
Bürgermeister Glenz und der schweizer Sprachforscher Prof. Dr. Zvi Penner beim Fachtag "Sprachentwicklung in Kindertagesstätten" am 4. März 2010
Was aber, wenn ein Kind sich besonders schwer tut beim Lösen der in Texten verpackten mathematischen Rätsel? Wenn Kinder von der dritten Klasse an mit Textaufgaben rechnen lernen, fallen plötzlich einige – bislang unauffällige Schulkinder – deutlich in ihren Leistungen ab.
Was für manch einen ein Zeichen geistiger Unfähigkeit ist, kann aber tatsächlich mit einer nicht adäquaten Sprachentwicklung des Kindes zusammen hängen. Neue Erkenntnisse zeigen, wer Rhythmus und Silbenklang der deutschen Sprache bereits als Kleinkind nicht sicher erlernt hat, läuft später Gefahr mit deutlich schlechteren Schulnoten nach Hause zu kommen.
Sprachentwicklung - in Darmstädter Kitas schon lange ein Thema
Die Kindertagesstätten der Wissenschaftsstadt Darmstadt beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema der Sprachentwicklung von Kindern. Auslöser waren einerseits der hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Doch auch zahlreiche Kinder deutscher Eltern wiesen Sprachdefizite auf, die nicht mehr mit den altersgemäßen Unebenheiten allein zu erklären waren. Daraus hat sich eine systematische Sprachförderung für Kinder im Kindergartenalter entwickelt.
Mit einem Erlass aus dem Jahr 2002 hat auch die Hessische Landesregierung die Bedeutung des Themas Sprachförderung erfasst. Das Landesprogramm „Sprachförderung im Kindergartenalter“ traf in der Wissenschaftsstadt Darmstadt auf fruchtbaren Boden - hatte man hier die Bedeutung doch schon längst erkannt. Von Anfang an klinkte sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt in das Landesprogramm ein und ist dort inzwischen mit zwölf Einrichtungen fest verankert.
„Die Förderung der Sprachkompetenz von Kindern im Vorschulbereich gehört zu den wichtigsten Zielen der Elementarpädagogik“, so Bürgermeister und Familiendezernent Wolfgang Glenz. „Wir sind stolz darauf, dass wir hier in Darmstadt als Träger von 21 Kindertagesstätten mit Kinderbetreuung im Vorschulalter inzwischen über 390 Kindern diese Förderung zugute kommen lassen können.“
Familiendezernent Glenz investiert in Prävention
Aus Landesmitteln fließen 81.000 Euro pro Jahr in die Sprachförderung, die Wissenschaftsstadt Darmstadt bezuschusst die Förderung noch einmal mit einer Komplementärfinanzierung von 45.000 Euro im Jahr. „Das ist gut angelegtes Geld“, so Wolfgang Glenz, „wenn man die soziale Problematik anschaut, die entsteht, wenn Jugendliche aufgrund schlechter Schulabschlüsse später keine Lehrstellen bekommen.“ Hier präventiv einzuwirken sei eine der wichtigen Aufgaben eines funktionierenden sozialen Systems.
126.000€ wurden im vergangenen Jahr für die Sprachförderung von Kindern sowie Fortbildungen und Schulungen von Fachkräften in städtischen Kindertagesstätten investiert. Im Bereich der städtischen Kindertagesstätten werden von 1.196 Kindern mittlerweile in zwölf Einrichtungen 284 Kinder in Kleingruppen jeweils 4 Wochenstunden über das Landesprogramm gefördert - in Zusammenarbeit mit Zusatzfachkräften der Bildungswerkstatt Europa.
Einheitliche Förderung nach Dr. Penner
Bislang gab es bei der Förderung inhaltlich unterschiedliche Lernansätze. Seit diesem Jahr werden die Kinder einheitlich nach der anerkannten Methode des Schweizer Sprachforschers Prof. Dr. Zvi Penner gefördert. Im Rahmen eines Fachtages hat Dr. Penner sein Sprachförderprogramm sowie die Ergebnisse seiner Forschungen vorgestellt. Seine Forschungsergebnisse basieren auf einer mehrjährigen Erprobungsphase in der Kindertagesstätte „Am See“ – bei der unabhängig vom Landesprogramm bereits 110 Kinder gefördert werden - und der „Kinderinsel“. Seine Erkenntnisse sowie die Rückmeldungen einer Sprachheillehrerin haben die Fachkräfte in der Fachabteilung im Amt für Familie, Kinderbetreuung und Sport der Wissenschaftsstadt Darmstadt von dem Programm so überzeugt, dass die Förderung der deutschen Sprache für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache in diesem Jahr auf dieses Konzept umgestellt wurde.
Von 2011 an soll die Sprachförderung in den Kindergartenalltag der Einrichtungen integriert sein und zum Arbeitsauftrag jeder Fachkraft gehören – ein Prozess, zu dem die Fachtagung einen Anstoß gab.
