Die Gedenkstätten im Stadtgebiet halten die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes und die Betroffenen des Zweiten Weltkriegs wach und mahnen zu Frieden und Versöhnung.
Zur Erinnerung an die Juden und Sinti, die 1942/1943 von Darmstadt in die Vernichtungslager Deportation wurden, wurde 2004 das Denkzeichen Güterbahnhof in der Bismarckstraße/Ecke Kirschenallee. am ehemaligen Güterbahnhof, errichtet.
Entworfen wurde das Denkzeichen von dem Künstlerpaar Ritula Fränkel und Nicholas Morris. Von einem Prellbock führen Eisenbahnschienen zu einem Glaskubus. Im Inneren des Kubus befinden sich Glasscherben, auf denen 450 Namen graviert sind, stellvertretend für 3.400 Menschen aus Darmstadt und der Region, die von diesem Ort aus in die Konzentrationslager Osteuropas gebracht wurden.
Weitere Informationen finden sie auf www.denkzeichen-gueterbahnhof.de
Die in dreijähriger Bauzeit nach einem Entwurf von Edmund Köhler errichtete und am 24. Februar 1876 eingeweihte Liberale Synagoge Friedrichstraße war bis zu ihrer Zerstörung während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 ein integraler Bestandteil der Stadt. Nach den Ausschreitungen dieser Nacht war nur noch eine ausgebrannte Ruine übrig, die unter der Bebauung der nachfolgenden Jahre verschwand. Im Oktober 2003 wurden bei Bauarbeiten für einen Neubau des Klinikums Darmstadt die Teile der Grundmauern der zerstörten Liberalen Synagoge entdeckt.
Am 9. November 2009 wurde hier der Erinnerungsort Liberale Synagoge eingeweiht. Zentrum des Erinnerungsortes sind die Fundamente des ehemaligen Thoraschreins und eines Turmes. Ein von den Installationskünstlern Ritula Fränkel und Nicholas Morris konzipierter künstlerisch–didaktischer Parcours erzählt die Geschichte dieses Ortes. Als räumliche Inszenierung ersteht das Bild der Synagoge wie sie früher aussah und nach der Zerstörung. Zeitzeugen-Interviews und Dokumente vermitteln eine Vorstellung von dem Leben vor der Verfolgung der Juden in Darmstadt, den Schikanen des Nationalsozialismus und den Ereignissen nach der Pogromnacht. Der Erinnerungsort Liberale Synagoge versteht sich als Depot der Erinnerung, als Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Am authentischen Ort des Geschehenen wird auf die „verschwundene“ Vergangenheit, auf das, was nicht mehr sichtbar ist, verwiesen.
Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag von 11:30 Uhr bis 16:00 Uhr.
Regelmäßige öffentliche Führungen werden angeboten. Zugang zur Gedenkstätte über den Klinikeingang Bleichstraße (zwischen Neubau und Bleichstr. 19)
Weitere Informationen zum Erinnerungsort Liberale Synagoge
Informationen für Schulklassen
Die drei Meter hohe Gedenkstele, gefertigt aus Beton, wurde zum 60. Jahrestag der Brandnacht, am 11. September 2004, zwischen Friedensplatz und Ernst-Ludwig-Platz aufgestellt. Sie zeigt Fotos der zerstörten Stadt. In der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 wurden durch Luftangriffe weite Teile der Kernstadt in Trümmer gelegt. 11.000 bis 12.000 Menschen starben. Tausende wurden obdachlos.
Auf diesem Grundstück stand die Synagoge der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde. Nach Plänen von Ernst Wickop 1905/1906 erbaut, wurde sie in der Pogromnacht am 8./9.11.1938 vollständig zerstört. Der vom Darmstädter Bildhauer Christfried Präger geschaffene und 1983 eingeweihte Gedenkstein, dessen Gestaltung an eine Klagemauer erinnert, zeigt eine Inschrift in deutscher und hebräischer Sprache. Der am Boden eingelassene Davidstern besteht aus Granitsteinen aus dem KZ Flossenbürg.
Das Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft, 1989 geschaffen vom Darmstädter Bildhauer Thomas Duttenhoefer und an der Erich-Ollenhauer-Promenade aufgestellt, zeigt eine vornübergebeugte menschliche Gestalt ohne Hände und Füße mit gesichtslosem Kopf, deren Körper gezeichnet ist von Rissen und Wunden und an dessen Schläfe eine Judenlocke herabhängt. Das Mahnmal wurde am 01. September 1989, dem Jahrestag des Angriffs der Deutschen Wehrmacht auf Polen, eingeweiht. Ein Zweitguß der Plastik wurde 1991 in der polnischen Stadt Plock aufgestellt.

Das von dem Künstler Bernhard&Meyer gestaltete Mahnmal in der Großen Bachgasse erinnert an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten. Am 15. März 1943 wurden fast alle in Darmstadt lebenden Sinti und Roma mit mehreren Zügen in das Konzentrationslager Auschwitz – Birkenau deportiert.
Das Denkmal hat die Grundform eines Keils und besteht aus rostendem Eisen. Es trägt eine vom Landesverband der Sinti und Roma verfasste Dokumentation. Unter schwarzen und weißen Marmortafeln befinden sich Kupfertafeln mit Zitaten von Überlebenden. Das Mahnmal wurde am 15. März 1997 eingeweiht.
Das Mahnmal wurde am 17.Juni 1965 zum Gedenken an den Tag der Deutschen Einheit am Hauptbahnhof aufgestellt. Nach Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes befindet sich die Marmorstele – eine Arbeit des Bildhauers Hans Aeschbacher – heute an der Ostseite des Platzes der Deutschen Einheit.
Aus einer gemeinsamen Basis, die das Datum „17.Juni 1953“ trägt, erheben sich zwei eng beieinander, aber doch getrennt stehende schmale Steinsegmente – als Symbole für das ehemals geteilte Deutschland.
Auf dem Paulusplatz wurde 1993 das Mahnmal des israelischen Bildhauers Igael Tumarkin aufgestellt – zwei aus Schmiedstahl gefertigte Stelen, die die Opferung Isaaks und die Kreuzigung Christi darstellen.
Die Stelen stehen selbstständig und unverbunden aber dennoch nebeneinander und sollen so die Eigenständigkeit und gleichzeitig die Aufeinanderbezogenheit von Judentum und Christentum verdeutlichen – ein Zeichen jüdisch-christlicher Versöhnung.
Die kleine, neugotische Kapelle (1868-70) auf dem 1564 angelegten Friedhof am Kapellplatz brannte im Zweiten Weltkrieg fast völlig aus, die Reste des Friedhofes wurden zerstört.
Lediglich ein Teil der Außenmauern blieb erhalten, wurde als Ruine gesichert und 1954 mit einem sieben Meter hohen Granitkreuz als Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges gestaltet. 1995 schuf der Bildhauer Thomas Duttenhoefer zum 50. Jahrestag des Kriegsendes eine überlebensgroße Bronzeplastik als Mahnmal – ein von Schmerz gekrümmter Mensch, der in die Knie bricht. .
Die Inschrift der Gedenkstätte lautet: „Den Toten zum Gedächtnis, sie ruhen in Frieden. Den Lebenden zur Mahnung, haltet fest am Frieden.“
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, so Gunter Demnig, der Künstler, der das Projekt „Stolpersteine“ inzwischen europaweit ausführt. Mit den Stolpersteinen – kleinen Gedenksteinen, die in den Bürgersteig vor den Häusern eingelassen werden - möchte er die Erinnerung lebendig halten an die Menschen, die einst dort wohnten und Opfer der Naziherrschaft wurden.
Das Projekt wird seit den neunziger Jahren mittlerweile Europaweit umgesetzt. Seit 2005 sind auch in Darmstadt bereits 132 Stolpersteine verlegt. Im Darmstädter Stadtplan sind die Verlegestellen der Stolpersteine markiert und mit Namen hinterlegt (Suchbegriff "Stolpersteine").

Am 14. Oktober 2010 sind 16 Stolpersteine verlegt worden – allerdings ohne Gunter Demnig, der in vielen Städten Europas gefragt ist. Das Kulturamt hat die Verlegung terminiert, um den vielen Wünschen auf Übernahme einer Patenschaft nachkommen zu können. Vertreter des Kulturamtes und der Darmstädter Geschichtswerkstatt, die sich in einem Arbeitskreis Stolpersteine zusammengeschlossen haben, haben diesmal selbst Hand angelegt.
„Das Bücken, um die Texte auf den Messingsteinen lesen zu können, soll immer auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein“, sagte Oberbürgermeister Walter Hoffmann, bei der Verlegung.
Östlich des „darmstadtiums“ in der Erich-Ollenhauer-Promenade wurden zentral die Steine zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger verlegt, die bis zu Ihrer Deportation in der Altstadt gewohnt haben: Erwin Eisenberg, Jakob Eckstein, Johanna Blum und Ida Grünfeld. An Berthold Eckstein, Dina, Rosa und Samuel Mainzer, an Amalie und Fanny Goldstein, an Rudolf Engelmannn, an Irwin, Siegmund und Rosa Neu, an Richard Adler und an Oskar Glaser erinnern jetzt weitere Stolpersteine in der Lauteschlägerstraße 26, der Kranichsteiner Straße 35, im Rhönring 101 und 14, in der Gardistenstraße 18, in der Viktoriastraße 64 und der Liebigstraße 4.
Möglich wurde diese Aktion einmal mehr durch die Bereitschaft vieler Bürger mit der Übernahme einer Patenschaft für einen oder mehrere Stolpersteine.
Weitere Informationen finden sie unter www.stolpersteine.com
Wenn Sie Interesse haben, das Projekt Stolpersteine zu unterstützen, wenden Sie sich an
Bernhard Baum
Telefon:06151 / 13-3336
Fax:06151 / 13-3398
E-Mail
An der Ecke Thüringer Straße / Reuterallee steht seit 1985 ein von der Landmannschaft Ost- und Westpreußen in Auftrag gegebenes Denkmal.
Die von Richard Grütz entworfene Freiplastik trägt auf Stahlplatten den Namen verschiedener deutscher Städte, die Entfernungsangabe und Namen berühmter Deutscher.
Die Bodenplatte trägt die Inschrift: „Im vierzigsten Jahr der Vertreibung und im fünfunddreißigsten Jahr des feierlichen Verzichts auf Rache und Vergeltung.“
An die Ermordung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert das Mahnmal vor dem Haupteingang der Viktoriaschule. Eine Pyramide aus poliertem, schwarzem Stein trägt die Inschrift „Gegen Vergessen und Gleichgültigkeit“. Unter der Überschrift „Vier Namen für Viele“ stehen die Namen von vier ehemaligen Schülerinnen, die in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.
Das von dem Darmstädter Steinmetz Michael Rölke gestaltete Mahnmal wurde am 27.01.1997 eingeweiht.
Das Ehrenmal für die Opfer der Brandnacht am 11./12.September 1944 erinnert an die 12.000 Toten des Luftangriffs, die auf dem Waldfriedhof ruhen.
Die drei großen, liegende Bronzefiguren hatte 1957 der Darmstädter Bildhauer Fritz Schwarzbeck geschaffen.