Wissenschaftsstadt Darmstadt

Telefon: +49 (0)6151-13-1

E-Mail: info@darmstadt.de

ImpressumDatenschutz und Nutzungsbedingungen

1

Wir fragen Darmstadt - Interview 6

Masterplan DA2030+ ////Darmstadt weiterdenken - Wir fragen Darmstadt - Interviews

WOLFGANG KOEHLER, Präsident Heinerfest

Was macht Darmstadt für Sie heute besonders?
Darmstadt empfinde ich als eine ausgesprochen vielseitige Stadt. Man spürt in ihr allerdings heute noch den Bruch, den sie mit der 70%igen Zerstörung 1944 und dem Verlust des Status der Landeshauptstadt 1945 erlitten hat; dies führte zu einem merkbaren Bedeutungsverlust. Auf der einen Seite erkennt man (wieder aufgebaute) Monumentalbauten aus der Vergangenheit wie das Schloss, das Landesmuseum, das alte Staatstheater, den großzügigen Luisenplatz mit dem Ludwigsmonument sowie das Ensemble der Künstlerkolonie mit dem Hochzeitsturm – dies passt so gar nicht zu den ansonsten tristen Zweckbauten, die in den 50er und 60er Jahren aus den Trümmern entstanden und die heutige Innenstadt majorisieren. Vorkriegshäuser sind nur noch im Martinsviertel und in Bessungen zu finden wo sie zum Teil einen dörflichen Charakter ausmachen. Das Schlossensemble wird nahezu nur noch von der TUD genutzt und ist für die Bürger außer dem Schlossgraben und dem Museum kein Anzugspunkt mehr. Darmstadt verfügt zwar über eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands, ist jedoch nicht in der Lage, notwenige Fachgeschäfte zu halten oder neu zu gewinnen; das Luisencenter wird nach wie vor als Fremdkörper empfunden. Wenn auch die Innenstadt das tägliche Leben als Verkehrsdrehscheibe, Einkaufsziel und Verwaltungsmittelpunkt bestimmt, ist diese abends ab 19.00 Uhr nahezu tot – hier zieht sich das Unterhaltungs- und Gastronomieangebot eindeutig in die Stadtviertel zurück.

Wie soll sich die Stadt bis 2030 verändern?
Vornehmlich muss die Straßenverkehrssituation verbessert werden. Wir haben zwar einen gut ausgebauten ÖPNV, mangels guter Umfahrungsmöglichkeiten belastet jedoch der LKW- und PKW Durchgangsverkehr die gesamte Stadt. Die Konversionsflächen im Süden der Stadt bieten die einmalige Chance für einen ausgewogenen Mix an Wohnbebauung; neben bezahlbarem Mietwohnbau müssen hier auch Flächen für gehobenes Wohnen zur Befriedigung der Nachfrage durch die Firma Merck und andere, für Professoren der TUD und sonstige leitende Angestellte nachgewiesen werden. Die Innenstadtarchitektur muss aufgewertet werden; über das „Mollermaß“ kann man diskutieren. Gleichzeitig muss in der Innenstadt Platz für große besucherstarke Veranstaltungen wie das Heinerfest und das Schlossgrabenfest freigehalten werden. Das Thema Weltraum ist in Verbindung mit ESOC besser zu spielen – hier hat Darmstadt ein Alleinstellungsmerkmal. Die Bewerbung um die Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe für die Mathildenhöhe ist mit allem Nachdruck zu verfolgen; dies ist ein wesentlicher Identifikationsfaktor für die Darmstädter und auch über die Grenzen der Stadt hinaus imagebildend. In der Stadt muss spürbar sein, welche Leitidee für unser Stadtimage wir verfolgen: nach dem Krieg waren wir zweifellos eine viel beachtete Kulturstadt, entwickelten uns in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Cyber-City durch die Ansiedlung vieler Softwarefirmen, führen seit 20 Jahren das Prädikat „Wissenschaftsstadt“ und rühmen uns seit neuestem als digitale Stadt – hier bedarf es einer eindeutigen Festlegung. Bei aller Veränderung müssen in der Innenstadt Flächen für das Traditionsfest „Heinerfest“ freigehalten werden.

Stadtbild
Neben der Nachfragebefriedigung im privaten und geschäftlichen Umfeld spielt das Stadtbild für die Lebensqualität der Bürger wie auch für die Anziehungskraft für Besucher von außen eine große Rolle. Sowohl die ca. 50.000 Studenten wie auch die Dauerbewohner müssen sich hier wiederfinden. Es muss klare Abgrenzungen zwischen den einzelnen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit geben.