Krzysztof Kieślowskis Filmzyklus Dekalog gilt bei Kritikern wie Publikum als Meisterwerk des polnischen Regisseurs. Doch wer hätte das geahnt, als die zehn Fernsehfilme, die in einer tristen Wohnsiedlung am Rande Warschaus spielen, 1988 gedreht wurden? Heute sind die Filme - keiner ist länger als 55 Minuten - Kult, ein Muss für jeden Cineasten.
Kieślowski, 1941 in Warschau geboren, begann nach dem Studium an der renommierten Filmhochschule in Łódź seine Laufbahn als Dokumentarfilmer. Mitte der siebziger Jahre wurde er mit dem Spielfilm Der Filmamateur zum Hauptvertreter des sozialkritischen "Kinos der moralischen Unruhe". Eines der originellsten Werke Kieślowskis ist der 1981 gedrehte Film Der Zufall möglicherweise, der jedoch verboten und erst 1987 aufgeführt wurde.
Ende der achtziger Jahre erregte Dekalog nicht zuletzt durch seine Bildsprache und seine ungewöhnliche ethisch-moralische Perspektive im Westen großes Aufsehen. In den zehn Folgen, die zwar eigenständige Filme sind, aber dennoch in engem Zusammenhang zueinander stehen, wirft Kieślowski Fragen auf, die sich jeder stellt.
Keine beschaulichen Filme
Es sind, wie es die Schauspielerin Irène Jacob formuliert, keine "beschaulichen" Filme, sondern "Filme, die Fragen stellen, die suchen, bohren ...", zutiefst menschliche und das heißt beunruhigende Filme.
Dekalog ist also keine bloße Illustration der Zehn Gebote; die zehn Folgen, geschrieben in Zusammenarbeit mit dem kongenialen Krzysztof Piesiewicz, zeigen, wie Menschen sich in schicksalhaften Situationen verhalten und welche Folgen ihr Tun und Lassen haben.
Die Filmreihe wird von der
Stadtkirche, dem
Deutschem Polen-Institut und der
Volkshochschule Darmstadt gemeinsam präsentiert.
Das Programm
Mittwoch (24.2.), 20.00 Uhr
Dekalog zwei – Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen
Eine schwangere Frau, Violinistin in einem Orchester, versucht vom Chefarzt einer Klinik zu erfahren, ob ihr an Krebs erkrankter Mann sterben wird. In diesem Fall will sie das Kind, das sie von ihrem Geliebten erwartet, zur Welt bringen, anderenfalls ist sie zur Abtreibung entschlossen. Erst als sie dem Arzt ankündigt, dass sie das Kind abtreiben lassen will, teilt er ihr mit, dass ihr Mann sterben werde. Doch dieser überlebt, die Frau wird das Kind bekommen.
Mittwoch (3.3.), 20.00 Uhr
Dekalog drei – Du sollst den Feiertag heiligen
Heiligabend in Warschau. Das Familienfest eines Taxifahrers wird gestört, als seine einstige Geliebte erscheint und ihn bedrängt, er solle ihr helfen, ihren verschwundenen Mann zu finden. Nachdem beide die Nacht über von der Unfallstation über die Ausnüchterungszelle bis zum Bahnhof alle möglichen Orte abgesucht haben, gesteht sie ihm, dass sie gehofft hätte, ihn zurück zu gewinnen. Doch der Taxifahrer kehrt zu seiner Ehefrau zurück.
Mittwoch (10.3.), 20.00 Uhr
Dekalog neun – Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus
Ein glücklich verheirateter Chirurg erfährt, dass er für immer impotent sein wird, was zu Angst und Selbstzweifel führt. Bald keimen Verdächtigungen und Eifersucht auf, als er seiner Frau die Beziehung zu einem anderen Mann unterstellt und ihr nachspioniert. Da sie tatsächlich eine Affäre mit einem Studenten hat, wird die Ehe auf eine harte Probe gestellt.
Mittwoch (17.3.), 20.00 Uhr
Dekalog zehn – Du sollst nicht begehren Deines nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, noch alles, was sein ist
Die Erbschaft einer kostbaren Briefmarkensammlung weckt bei den Brüdern Artur und Jerzy Besitzgier und den Wunsch, sie zu komplettieren. Um in den Besitz einer fehlenden Marke zu kommen, spendiert Jerzy eine Niere für die kranke Tochter des Markenhändlers. Doch die Sammlung wird trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gestohlen. Hatten die beiden schon vorher nur den eigenen Vorteil im Auge, so steigern sie sich nun in gegenseitige Schuldzuweisungen und Verdächtigungen.
Mittwoch (24. 3.), 20.00 Uhr
Dekalog sechs – Du sollst nicht ehebrechen
Ein 19jähriger Postangestellter verliebt sich in eine 30jährige Frau, die im gegenüberliegenden Hochhaus einer tristen Trabantensiedlung lebt. Er beobachtet sie durch ein Fernglas und beteiligt sich aus der Distanz an ihrem Leben, das vor allem durch flüchtige sexuelle Begegnungen bestimmt wird. Als er sich ihr offenbart, reagiert sie zynisch und verständnislos; er begeht einen Selbstmordversuch. Doch in ihr klingt eine Saite an, die zur (Selbst-)Erkenntnis führt: Sie blickt im wahrsten Wortsinn in ihr eigenes Dasein und "sieht" in ihrem geistigen Innern ein Bild des Trostes, der aufrichtigen Liebe und Zuneigung, die sie im Begriff war, aufs Spiel zu setzen.
Alle Filme werden in der Stadtkirche Darmstadt, Kirchstr. 11, gezeigt.
Der Eintritt ist frei.
