Wien, Darmstadt, Düsseldorf waren die drei Stationen im Leben des Architekten Joseph Maria Olbrich. Daneben übernahm er weltweit Aufträge: in Paris und Turin, Mailand, London, Berlin, Dresden und Moskau, in Belgrad, Straßburg, Karlsbad und St. Louis.
Dabei umfassten seine Arbeiten ein breites Spektrum: Stadtvillen plante er ebenso wie Arbeitersiedlungen, Fabrikgebäude und Wassertürme, oder einen Bahnhof und ein Hallenbad. Dazu entwarf er für Paläste, Privathäuser, Apartments, Läden und sogar Schiffe eine breite Palette von Ausstattungsstücken, die von Möbel, Geschirr, Standuhren, Registrierkassen bis hin zu Kleidung und Schirmgriffen reicht. Auch ein Automobilentwurf stammt von ihm.
Schlüsselfigur in der zeitgenössischen Architektur
Mit einer umfangreichen Gesamtschau würdigt das Institut Mathildenhöhe das Oeuvre des Wiener Architekten, der 1899 von Großherzog Ernst Ludwig zur Gründung der Künstlerkolonie nach Darmstadt berufen wurde und in den wenigen Jahren bis zu seinem frühen Tod die Mathildenhöhe prägte. Seine damalige Popularität ist, so Ralf Beil, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, vergleichbar der eines Frank O. Gehry, Daniel Libeskind oder Rem Koolhaas unserer Tage - übernahm er doch eine Schlüsselrolle in der zeitgenössischen Architektur und Weltgestaltung.
Bereits mit seinem spektakulären Frühwerk, dem Gebäude der Wiener Secession (1898), gelingt Joseph Maria Olbrich eine Architektur von bahnbrechender Wirkung, von Nikolaus Pevsner als „Wegbereiter moderner Formgebung“ bezeichnet.
Zehn Jahre später spannen seine letzten Arbeiten – insbesondere das berühmte Ensemble von Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe Darmstadt (1908) – markant den Bogen zum architektonischen Expressionismus.
Olbrich als Universalkünstler
Dazwischen liegt ein Jahrzehnt fruchtbaren Schaffens, in dem sich Olbrich als Universalkünstler erweist. Ganz dem Konzept des Gesamtkunstwerks verschrieben, entwirft er neben einem breiten Spektrum an Bauaufgaben zugleich Innenausstattungen, Gärten, eine Vielfalt an Gebrauchs- und Schmuckgegenständen sowie graphische Präsentationen.
Die allererste Bauausstellung überhaupt wird 1901 auf der Mathildenhöhe Darmstadt nach Olbrichs Plänen realisiert. Damit wird er für Architekten wie Bruno Taut, Erich Mendelsohn und Le Corbusier zum Vorbild.
Die Retrospektive „Joseph Maria Olbrich 1867-1908. Architekt und Gestalter der frühen Moderne“ auf der Mathildenhöhe Darmstadt präsentiert diesen großen Erneuerer der Architektur und Lebensgestaltung um 1900 erstmals seit 27 Jahren umfassend und zeigt neben Meilensteinen der Architekturgeschichte das erstaunliche Gesamtwerk des gebürtigen Österreichers.
Joseph Maria Olbrich – Architekt und Gestalter der frühen Moderne
7. Februar – 25. Mai
Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr
Eintritt 8 Euro / ermäßigt 6 Euro
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ein Hörbuch.
Vom 18. Juni bis 27. September wird die Ausstellung im Leopold Museum Wien zu sehen sein.

