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Wenn das Wohl des Kindes in Gefahr ist

( Vro)   –  Freitag, 27. August. 2010

Seit November 2007 berät Kornelia Grimm als Kinderschutzfachkraft Darmstädter Kindertagesstätten im Auftrag der Wissenschaftsstadt

Kornelia Grimm und Annemarie Stein

Kinderschutzfachfrau Kornelia Grimm und Annemarie Stein, Leiterin der Abteilung Kinderbetreuung stellen die Arbeit der Fachberatung bei Kindeswohlgefährdung vor. Foto: Sylvia Theel-Wolk

Im Oktober 2005 wurde der Paragraf 8a in das Sozialgesetzbuchs (SGB VIII) eingefügt. Er verlangt, dass Erzieher in Kindertagesstätten bei einer vermuteten Kindeswohlgefährdung in einem geregelten Verfahren eine Gefährdungseinschätzung vornehmen. Liegen Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vor, muss eine Kinderschutzfachkraft hinzugezogen werden, um das Team bei der Einschätzung des Falles mit fachlicher Kompetenz zu unterstützen und zu beraten.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat beschlossen, selbst solch eine Stelle einzurichten – und sich nicht extern diese Leistung etwa bei dem Kinderschutzbund einzukaufen: Seit 1. November 2007 ist Kornelia Grimm im Amt für Familie, Kinderbetreuung und Sport mit der „Fachberatung bei Kindeswohlgefährdung“ für alle Kindertagesstätten in Darmstadt tätig – nicht nur für die städtischen.

„Wir wollten uns hier zum Wohle unserer Kinder nicht mit dem Nötigsten zufrieden geben. Ziel war es vielmehr, trägerübergreifend dem Personal in den Kindertagesstätten die Sicherheit zu geben, dass sie im Notfall immer eine direkte Ansprechpartnerin haben“, so Bürgermeister und Dezernent für Kinderbetreuung Wolfgang Glenz. 

Ein Schwerpunkt der Arbeit Kornelia Grimms ist die Weiterbildung und Schulung des pädagogischen Personals in den Kindertageseinrichtungen. „Denn Fachkräfte in Kitas brauchen mehr Sicherheit in der Vorgehensweise bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung sowie in der Einschätzung einer Gefährdung. Nur durch weitere Sensibilisierung kann erreicht werden, dass eine Kindeswohlgefährdung frühzeitig erkannt wird und geeignete Hilfen eingeleitet werden können“, so Wolfgang Glenz.

Im Herbst bietet die Fachberatung eine zweitägige Fortbildung zum Thema „Elterngespräche bei Kindeswohlgefährdung“ an. Die Schulungsaktivitäten werden stets weiter ausgebaut, auch im Bereich Tagespflege. So ist für Frauen und Männer, die sich als „Tagespflegepersonen“ zertifizieren lassen wollen, das Seminar „Verdacht auf  Kindeswohlgefährdung“ als Pflichtkurs in das Qualifizierungsprogramm des Familienzentrums aufgenommen worden. In den Kindertagesstätten in städtischer Trägerschaft erhalten auch die Fachkräfte im Anerkennungsjahr regelmäßig eine Fortbildung.

Im Mai ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das vorschreibt, dass alle Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben – also auch Hausmeister und ehrenamtlich Tätige – ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Auch über diese Gesetzesänderung hat Kornelia Grimm alle Träger von Kindertageseinrichtungen informiert und klärt in Schulungen darüber auf. 

Erste Aufgabe für Kornelia Grimm war die Erarbeitung eines Schutzkonzeptes und einer Vereinbarung zur Umsetzung des Paragrafen 8 a. Das Schutzkonzept, das allen Erziehern in Darmstadt als Handlungsanleitung dient und vorliegt, schreibt einen genauen Ablaufplan vor: Dokumentation des Verdachts, Teamberatung, bei positivem Ergebnis Hinzuziehen der Kinderschutzfachkraft, Elterngespräch mit dem Ziel, dass die Familie professionelle Hilfe sucht. Durch die Festlegung von verbindlichen Handlungsrichtlinien und Verfahrensstandards erhalten Fachkräfte Handlungssicherheit und Arbeitshilfen für den Alltag. Das Schutzkonzept fördert den fachlichen Austausch in den Kindertagesstätten, die Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen und betont die gemeinsame Verantwortung von Fachkräften und Eltern im Sinne und zum Wohl der Kinder zusammenzuarbeiten. Bis Juni 2009 ist es Kornelia Grimm gelungen, mit allen Trägern von Kindertageseinrichtungen in Darmstadt Vereinbarungen zur Umsetzung des Schutzauftrags abzuschließen.

Wenn Kornelia Grimm hinzugezogen wird, dann klärt sie die Fälle telefonisch vorab, erläutert die eventuelle Gefährdung mit dem Team vor Ort, erarbeitet mit dem Team Hilfen oder Maßnahmen, um eine Gefährdung abzuwenden, bereitet heikle Elterngespräche vor und dokumentiert die Beratungsgespräche.

Um den fachlichen Austausch auf eine breitere Basis zu stellen, wurde auf ihre Initiative hin ein Arbeitskreis für Fachkräfte aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet gegründet und im Juni 2009 ein erstes Treffen organisiert. Inzwischen trifft sich der Arbeitskreis vier Mal im Jahr in der Abteilung Kinderbetreuung der Wissenschaftsstadt Darmstadt.