Magistrat und Heinrich-Emanuel-Merck-Schule eröffneten am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus eine Ausstellung über die Jüdische Berufsfachschule Masada, die zwischen 1947 und 1948 zehn Monate in Darmstadt existierte - als sichtbares Zeichen des Wiederbeginns jüdischen Lebens
Der vom früheren Bundespräsidenten Roman Herzog begründete Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus alljährlich am 27. Januar wurde in Darmstadt in den vergangenen Jahren immer mit einem historischen Stadtrundgang begangen. Dieses Jahr luden der Magistrat und die Heinrich-Emanuel-Merck-Schule zu einer Ausstellungseröffnung über „Die Jüdische Berufsschule Masada in Darmstadt“ ein.
Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit. Am 3. Januar 1996 proklamierte Roman Herzog den 27. Januar als nationalen Gedenktag und erklärte: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“
Oberbürgermeister Walter Hoffmann eröffnete den Gedenktag mit der Mahnung, die Schrecken und den Terror der Zeit des Nationalsozialismus niemals zu vergessen: „Wir haben uns hier versammelt, um an jenen Tag zu erinnern, als das Vernichtungslager Auschwitz 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Den 27. Januar 1945. Wir erinnern uns auch und vor allen Dingen an das Grauen der europäischen Judenvernichtung durch die Nazis. Ein Völkermord, der sechs Millionen Menschen das Leben kostete.
Der Name Auschwitz ist zum Schlüsselbegriff für die Verbrechen der Nazis an Juden und für die Judenvernichtung geworden. Erst wurden die Juden schikaniert, diskriminiert und ausgegrenzt, von Staats wegen beraubt und dann deportiert und massenhaft ermordet. Man muss sich das immer wieder klarmachen: Auch Darmstadt spielte bei der Verfolgung mit, von hier aus erfolgten die Deportationen in die Todeslager des Ostens, nach Auschwitz, Treblinka oder Majdanek.... Eine Darmstädter Schule, die Justus-Liebig-Schule diente als Sammellager, wo man die Opfer zusammenpferchte und beraubte, ihnen Hab und Gut nahm. An diese Vergangenheit erinnert heute das Denkzeichen Güterbahnhof, der Glaskubus an der Kirschenallee, unweit des Darmstädter Hauptbahnhofs.“
Kooperationsprojekt mit Schülern
Im Anschluss an die Rede des Oberbürgermeisters und des Schulleiters Kurt Kiesel wurde die Ausstellung über die Jüdische Berufsschule Masada eröffnet, die über die in den Jahren 1947 und 1948 in Darmstadt existierende Jüdische Berufsfachschule informiert, die von Samuel Milek Batalion aufgebaut und geleitet wurde. In einem Kooperationsprojekt wurde die Ausstellung von Lea Dror-Batalion, der Tochter des ehemaligen Schulleiters, und Renate Dreesen, Lehrerin an der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule gemeinsam mit Schülern der Klasse 13 in den vergangenen Monaten erarbeitet.
Wichtiger Teil der Nachkriegsgeschichte
Die Schule bildete etwa 45 Überlebende aus verschiedenen „Displaced-Persons-Lagern“ als Tischler, Schlosser, Schreiner und in anderen handwerklichen Berufen aus. All diese Berufe sollten Ihnen beim Aufbau von Kibbutzim in Erez Israel nützlich sein. Der Madrich unterwies die Schüler zudem in Hebräisch, Jüdischer Philosophie, körperlicher Fitness und zionistischer Ideologie.
Die Jüdische Berufsfachschule Masada war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich, bisher ist ihre Geschichte kaum bekannt. Sie befand sich im ehemaligen Bahnhof am Steubenplatz. Samuel Milek Batalion organisierte Räumlichkeiten, Verpflegung, Lehrpersonal, Finanzierung und Ausstattung der Schule. Obwohl sie nur zehn Monate existierte, ist die Berufsfachschule Masada ein wichtiger Teil der Nachkriegsgeschichte in Hessen und Ausdruck für den Wiederbeginn jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland.
Die Ausstellung ist bis Ende Februar in der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule zu sehen, sie ist dreisprachig konzipiert (Deutsch, Englisch und Hebräisch) und kann ausgeliehen werden. Kontakt: Renate Dreesen, Mail:
rdreesen@gmx.net, oder Lea Dror-Batalion, Mail:
ldror@batalion.net

