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Wir fragen Darmstadt - Interview 5

Masterplan DA2030+ ////Darmstadt weiterdenken - Wir fragen Darmstadt - Interviews

NICOLAI KOCH, Jugendforum und Stadtschüler/-innenvertretung

Was macht Darmstadt für mich heute besonders?
Darmstadt ist eine vielfältige Stadt, die mit einer vielschichtigen und engagierten Öffentlichkeit einige sehr schöne Projekte umsetzen kann, und für Menschen die sich engagieren wollen ein hervorragendes Pflaster bietet. Sollte man ein Thema haben, dass einen interessiert, so findet man doch nahezu immer Gleichgesinnte. Trotz dieser Vielfalt bleibt Darmstadt aber auch halbwegs überschaubar (selbst wenn die Angebotslandschaft das nicht immer ist), man lernt also schnell, wie viele Vernetzungen von Themen es untereinander gibt. Auch ist die Unterstützung, die ich von städtischer Seite erfahren habe, ausgesprochen hilfreich beim Umsetzten von Projekten und zeichnet Darmstadt positiv aus, wobei ich aber anmerken möchte, dass das eine rein subjektive Erfahrung ist.
Obwohl Darmstadt diese schönen Eigenschaften in sich vereint, gibt es auch einige Schattenseiten. Es engagieren sich beispielsweise nicht so viele Menschen, wie sich welche engagieren wollen oder könnten. Grade bei Jugendlichen fällt mir das auf, da gibt es viele mit genialen Ideen, die Ideen kommen aber oft nicht zur Umsetzung, weil in der Schule der Raum und in der Stadt etablierte, möglichst freie und unabhängige Strukturen zur Ermöglichung von eigenen Projekten fehlen. Das jugendforum* wächst langsam in diese Lücke hinein, wie man beim 9. Darmstädter Jugendkongress wunderbar sehen konnte, füllt diese aber noch lange nicht aus. Auch fehlt es oft einsteigenden Engagierten an Transparenz im Dschungel der Projekte; dies macht wiederum eine Vernetzung der Projekte untereinander schwieriger.

Wie stelle ich mir Darmstadt in 20 Jahren vor?
Darmstadt ist bereits heute eine wachsende, moderne Stadt. In meiner Wunschvorstellung wird sie aber noch um einiges moderner. Die restlichen Kasernen werden geöffnet und es entstehen Wohnungen, die sowohl erschwinglich, als auch gut angebunden und menschenwürdig bebaut sind. Es gibt also mehr als genug Grün und Spielplätze. Weiterhin entstehen weitere Jugendkulturzentren, grade alte Turnhallen in Kasernen, oder aber Kirchen könnte man zu wunderschönen Indoorskaterparks, oder hübschen Räumlichkeiten zur freien Verfügung umbauen. Es tauchen mehr legale Graffiti-Wände in der Stadt auf, die besprüht den dumpfen, grauen Geist einer auf Arbeit zentrierten Metropole vertreiben. Weiterhin gibt es mehr und mehr Radwege sowie ein neues ÖPNV-Konzept, das es Jugendlichen erlaubt, kostenfrei den Nahverkehr zu benutzen. Dies ist allein schon aus der Idee der „kostenlosen Bildung“ abzuleiten, denn Bildung findet eben nicht nur in der Schule statt, sondern wird selbstbestimmt in einer allen offenstehenden und erreichbaren Stadt entdeckt.
Die Schulen Darmstadts wurden saniert und sind nun auf einem angemessenen Stand, wenn man bedenkt, dass in diesen Gebäuden die Erwachsenen von morgen lernen. So gibt es keine Wasserschäden und tropfende Decken, kein Asbest oder scheinbar kontaminierte Toiletten, wie man sie heutzutage in vielen Schulen noch findet. (Aus aktuellem Anlass sei das Berufsschulzentrum genannt.) Die zunehmende Digitalisierung der Stadt geschah vorsichtig und unter Beachtung des Datenschutzes, Gesichtserkennungssoftware oder Ähnliches wird nicht eingesetzt und wer nicht alles Online erledigen möchte, kann gesichert durch ein „Recht auf Analogität“, dies auch lassen.
Schlussendlich lösten sich auch entstandene  Ghettos, aufgrund von Zusammenhängen zwischen Einkommen und Wohnort, auf, mit der Auflösung dieser begannen auch Vorurteile sich aufzulösen.
Und wenn ich noch zwei Wünsche frei hätte, dann würde erstens eine Fahrradschnellstraße gebaut und zweitens gäbe es mehr Urban-Gardening-Projekte.


Darmstadt wächst. Wie kann die Stadt wachsen, sodass sich auch die Jüngeren mitgenommen fühlen?
Damit sich die Jüngeren beim Wachsen und beim Umbau Darmstadts mitgenommen fühlen, darf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen nicht auf der Stufe des Befragens bleiben. Vielmehr braucht es Möglichkeiten der eigenen Gestaltung. Es braucht Orte an denen mensch sich kreativ austoben kann, an denen Sport getrieben wird und Orte die selbst geplant wurden. Es braucht Orte, die zur kreativen Entfaltung einladen. In Form von beispielsweise Graffitis, oder aber Kreativwerkstätten, für Jugendliche offenen Handwerksstätten oder Ähnlichem. Wir als Jugendliche wollen nicht bloß in einer Stadt aufwachsen, sondern die Stadt gerne zu unserer Stadt machen. Damit eine Stadt zu unserer Stadt wird, müssen wir sie in ihrem Erscheinungsbild mit formen. Wechselnde von Jugendlichen gestaltete Statuen oder Kunstwerke, legale, sichtbare Graffitiflächen, eigene Kunst- oder Fotographieausstellungen und Gebäude, die wir nutzen können. Es braucht Orte, die selbst gestaltet, selbst bespielt werden. Orte, die als Sammelplätze für die Jugendlichen eines Viertels dienen können. Seien es Fußballplätze, Parks oder ein Jugendhaus: Es braucht Orte, die eindeutig für die Jugend reserviert sind und von ihr genutzt werden können; Orte, an denen man sich auch austoben kann, frei von der Erwachsenenwelt. Es braucht Orte in Darmstadt, die, wie der neue Parcourpark, von Jugendlichen geplant wurden und baulich umgesetzt werden. Es braucht Orte, an denen sich Jugendliche treffen und aufhalten können, außerhalb von Schulen und Elternhaus, wo Jugendliche sich in einem neuen Umfeld selbst entdecken können. Vor Allem braucht es aber auch die Zeit für Jugendliche Angebote wahrnehmen zu können, ohne Furcht, in der nächsten Klausur zu versagen, wenn sie nicht den sonnigen Nachmittag mit lernen verbringen.