann in Darmstadt mit dem Ricarda-Huch-Preis geehrt

"Unfreiheit gab es eindeutig zu viel in der Geschichte Deutschlands. Die Deutsche Einheit hat den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes dennoch auch einiges abverlangt. Die bevorstehenden Aufgaben zur Bewältigung des Flüchtlingsdramas und zur Integration der zu uns kommenden Menschen werden es wieder tun.
Doch die Freiheit darf niemals auf der Strecke bleiben und die Freiheit ist es, in die alle diese Menschen, auch die, in der von Barbara Honigmann beschriebenen „Rue Edel“ geflohen sind." Sagte der Oberbürgermeister in seiner Rede.

„Eine der herausragenden Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur: Eine Schriftstellerin, die sich in ihrem literarischen Werk auf feinfühlige und tiefgründige Weise mit der eigenen Herkunft, Tradition und Geschichte auseinandersetzt“ so die Begründung.

Die Entscheidung über die Auszeichnung traf die Jury, der der Oberbürgermeister Jochen Partsch als Jury-Vorsitzender, Hildegard Förster-Heldmann als Vorsitzende des Kulturausschusses, Irene Jost-Göckel als stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses,die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries, die Frankfurter Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg sowie der Darmstädter Galerist Claus K. Netuschil angehören.

Zehn Tage nach der Preisverleihung, am 13. Oktober war Barbara Honigmann erneut live zu erleben. Im Literaturhaus Darmstadt las sie aus ihren Büchern und sprach über ihr Leben.


Barbara Honigmann überzeugt die Jury mit ihrer Wortgewalt, auch der Laudator Hans Thill setzt sich in seiner Rede ausführlich mit den Texten der Preisträgerin auseinander

Barbara Honigmann: Ich danke der Stadt Darmstadt mit ihrem Oberbürgermeister Jochen Partsch, der Jury und den Sponsoren, für die Ehre und Freude, den Ricarda Huch Preis entgegen nehmen zu dürfen.
Barbara Honigmanns Sprache kommt aus dieser Zeit der schnörkellosen Beziehungen wie sie die Bohème von jeher gepflegt hat. Luc Bondy sprach einmal von Barbara Honigmanns »taktiler Erzählkunst«, es ist eine Sprache zum Anfassen, der persönlichen Mitteilung. Fernab jeder Sprachskepsis hat die Autorin all ihren Figuren die Aufgabe gestellt, ihre Geschichte zu erzählen, die tragisch ist, so der Laudator Hans Thill
Alle Fotos: Jürgen Hartmann

Auszug der Laudatio:

"Die Direktheit der Sprache von Barbara Honigmann nimmt den Leser vom ersten Satz an gefangen. In ihrem letzen Buch, »Chronik meiner Straße«, beginnt die Erzählerin mit der Schilderung des Schauplatzes. Die Straße heißt zwar rue Edel, ist aber eine eher hässliche Straße. Sie ist eine Straße des Anfangs, weil man als Ankommender denkt, daß man es hier nicht lange aushalten wird. Denn es gibt hier keine Bäume und Sträucher, keine Gärten, keine Kathedrale …

»Als wir einzogen, am Anfang, vor langer Zeit, sagten wir ja auch, das Haus ist häßlich, die Straße triste, die Gegend öde, nahe dem öden Neubauviertel.«

Immerhin wohnt man nicht im häßlichsten, sondern nur im zweithäßlichsten Haus. Jenseits der Häßlichkeit hat die Rue Edel noch eine andere Eigenschaft: Bewohnt von Neuankömmlingen aus aller Welt, ist sie eine schwierige Straße der vielen Völker, unverständlichen Sprachen und kulturellen Gegensätze.

Beherzt setzt sich die Ich-Erzählerin über diese Schwierigkeiten hinweg. Das gelingt ihr im quasi tänzelnden Schritt einer direkten Rede, die im Parlando die Gegensätze zu vereinen weiß."

Reden zur Preisverleihung am 3. Oktober 2015 (pdf Dateien zum Herunterladen jeweils ca 64 KB)

Rede des Oberbürgermeister Jochen Partsch

Laudatio von Hans Thill

Rede der Preisträgerin Barbara Honigmann