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Dramatik, Lippenstift und Späne

( Vro)   –  Donnerstag, 2. September. 2010

Bis zu 5.000 Menschen bei der Darmstädter Langen Nacht: Prominenz zur Eröffnung – Swingtanzprozession zum Schluss – Erwartungen trotz schlechten Wetters mehr als erfüllt

Darmstädter Lange Nacht

5000 Besucher kamen zur Darmstädter Langen Nacht. Foto: Rüdiger Dunker

Die von Staatssekretär Gerd Krämer vom Hessischen Wissenschaftsministerium und Oberbürgermeister Walter Hoffmann am Freitagabend eröffnete Darmstädter Lange Nacht auf dem Georg-Büchner-Platz war trotz zunächst schlechten Wetters aus Sicht der Veranstalter ein voller Erfolg. Mit Musik, Tanz, Literatur, Bildhauerei und weiteren Darbietungen im und vor dem Staatstheater, auf dem Platz, in der Kirche St. Ludwig und vor dem Theater Moller Haus wurden geschätzte 5.000 Besuchererreicht.


Als es zum Ende des Festes Katja und Ali von der Tanzwerkstatt mit ihrer Swingtanzshow gelungen war, die bis um 1 Uhr nachts ausdauernden Gäste noch einmal in Bewegung zu bringen und tatsächlich mit allen gemeinsam im Swingtanzschritt den Brunnen mit der Skulptur „grande disco“ am gegenüberliegenden Platzende zu erreichen, hatten diese wirklich eine Darmstädter Lange Nacht hinter sich. Die Wunderkerzen, die für diesen Anlass verteilt worden waren, wurden vom Publikum schon bei den letzten Klängen von Hair abgebrannt. Die Musische Gruppe Auerbach erzielte zuvor mit diesem Flower-Power-Klassiker, in einer gewagten aber stimmigen Collage mit Les Miserables, einen rauschenden Erfolg. Mit neu verteilten Leuchtelementen und Fackeln um die Wasserspiele konnten die Nachtschwärmer noch ganz zum Schluss den von einem Menschen dargestellten „Lebenden Brunnen“ bewundern.

Resümee
Das was sich in sechs Stunden bis dahin auf dem Georg-Büchner-Platz vor dem Staatstheater abgespielt hatte, bewertet Geschäftsführerin Anja Herdel von der veran-staltenden Darmstadt Marketing GmbH wie folgt: „Wir sind sehr froh, dass die Darm-städter und weitere Gäste sich von der zunächst schlechten Witterung mit Regenguss kurz vor Beginn nicht abschrecken ließen. Bis zu 5.000 Kulturbegeisterte sind zur Darmstädter Langen Nacht gekommen, um den vom Architekten Arno Lederer wunder-bar gestalteten Platz in Besitz zu nehmen. Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Unsere Mitarbeiterinnen waren den ganzen Abend deutlich sichtbar als Ansprechpart-nerinnen von Darmstadt Marketing unterwegs. Mein Team und ich haben viele positive Kommentare gehört, darunter die Hoffnung, dass dies hier nicht das letzte Fest dieser Art gewesen sein solle, dass man ein tolles Fest auf einem sehr schön gewordenen Platz erlebe. Wir konnten bei dieser Gelegenheit auch mit Anwohnern sprechen (sie waren von Darmstadt Marketing vorher angeschrieben und eingeladen worden, zu die-sem Anlass anzustoßen), die sich nach den langen Bauarbeiten auf die Fertigstellung und auf das Fest gefreut haben.“


„Nicht am Leben sparen“
Eröffnet wurde das Kultur-Event von Staatssekretär Gerd Krämer vom Hessischen Mi-nisterium für Wissenschaft und Kunst, sozusagen als Vertreter des Eigentümers Land Hessen, gemeinsam mit Oberbürgermeister Walter Hoffmann. Krämer sprach von der Freude der gelungenen, funktional-ästhetischen Platzgestaltung wie von der Last der Finanzierung dieses neuen, „kulturellen Treffpunktes“. Jedoch dürfe man gerade in schwierigen Zeiten nicht an der Kultur sparen, denn das hieße „am Leben zu sparen“. Er lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt. Die Vereinbarung der Kosten-übernahme für Tiefgaragensanierung und Platzgestaltung durch das Land, wofür das Theater die Parkeinnahmen verbuchen dürfe, nannte er fair. Er drückte das allgemeine Bedauern darüber aus, dass Prof. Arno Lederer als Schöpfer der Platzarchitektur nicht an der Eröffnung teilnehmen konnte, weil er noch bei Würzburg im Stau steckte. „Ge-ben Sie dem Platz eine Chance, lassen Sie ihn wirken!“, rief der Staatssekretär zum Schluss ins Publikum.


„Den Platz pfleglich behandeln“
„Mir gefällt dieser Platz wirklich sehr“, gab Oberbürgermeister Walter Hoffmann danach sein Votum ab. Die Bürgerschaft habe ihn schon seit Wochen in Betrieb genommen, bei der Langen Darmstädter Nacht werde er mit einem Potpourri von Theater, Freier Szene und vielen verschiedenen Sparten bespielt. Für die schwierigen, aber fairen Verhand-lungen mit dem Land Hessen und das mit diesem getroffene Agreement dankte er aus-drücklich. Es sei ein Ort zum Verweilen geschaffen worden, den die Bürgerschaft als ihren Platz empfinden könne. Dies und das engere Zusammenrücken von Innenstadt und Staatstheater durch die verbesserte Wegebeziehung sei wirklich ein Anlass zu feiern. Große Zustimmung erhielt er für seine Bitte an alle Nutzer, den Platz pfleglich zu behandeln damit alle lange etwas von ihm haben sollten.


Performance im Kleinen Haus
Das Konzert von Staatsorchester und -Chor mit Musik von Mozart und Verdi war zum Schutz der Instrumente ins Kleine Haus mit knapp 500 Plätzen verlegt worden. Es wur-de wegen des großen Andrangs wiederholt. Durch den zweiten Spielort neben der Hauptbühne im Freien mit Moderator Dr. Alex Dreppec kam im Theater der Slammer Tilmann Döring zum Einsatz. Wie er sich bei der Ansage der einzelnen Titel coram publico Handlungsstränge und Künstlernamen erarbeitete, war schon wieder eine eige-ne Performance – genauso wie der energische und gekonnte Einsatz des Geschäfts-führenden Direktors Jürgen Pelz als Platzanweiser mit dem Mikro von der Bühne aus.


Dramatik, Lippenstift, Späne, Steine
Großer Andrang herrschte in der von Moller errichteten Innenstadtkirche St. Ludwig, dem „Hessischen Pantheon“. Bei den gleichnamigen Führungen waren die Handzettel schnell vergriffen. Bei den Orgelkonzerten waren die Bänke vollbesetzt. Die dramati-sche Farbgebung im antiken Tempelrund unterstützte die dem Kulturfest gemäße Theatralik. Der deutsch-polnische Autor Artur Becker sorgte von der Hauptbühne aus mit Lesungen seiner Werke „Wodka und Messer" sowie „Der Lippenstift meiner Mutter“ dafür, dass auch die Literatur bei der Langen Nacht ihr Publikum fand.


Sehr zufrieden mit Andrang und Interesse der Kunstinteressierten bei der von ihm betreuten Bildhaueraktion äußerte sich Claus K. Netuschil. In Zelten zu beiden Seiten des Platzes demonstrierten Susanne Ausländer, Georg Hüter, Martin Konietschke und Henning Wittmann Ihr Können. Dabei flogen die Späne, klatschte der Gips und sprangen die Steinbrocken.
Viele entspannte Menschen mit wetterfester Kleidung, die bei einem Glast Wein flanierten, Bekannte trafen oder am Getränkestand über Kunst und den neuesten Darmstädter Klatsch diskutierten, ein begeistertes Publikum bei Opernmusik oder Musicaldarbietungen, die Dynamik die ganz am Ende die Swingtänzer in die letzten Nachtschwärmer brachten, und viel Applaus – waren der Lohn für die Mitwirkenden.


Weitere Infos unter www.darmstadt-marketing.dehttp://www.darmstadt-marketing.de/