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Veröffentlichungen des
Jazzinstituts
Publications of the Jazzinstitut
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That's
Jazz. Der Sound des 20. Jahrhunderts
Ausstellungskatalog, Darmstadt 1988 (Inhaltliche Disposition:
Annette Hauber, Ekkehard Jost, Klaus Wolbert), 723 Seiten [Reprint:
Bochinsky-Verlag, Frankfurt/Main 1990; Reprint: Häusser-Verlag,
Darmstadt, 1997 (diese Ausgabe war auch über die Versandfirma
"Zweitausendeins" erhältlich)]
Der Darmstädter
Ausstellungskatalog ist ein Standardwerk zur Jazzgeschichte. Autoren
aus vielen Ländern befassen sich mit der Jazzgeschichte aus
unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Geschichte des amerikanischen
Jazz steht die des euroäischen Jazz gegenüber, aber
auch Themen wie Jazz und Literatur, Jazz und Film, Jazz und Bildende
Kunst oder anderes werden kenntnisreich behandelt. wird nach wie
vor weltweit als Musterbeispiel eines umfassenden Jazzbuchs gelobt
und ist mit Hunderten an Fotos, von Experten verfaßten Texten
und seinem ansprechenden Layout ein Standardwerk genauso wie das
beste Geburtstagsgeschenk für jeden Jazzfreund.
"That's Jazz.
Der Sound des 20. Jahrhunderts ist nur über den Buchhandel
erhältlich, allerdings mittlerweile auch in allen Auflagen
vergriffen. Es kann sich dennoch lohnen, in Antiquariaten danach
zu fragen - auch Internetantiquare sind hier sehr hilfreich.

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Ekkehard
Jost (Hg.): Darmstädter Jazzforum 89. Beiträge zur Jazzforschung,
Hofheim 1990 (Wolke Verlag),
237 Seiten, ISBN 3-923997-40-X, 19 €
Beim 1. Darmstädter Jazzforum
trafen sich im Dezember 1999 Jazzforscher aus ganz Deutschland
zu einem informellen, inhaltlich noch bunt-gemischten Symposium.
Die Beiträge:
- Bert Noglik: Improvisierte
Musik in der Folge des Free Jazz
- Jürg Solothurnmann: Die
aktuelle Situation des Jazz und der improvisierten Musik
- Hans Kumpf: Sowjetischer Jazz
- Klaus Scheuer: Zur Improvisationsweise
Bix Beiderbeckes
- Wolfram Knauer: Die Entwicklung
des Jazz zwischen Bebop und Free Jazz
- Ekkehard Jost: Cecil Taylor
- Solo
- Günter Sommer: Die Jazzszene
in der DDR
- Dieter Glawischnig: Eine Gemeinschaftsproduktion
mit Ernst Jandl
- Bernd Konrad: Probleme der
Jazzpädagogik
- Ludolf Kuchenbuch: "Notation"
im Amateurjazz der 60er und 70er Jahre
- Wolfgang Schickhaus: Das Phänomen
Swing
- Peter Niklas Wilson: Syntax
und Ästhetik der Musik Ornette Colemans
- Herbert Hellhund: Einige Strukturprinzipien
improvisierter Avantgardemusik
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Wolfram
Knauer (Hg.): Jazz und Komposition. Darmstädter Beiträge
zur Jazzforschung, Bd. 2,
Hofheim 1992 (Wolke Verlag),
225 Seiten, ISBN 3-923997-41-8, 19 €
Beim 2. Darmstädter Jazzforum
ging es um unterschiedlichste Konzepte jazzmusikalischen Komponierens.
Die Beiträge:
- J. Bradford Robinson: "Jazz"-Rezeption
in der Weimarer Periode
- Hans Ulrich Engelmann: Hans
Ulrich Engelmann und der Jazz
- Lutz Neitzert: Über das
problematische Verhältnis der bürgerlichen Musikkultur
zu improvisierter Musik
- Gerhard Putschögl: John
Coltrane. Strukturelle Organisation als orale Komposition
- Wolfram Knauer: Charles Mingus.
Jazzkomposition nach Ellington
- Peter Niklas Wilson: Musikalische
Systemphilosophie nach ihrem Ende. Anthony Braxtons musikalische
Metaphysik
- Ekkehard Jost: Typen jazzmusikalischer
Komposition
- Ran Blake: Third Stream -
Vorrang des Ohrs
- Hermann Keller: Komplexe Vorgänge
- einfache Grundlagen. Was vom kompositorischen Handwerk in
meine Improvisationen eingeht
- Ulrich Kurth: Zur Rolle der
Streichinstrumente. Kompositionen von Tony Oxley, Peter Herborn
und Mark Dresser
- Bert Noglik: Komposition und
Improvisation. Anmerkungen zu einem spannungsreichen Verhältnis

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Wolfram
Knauer (Hg.): Jazz in Europa. Darmstädter Beiträge zur
Jazzforschung, Bd. 3,
Hofheim 1994 (Wolke Verlag),
261 Seiten, ISBN 3-923997-42-6, 19 €
Das 3. Darmstädter Jazzforum
versuchte eine Rundreise mit allgemeinen genauso wie mit ganz
speziellen Beiträgen zum europäischen Jazz.
Die Beiträge:
- Marko Paysan: Transatlantic
Rhythm. Jazzkontakte zwischen Deutschland und den USA vor 1945
- Erik Wiedemann: Jazz in Dänemark
1933 bis 1945
- Kees Wouters: Von den Wandervögeln
zum Wanderers Hotclub
- Theo Mäusli: Jazz und
Geistige Landesverteidigun. Zur Rezeption des Jazz in der Schweiz
der Jahre 1933 bis 1945
- Walter Ojakäär: Jazz
in Estland. Hoffnungen und Wirklichkeit
- Virgil Mihaiu: Entwicklung
und Probleme des Jazz in Rumänien 1965 bis 1993
- Lubomir Doruzka: Jazz in der
Tschechoslowakei 1945 bis 1993
- Bert Noglik: Osteuropäischer
Jazz im Umbruch der Verhältnisse. Vom Wandel der Sinne
im Prozeß gesellschaftlicher Veränderungen
- Misha Mengelberg: Misha Mengelberg
spricht über seine Musik
- Wolfram Knauer: "Musicianer",
oder: Der Jazzmusiker als Musikant. Anmerkungen zum Verhältnis
von Jazz und Folklore
- Jürg Solothurnmann: Die
Alpine Jazz Herd. Zeitgenössischer Jazz und natonale Folklore,
paßt das zusammen?
- Erik Kjellberg: "Old Folklore
in Swedish Modern". Zum Thema Volksmusik und Jazz in Schweden
- Ekkehard Jost: Über das
Europäische im europäischen Jazz

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Wolfram
Knauer (Hg.): Jazz in Deutschland. Darmstädter Beiträge
zur Jazzforschung, Bd. 4,
Hofheim 1996 (Wolke Verlag),
287 Seiten, ISBN 3-923997-70-1, 19 €
Beim 4. Darmstädter Jazzforum
wurde der deutsche Jazz thematisiert: von den 30er Jahren bis
in die Gegenwart.
Die Beiträge:
- Horst Bergmeier & Rainer
Lotz: Charlie and his Orchestra. Ein obskures Kapitel der
deutschen Jazzgeschichte
- Guido Fackler: Jazz im KZ.
Ein Forschungsbericht
- Bernd Hoffmann: Die "Mitteilungen".
Anmerkungen zu einer "verbotenen Fanpostille"; Die "Mitteilungen
(Reproduktion)
- Wolfram Knauer: Emanzipation
wovon? Zum Verhältnis des amerikanischen und des deutschen
Jazz in den 50er und 60er Jahren
- Musikergespräch mit Michael
Naura: Es war ein lustiges Völkchen
- Komponistengespräch mit
Klaus König: Reviews (A Revue for Frank Zappa)
- Bert Noglik: Hürdenlauf
zum freien Spiel. Ein Rückblick auf den Jazz der DDR
- Ernst Ludwig Pettrowsky &
Uschi Brüning: Gednaken eines Menschen aus Güstrow,
der zwischen Nazi-Märschen, Stalin-Panzern und FDJ-Liedern
der Faszination des Jazz erlag
- Ulrich Kurth: "Kurze Geschichten".
Die 90er Jahre
- Joachim Ernst Berendt: Wandel
und Widerstand

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Wolfram
Knauer (Hg.): Jazz und Sprache, Sprache und Jazz. Darmstädter
Beiträge zur Jazzforschung, Bd. 5, Hofheim 1998 (Wolke
Verlag), 189 Seiten, ISBN 3-923997-79-5, 19 €
Beim 5. Darmstädter
Jazzforum im Oktober 1997 ging es um den Einfluß des
Jazz auf die Literatur, um den Einfluß von Literatur und
Literaturästhetik auf das Verständnis des Jazz, um Lyrik-und-Jazz-Projekte
in den USA wie in Europa, um die Umsetzung sprachlich-literarischer
Vorlagen im kleinen wie im großen Umfang, um die Sprachlichkeit
oder Sprachähnlichkeit von Jazznimprovisation, um Bezüge
zwischen dem Sprechen über Musik (also: Jazzkritik) und der
Musik selbst.
Die Beiträge:
- Wolfram Knauer:
Jazz - Sprache - Lyrik - Kritik. Einige grundsätzliche
Anmerkungen
- Stephan Richter:
Magic Books and a Jam Session. Das Spannungsfeld von Literatur,
Literaturtheorie und Jazz
- Heinz Steinert:
"... und in dem allen ist der Gestus von Musik der Stimme
entlehnt, die redet." Über das komplexe Arbeitsbündnis
des Genres "Jazz und Lyrik"
- Ernst Jandl &
Dieter Glawischnig: ..... 'texte und Jazz' .....
- Mike Westbrook:
The Westbrook Song Book
- Ekkehard Jost: Zum
Sprachcharakter von Musik im allgemeinen und Jazz im speziellen
- Hans Ulrich Engelmann:
Zur szenischen Kantate "Die Mauer"
- Wolfram Knauer:
From Ellington to Malcolm X. Vom Umgang mit Texten/Libretti
im Jazz
- George Gruntz: Jazz
- Was für ein Theater?
- Christian Broecking:
Viel Lärm um große Worte. Auch fiese Sätze
können swingen. Wynton Marsalis und die Verbalisierung
des Jazz in den 90er Jahren

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Wolfram
Knauer (Hg.): Duke Ellington und die Folgen. Darmstädter
Beiträge zur Jazzforschung, Bd. 6,
Hofheim 2000 (Wolke Verlag),
276 Seiten, ISBN 3-923997-91-4, 19 €
Das 6. Darmstädter
Jazzforum widmete sich erstmals einem einzelnen Musiker. Aus Anlaß
seines 100. Geburtstages beschäftigten sich die referate
und Konzerte im September/Oktober 1999 mit der Musik des Pianisten,
Komponisten ujnd Bandleaders Edward Kennedy "Duke" Ellington.
Ellington ist eine der wenigen stilübergreifenden Persönlichkeiten
der Jazzgeschichte, wa auf Musiker der 20er und 30er Jahre genauso
einflußreich wie auf solche der 60er bis 90er Jahre. Die
referate des Darmstädter Jazzforums untersuchen ganz unterschiedliche
Aspekte in Ellingtons Schaffen. Es geht um seine Rolle als Komponist,
Arrangeur und Pianist, um seinen Einfluß auf die band-eigenen
sowie viele nachfolgende Musiker, um seine Ästhetik und um
die Rezeption seiner Konzerte in Deutschland. Die Vielfalt der
Ansätze ztwischen musikalischer Analyse und musikästhetischer
Betrachtung läßt bekannte wie weniger bekannte Seiten
seines Schaffens in neuem Licht erscheinen.
Die Beiträge:
- Wolfram Knauer:
"Each Man Prays In His Own Language..." Duke Ellington und
seine Welt
- Wolfram Knauer:
"Reminiscing in Tempo". Tradition und musikästhetische
Ideale in Ellingtons kompositorischem OEuvre
- Bernd Hoffmann:
"Zugunsten der deutschen Jugend". Zur Rezeption afro-amerikanischer
Musik in der Nachkriegszeit
- Peter Niklas Wilson:
"Money Jungle". Fäden eines Beziehungsnetzes
- Ekkehard Jost: "Open
Letter to Duke". Was Charles Mingus an Duke Ellington schrieb
- Franz Krieger: "Piano
in the Foreground?". Zum Klavierstil Duke Ellingtons
- Günter Lenz:
"Die kulturelle Dynamik der afroamerikanischen Musik". Duke
Ellingtons Kulturbegriff und seine Bedeutung in der afro-amerikanischen
Literatur
- Bill Dobbins: "Mood
Indigo". Die harmonische Sprache Duke Ellingtons
- Walter van de Leur:
"Scores of Scores". Einige Anmerkungen zu Manuscripten der
Billy-Strayhorn- und Duke-Ellington-Sammlungen in den USA
- Martin Pfleiderer:
"Far East of the Blues". Ellington und Weltmusik

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Wolfram
Knauer (Hg.):Jazz und Gesellschaft. Sozialgeschichtliche Aspekte
des Jazz. Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, Bd.
7, Hofheim 2002 (Wolke
Verlag), 304 Seiten, ISBN 3-936000-01-8, 19 €
Der Jazz war immer
eine gesellschaftlich relevante Musik. Er hat das 20. Jahrhundert
begleitet wie keine andere Musikrichtung, stand für kulturelle
Entwicklungen, die auch auf anderen Gebieten von Bedeutung waren:
den Wandel vom Euro- zum Amerikazentrismus, die Einführung
neuer Medien zur massenkulturellen Verwertung, den Vorrang von
Interpretation vor Komposition und individuellem Sound vor klassischem
Klangideal. Um die unterschiedlichsten Aspekte der gegenseitigen
Einflüsse von Jazzmusik und Gesellschaft, um die Lebensumstände
der Musiker in den USA wie in Europa, um musikästhetische
Fragen, um den Themenkreis Jazz und Kritik, um eine kritische
Bestandsaufnahme soziologischer Forschungen zum Jazz und dergleichen
mehr ging es beim 7. Darmstädter Jazzforum, dessen Referate
in diesem Band zusammengefasst sind. Das 7. Darmstädter Jazzforum
fand gerade mal zwei Wochen nach dem 11. September 2001 statt.
Seine Beiträge über die soziale Relevanz von Kunst erhalten
dadurch besondere Aktualität.
Die Beiträge:
- Ralf-Peter Fuchs:
Neue Menschen und Kultur der Moderne. Der Jazz und sein
Publikum in der deutschen Nachkriegspresse 1945 - 1953
- Christian Broecking:
Adorno versus Berendt revisited. Was bleibt von der Kontroverse
im Merkur 1953?
- Tobias Richtsteig:
Jazz und Zahlen. www.jazzpublikum.de Sozialpsychologische
Basisdaten im Zeitvergleich. Ein Forschungsbericht
- Wolfram Knauer:
"Wegweiser Jazz. Anmerkungen zum Zustand der
deutschen Jazzszene
- Heinz Steinert:
Musik und Lebensweise. Warum und wie sich Jazz-Musik eignet,
eine soziale Position zu markieren
- Wolfgang Sandner:
Verbaler Impressionismus, wohlmeinende Apologie. Probleme
der Jazzkritik
- Ursel Schlicht:
Individuelle Musik auf Jazzbasis. Arbeitsbedingungen und
Ausdrucksformen von Musikerinnen in Hamburg und New York
- Lewis A. Erenberg:
Swing Left. Linke Politik und Bigband-Jazz in der Zeit des
New-Deal
- Ingrid Monson: Über
Jazz, Geschichte und soziale Theorie. Theoretische Hintergründe
der "Freedom Sounds
- George E. Lewis:
"Gittin to know yall. Von improvisierter
Musik, vom Treffen der Kulturen und von der "racial imagination
- Mike Heffley: Vom
Anarchischen zum Archaischen. Zur Theorie der freienImprovisation
- Peter Niklas Wilson:
Von der sozialen Irrelevanz improvisierter Musik
- Ekkehard Jost: Reflexionen
über die Soziologie des Jazz

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Wolfram
Knauer (Hg.): improvisieren ... Darmstädter Beiträge
zur Jazzforschung, Bd. 8, Hofheim 2004 (Wolke
Verlag), 248 Seiten, ISBN 3-936000-02-6, 19,- €
... keine Definition
des Jazz wird um diesen Eingangssatz herumkommen. Viele andere
Momente spielen eine wichtige Rolle – swing, drive, Instrumentation,
spezifische Soundcharakteristika – aber wo zu verschiedenen
Zeiten all solche Parameter Schwankungen unterworfen, wechselbar
waren, da bleibt die Improvisation sicheres Kontinuum in der Geschichte
dieser Musik. Ein großartiger Musiker ist sicher auch, wer
gut zu swingen vermag, an erster Stelle aber steht die Fähigkeit,
in der Improvisation eine „gute Geschichte“ erzählen
zu können. Die Improvisation wurde so sehr zum zentralen
Merkmal des Jazz, dass die beiden fast synonym schienen: Wenn
sich in den USA oder Europa ab den 1960er Jahren jemand als „improvising
musician“, als „improvisierender Musiker“ bezeichnete,
so erhielt er sicher in der Regel die Antwort, „Ach ja,
Jazz!“ Solche Gleichsetzung zeigt nur, dass die Musikgeschichte
offenbar vergesslich ist, denn auch die europäische Musik
besaß ja über lange Zeit ihre ganz eigenen Improvisationstraditionen.
Und in außereuropäischen Musikkulturen ist Improvisation
bis heute selbstverständlich – und hier übrigens
wiederum eine ganz andere Form von Improvisation als jene, die
im Jazz entwickelt wurde.
Die Beiträge:
- Wolfram Knauer:
Noodlin’ and Doodlin’ and Playin’ Around...Zum
sich wandelnden Selbstverständnis des Jazz als improvisierter
Musik
- Lawrence Gushee:
Improvisation im frühen Jazz
- Martin Pfleiderer:
Improvisieren – ästhetische Mythen und psychologische
Einsichten
- Thomas Mießgang:
Die Kunst des Spontanen. Kann ein Bild improvisiert werden?
Über Free Jazz, automatische Saxophone, Jack the Dripper,
Materialaktionen und letzte Lockerungen
- Christopher Dell:
Möglicherweise Improvisation
- George E. Lewis:
"Voyager“ ... Improvisieren mit dem Computer
- Ekkehard Jost: Notizen
zur Improvisation
- Joachim Kühn
und Bert Noglik im Gespräch: Improvisation und musikalische
Realität
- Paul F. Steinhardt: between the lines. Die verwunderliche
Verbindung von Geld und Musik
- Michael Rüsenberg: Improvisation als Modell wirtschaftlichen
Handelns. Eine Erkundung
- Peter Niklas Wilson: Neue Paradigmen in der improvisierten
Musik

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Wolfram
Knauer (Hg.): Jazz goes Pop goes Jazz. Der Jazz und sein gespaltenes
Verhältnis zur Popularmusik. Darmstädter Beiträge
zur Jazzforschung, Bd. 9, Hofheim 2006 (Wolke
Verlag), 284 Seiten, ISBN:
3-936000-03-4; 22 €
Der
Jazz saß zeitlebens zwischen den Stühlen der ästhetischen
Schubladen: Für die einen war er die populäre Musik
der 1930er Jahre und Grundlage für viele Musikstile in der
späteren Popmusik, für die anderen eine dezidierte Kunstmusik,
ein Gegenentwurf zu den kommerziellen Seiten der Popmusik. Mit
diesem Spagat mussten Jazzmusiker immer leben, mit ihm mussten
sie sich auseinandersetzen, ihn konnten sie allerdings durchaus
auch für ihre Zwecke nutzen. Beim 9. Darmstädter Jazzforum
werden die verschiedenen Seiten im Verhältnis von populärer
Musik und Jazz beleuchtet. Dabei geht es um grundsätzliche
Fragen (Was macht Musik populär?), um historische Einordnungen
(Wo trennen sich Jazz und Popmusik und wie entwickelte sich ihr
Verhältnis zueinander?), um wirtschaftliche Fragen (den Einfluss
der Plattenfirmen), um aktuelle Tendenzen (das bewusste Spiel
mit Popmusik in Aktivitäten jüngerer Musiker), um ästhetische
Fragen (Jazz als Kunstmusik und der suspekte Charakter des kommerziellen
Erfolgs) und vieles mehr. Neben Wissenschaftlern aus Deutschland,
Österreich, Dänemark und Australien kommen auch Praktiker
zu Wort wie der britische Komponist Colin Towns, der New Yorker
Paul D. Miller alias DJ Spooky. Schließlich kommen in einer
Diskussionsrunde Vertreter aus der Plattenproduktion, diverser
Medien, Agenturen aber auch Musiker zusammen.
Die
Beiträge:
-
Martin Pfleiderer: Was macht Musik populär? Überlegungen
zur (Un-)Popularität im Jazz und anderswo
- Andrew
Hurley: Joachim Ernst Berendt – Jazz, U-Musik, Pop-Jazz
und die Ambivalenz (1950-1970)
- Fabian
Holt: Not a Silent Way. Populäre Musik und Jazzmodernismus
nach Elvis
- Wolfram
Knauer: Healing Force of the Universe? Warum der Free Jazz
zahm wurde
- Jürgen
Schwab: New Standards – Die (gar nicht mal so) neue
Lust am Covern im Jazz
- Frithjof
Strauß: Zwischen Mystizismus und Funktionalismus.
Zur Popularität des Jazz aus Skandinavien
- Doris
Schröder: Bunte Musik. Die Jazzbilder Tony Munzlingers
zwischen Karikatur, Popart und Gebrauchskunst
- Roundtable
zu Aspekten der Produktion und Vermarktung von Jazz mit Veit
Bremme, Bodo Jacoby, Harald Justin, Reiner Michalke und Olaf
Schönborn
- Peter
Kemper: Wer wär nicht gern ein Global Player? –
Über die orthodoxe und paradoxe Annäherung von Jazz
und Pop
- Colin
Towns: Musik für Herz, Kopf und Füße. Die
unterschiedlichen musikalischen Seiten des Colin Towns
- Wolfram
Knauer: Die Wissenschaft vom Rhythmus. DJ Spooky, der Philosoph
der Plattenleger, erklärt die DJ-Kunst
- Andreas
Felber: Alter Greis auf der Suche nach neuer Jugend? Anmerkungen
zur neuen Offenheit zwischen Jazz und populärer Musik in
den 90er- und 00er-Jahren
- Diedrich
Diederichsen: Jazz als Concept-Art
Reaktionen:
Deutschlandfunk
– Jazzfacts
Sendedatum: 01.12.06
Buchrezension: Jazz goes Pop goes Jazz
Autor: Bert Noglik
Länge: 6’00“
Sendemanuskript
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CD RCA Victor 80th Anniversary
Vol. 2 1930 – 1939
0’11” Track 15: Benny Goodman & His Orchestra:
Don’t Be That Way
Musik
aus der Ära der Swing-Big-Bands, Jazz, gewissermaßen
vor dem Sündenfall, der mit dem Bebop in den kleinen Klubs
von New York, der mit der Umdeutung einer mehrheitstauglichen
Musik in eine Klangwelt von Insidern begann. Was macht den Jazz
populär, wo wird er zu einer esoterischen Kunstsprache, wo
zu einer stromlinienförmig angepassten Massenware. Es waren
Fragen wie diese, die das Darmstädter Jazzforum beschäftigte
– historische, ästhetische, wirtschaftliche und brennend
aktuelle. Jazz goes Pop goes Jazz – Verrat oder Chance –
das thematisiert Wolfram Knauer, der die Konferenz geleitet und
den Band mit einer Vielzahl von Beiträgen zur Fragestellung
herausgeben hat, bereits im Vorwort – von Verrat kann im
Grunde nur die Rede sein, wenn Grundwerte vereinbart sind –
als da wären – Improvisation, Individualität,
gelebter Selbstausdruck. Doch wie verhält es sich mit diesen
Tugenden in einer sich verändernden Musiklandschaft, in der
der Jazz gegenwärtig in einen intensiven Dialog mit der Pop-Musik
tritt wie schon lange nicht mehr. „Die Schubladen der CD-Warenhäuser“,
so Wolfram Knauer, „werden immer fragwürdiger, wenn
sich ihr Publikum vom Spezialpublikum zu einem Publikum der Grenzgänger
wandelt.“ Neben Reflexionen und Analysen zum gegenwärtigen
Geschehen gibt es historische Rückblicke und theoretische
Grundsatzüberlegungen zum Thema Jazz und Popularität.
So befasst sich ein Aufsatz von Fabian Holt mit dem Wechselspiel
zwischen Jazz und Rockmusik in den sechziger Jahren. Andrew Hurley
beschreibt das ambivalente Verhältnis von Joachim-Ernst Berendt
zum Popularitätspotential des Jazz, wobei dessen Vision,
der Jazz möge zur Überwindung der Kluft zwischen sogenannter
ernster und unterhaltender Musik beitragen, auch heute so unzeitgemäß
nicht anmutet. Eben da könnte eine Chance liegen, doch wer
nutzt sie und wie.
CD
Daer/Sieverts/Jütte: Germany 12 Points
0’15“ Track 1: Du kannst nicht immer 17 sein
Das
Trio des jungen deutschen Pianisten Carsten Daer auf den Spuren
des Schlagerkomponisten Ralph Siegel. „Jazzmusiker“,
schreibt Jürgen Schwab in seinem Beitrag „New Standards
– die (gar nicht mal so) neue Lust am Covern“, „Jazzmusiker
wagen sich heute vermehrt an Material, dass sie früher nicht
einmal mit spitzen Fingern angefasst hätte.“ Nils Landgren
covert die Songs von ABBA, „The Bad Plus“ ziehen über
Hardrock-Klassiker her, Christopher Dell improvisiert über
Melodien von Bert Kaempfert. Die Motive erscheinen vielfältig.
Jürgen Schwab nennt einige: Materialermüdung, Programmzwänge,
Marketingchancen. Auch Andreas Felber sieht Resultate des aktuellen
Flirts von Jazz und Popmusik u.a. in der Erweiterung des Repertoires
– Zitat: „Es wird gecovert, was das Zeug hält“.
Andererseits beschreibt er den „Vocal Jazz Hype“ als
eine Art Mogelpackung, als vokalen Jazz im Popgewand.
CD
Rebekka Bakken: I Keep My Cool
0’15” Track 5: Love May Be Heart
Peter
Kemper nähert sich der Frage „Jazz Goes Pop“
im kulturphilosophischen Diskurs. „All die popinfektionösen
Prozesse, die dem Jazz in den siebziger Jahren qua Miles Davis
und anderer Jazzrock-Neuerer sein Fortleben sicherten,“
so Kemper, „können ihn heute gefährden.“
Aber: Miles Davis, immer noch eines der interessantesten Rollenmodelle
in dieser Musik, hat die Haltung eines Jazzmusikers eigentlich
nie verlassen; er hat Elemente der Rockmusik assimiliert, um sie
strategisch einzusetzen, freilich auch, weil ihn die neuen Möglichkeiten
des Klanges fasziniert haben. Vor allem im Typus des Grenzgängers
sieht Peter Kemper eine Chance für den Jazz. Und er beschreit
den Grenzgänger als einen risikofreudigen Gesellen, der mit
den Abgrenzungen spielt, der die Differenzen aufbricht und die
Klischees ironisiert. All das bleibt im musikpraktischen Sinne
ebenso eine Gratwanderung wie in der musiktheoretischen Betrachtung.
Am radikalsten beleuchtet ein DJ das Thema, DJ Spooky, der Philosoph
unter den Plattenauflegern. Er begreift die DJs als moderne Griots,
also als Geschichtenerzähler im Dschungel simultaner Mitteilungen,
als Improvisatoren im Sinne einer modernen Comedia dell’arte,
die sich digitaler, elektronischer Mittel bedient. „Ich
kann“, sagt er, „vielleicht nicht kochen, aber ich
weiß, wie man die Mikrowelle bedient.“
CD
Thirsty Ear Blue Series – Sampler
0’10“ Track 9: DJ Spooky & Dave Lombardo: A Darker
Shade Of Blake
Nach
der 270 Seiten umfassenden teils illusteren, teils anstrengenden,
überwiegend spannenden Lektüre des Bandes „Jazz
Goes Pop Goes Jazz“ bekommt man zwar keine fertigen Antworten,
aber eine Vielzahl von Detailerkenntnissen, von Anregungen, über
das facettenreiche Thema nachzudenken und es aus unterschiedlichen
Blickwinkeln wahrzunehmen. Ein Fazit wird wohl keiner erwarten,
zumal bei einem im Prozess befindlichen Wechselspiel zwischen
Jazz und Pop-Musik. „Ob das Ergebnis der gegenseitigen Beeinflussung
noch den Namen 'Jazz’ tragen wird,“ wagt Wolfram Knauer
einen Blick in die Zukunft, „bleibt abzuwarten.“
CD
e.s.t.: Seven Days Of Falling
0’17“ Track 8: In My Garage

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Begegnungen.
The World Meets Jazz. Darmstädter
Beiträge zur Jazzforschung, Bd. 10, Hofheim 2008 (Wolke
Verlag), 320 Seiten, ISBN:
3-936000-04-7; 24 €
Der Jazz ist eine Musik mit afro-amerikanischen Wurzeln, doch
er blüht überall auf der Welt in allen möglichen
(Klang)-Farben. Jazz ist eine produktive Kunst: Musiker in aller
Welt, die sich ihm zuwandten, mussten seine Wurzeln als afro-amerikanische
Musik genauso kennen und respektieren wie sie aufgefordert waren,
ihre eigenen Traditionen mit einzubringen. Von diesen Prozessen
zwischen Respekt und Eigenständigkeit handelt dieses Buch.
Es geht dabei nicht so sehr um "Weltmusik“ an sich
als vielmehr um die produktive Auseinandersetzung mit den Traditionen,
und um die Tatsache, dass der Jazz mittlerweile jede Menge Impulse
aus allen möglichen Ecken der Welt erhält, wo man ihn
auch als eigene Musik begreift.
Dieser Band enthält die Referate des 10. Darmstädter
Jazzforums, in denen unterschiedliche musikalische Annäherungen,
Adaptionen oder Adoptionen näher beleuchtet werden. Oft handelt
es sich dabei um Ideen, die zwar aus ethnischen Musikrichtungen
stammen, aber mit der Spielhaltung des Jazz so hervorragend harmonieren,
dass es schwer fällt, die musikalischen Ergebnisse noch unter
gängigen Genrebegriffen abzulegen. Weder kann man dann nämlich
wirklich von „Weltmusik“ sprechen, noch ist es Mainstream-Jazz
im herkömmlichen Sinne. Es ist ein kreativer Austausch, der
den Jazz verändert, egal ob einem das gefällt oder nicht.
Die Beiträge:
- Andrew W. Hurley: But Did the World Meet Jazz? Ein Blick
hinter Joachim Ernst Berendts Plattenreihe
"Jazz Meets the World"
- Martin Pfleiderer: The World Meets Jazz. Zur Ästhetik
des Jazz im Zeitalter der Globalisierung
- Maximilian Hendler: Jazz oder nicht Jazz? Rollenpolyphonie
und ihr Vorkommen auch außerhalb des Jazz
- Torsten Eßer: Jazz in Lateinamerika – Eine
periphere Erscheinung?
- Wolfram Knauer: Blowin’ Up a (European) Storm. Eine
Annäherung an die Personalstile von Harry Beckett, Tomasz
Stanko und Enrico Rava
- Gerhard Putschögl: Flamenco Jazz
- Timothy R. Mangin: Cosmopolitan Roots. Jazz im Senegal
- Gerhard Kubik: Referentielle Elementarpulsationen. Bemerkungen
zur konzeptuellen Welt unseres Jazz aus dem südlichen Afrika
- Günther Huesmann: John Zorn und der japanische Traditionsbegriff
- Ralf Dombrowski: Das Originale und das Originelle. Techniken
kultureller Aneignung am Beispiel des Oriental Jazz
- Gilad Atzmon: Jazz und Jihad. Ein (Bird-)Fundamentalist
erklärt seine Sicht des Jazz
- Karl Berger: Skizzen weltmusikalischer Erfahrungen
- Harald Justin: Jazz und World Music im Fadenkreuz des
Kulturkampfes
Reaktionen:
SWR2
NOWJazz Magazin
Sendedatum: 08.01.08
Sendezeit: 23.00 Uhr – 24.00 Uhr
Beitrag
Buchrezension
Wolfram Knauer (Hg.): Begegnungen – The World Meets Jazz
Länge: 8’26“
Autor: Bert Noglik
Anmoderation
Alle zwei Jahre veranstaltet das Jazzinstitut Darmstadt das „Darmstädter
Jazzforum“, eine in ihrer Art einmalige Kombination aus
Konferenz, Konzertprogramm und Diskussionsveranstaltungen. Die
Vorträge des von Wolfgang Knauer geleiteten Symposiums von
2007 zum Thema „Begegnungen – The World Meets Jazz“
wurden als Band 10 der Darmstädter Beiträge für
Jazzforschung veröffentlicht. Bert Noglik über seine
Eindrücke bei der Lektüre.
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CD Jazz Meets Asia
Heideo Shiraki Quintet featurin Terumasa Hino &
Three Koto Girls
Track 2: Yosakoi-Bushi
0’16“
Japanische Koto und Jazzsaxophon, Klänge von der der Platte
„Sakura Sakura“ aus dem Jahr 1965, eine der Produktionen
von Joachim Ernst Berendt, die unter dem Etikett „Jazz Meets
The World“ für Aufmerksamkeit sorgten. Andrew W. Hurley,
der in Australien mit einer Arbeit über Berendts weltmusikalische
Aktivitäten promovierte, gab seinem Vortrag beim Darmstädter
Jazzforum die Überschrift „But Did the World Meet Jazz?“
Eine Frage, auf die die dreizehn Autoren, deren Beiträge
nun in gedruckter Fassung vorliegen, recht unterschiedliche Antworten
geben und die sie schließlich auch zu neuen, sich immer
weiter differenzierenden Nachforschungen und sich vielfältig
verzweigenden Fragestellungen führt. Diskussionsstoff, der
dazu beiträgt, unser Bewusstsein für das außerordentlich
komplexe Phänomen zu schärfen. Andrew W. Hurley beleuchtet
die von Berendt initiierte Folge von Konzertevents und Plattenveröffentlichungen
detailliert und kritisch, auch aus der Perspektive beider, jeweils
aufeinandertreffender Kulturen. Er konstatiert ein Manko an Aufmerksamkeit
für die Details der Begegnungen und konstatiert: „Die
Kommunikation über Unterschiede hinweg, auf die Berendt gehofft
hatte, geschah nicht überall, aber wenn die Leute überhaupt
darüber sprachen, so war das vielleicht Erfolg genug.“
Wolfram Knauer, Direktor des Jazzinstitutes Darmstadt und Herausgeber
der Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, gibt im
Vorwort eine knapp gefasste, gute Einführung in das
Thema, die beide Aspekte verdeutlicht: Jazz als eine improvisierte
Musik, die Einflüsse aus anderen Teilen der Welt zu assimilieren
vermag, und die zugleich Musikern überall in der Welt, die
Möglichkeit eröffnet, sich in der Sprache des Jazz auszudrücken
wie auch eigene Traditionen einzubeziehen. Bedeutet Globalisierung
heute nur noch McDonaldisierung oder birgt sie zugleich die Chance
in sich, regionale Identitäten auszuprägen und zu anderen
in Beziehung zu stellen... In seinem eigenen Beitrag zur
Konferenz untersucht Wolfram Knauer die Personalstile von drei
Tompetern: den des aus Barbados stammenden und in England lebenden
Harry Beckett, den des Italieners Enrico Rava und den des Polen
Tomasz Stanko. Bemerkenswert, dass sich alle drei nicht über
ihr Verhältnis zu nationalen Musiktraditionen, etwa zur heimatlichen
Folklore, definieren, sondern ihre eigen Stimme auf dem Instrument
zunächst aus der Reibung an der amerikanischen Jazzmusik
gewonnen, sich dann später aber durchaus ihrer Prägungen
im eigenen Umfeld bewusst geworden sind. Im Falle von Tomasz Stanko
heißt das: kein Hervorkehren der slawischen Roots, aber
dennoch das Eingeständnis, dass die Kontinuität von
Untertönen wie Trauer, Sehnsucht und Melancholie zu einer
eigenen, endlosen, sich dabei aber wandelnden Melodie geführt
habe.
CD Tomasz Stanko Quartet: Suspended Night
Track 10: Suspended Variations IX
0’14”
Play your own thing – das Eigene entwickelt sich oftmals
stärker dort, wo es nicht bewusst angestrebt wird, sondern
– sich zu einer Vielzahl von Einflüssen, fremden wie
denen in der eigenen Umgebung in Beziehung setzend – unterbewusst
ausreift. Aber es entsteht auch in der Begegnung und in der Konfrontation
mit anderen Kulturen. Günther Huesmann hat das anhand der
Japan-Rezeption des amerikanischen Saxophonisten John Zorn aufgezeigt.
„Tokio“, so Günther Huesmann, „wirkte für
den Improvisator und Komponisten wie eine ästhetische Echokammer,
in der seine in New York gemachten Erfahrungen verstärkt,
intensiviert, gebrochen und erweitert wurden. „Authentizität“
wird zu einem Schlüsselbegriff. Und so beschreibt Ralf Dombrowsi
in seinem Beitrag über „Das Originale und das Originelle.
Techniken kultureller Aneignung am Beispiel des Oriental Jazz“
Authentiztät als „Letztwert kreativen Schaffens“:
„Ein Künstler wirkt immer dann überzeugend, wenn
er authentisch ist, und das gleiche gilt für die musikalischen
Systeme, mit denen ein Austausch stattfinden soll.“ An einigen
Beispielen verdeutlicht Ralf Dombrowski unterschiedliche Aspekte
der Oriental-Jazz-Fusionen.
CD Joachim Kühn/Majid Bekas/Ramon Lopez: Kalimba
Track 1: A Live Experience
0’22“
Der Pianist Joachim Kühn mit dem Marokkaner Majid Bekkas,
Guembri und Gesang, dem spanischen Perkussionisten Ramon Lopez
– ein Zusammentreffen, das Ralf Dombrowski als „das
Modell Ehrfurcht auf der Basis emphatischer, sympathetischer Teilhabe
mit hohem Authentizitätsfaktor, aber wenig Akkulturation“
beschreibt. Das erscheint mir ebenso eilfertig resümiert
wie die Charakterisierung des Spiels von Rabih-Abou Khalil als
die „Anwendbarkeit vorhandener Wurzeln auf ein persönliches
System, also Entertainment.“ Nun gut, Dombrowski überspitzt,
um zum Nachdenken und zur Diskussion anzuregen. Um neue Reflexionszusammenhänge
geht es auch Martin Pfleiderer, der sich auf die Suche nach einer
Ästhetik des Jazz im Zeitalter der Globalisierung begibt.
Jenseits von afroamerikanischer Fundierung und befreit von einem
Abgrenzungsdruck gegenüber der europäischen Tradition
glaubt Pfleiderer, in der „Ästhetik des Erscheinens“
des Philosophen Martin Seel einen neuen Ansatz gefunden zu haben.
Mir erscheint das reichlich kopflastig, praxisbezogen allerdings
dort, wo Pfleiderer auf für ihn zentrale Kategorien wie –
und hier schließt sich der Kreis zu anderen Autoren –
das Authentische und das Atmosphärische zu sprechen kommt.
Karl Berger, der am Darmstädter Jazzforum als Musiker im
Konzertprogramm und als Referent beim Symposium teilnahm, kam,
basierend auf seiner jahrzehntelangen Erfahrungen in – wenn
man so will - weltmusikalischen Kontexten zu dem Schluss: „Es
ist also eine richtig persönliche Beziehung notwendig, eine
Art Sympathie, Symbiose. Da findet etwas sehr Persönliches
statt, das die Stilistiken überbrückt. Aus solchen ‚Beziehungen’
heraus ergeben sich,“ so Karl Berger, „die erfolgreichsten,
die ‚authentischsten’ Formen weltmusikalischen Dialogs.“
Mit Gespür für spannende Fragestellungen hat Wolfram
Knauer für die nun auch in Buchform dokumentierte Konferenz
ein Personenensemble von Autoren zusammengebracht, das dem Thema
„The World Meets Jazz“ in persönlichen Betrachtungen,
Überblicksdarstellungen und Einzelstudien wie „Flamenco
Jazz“, „Jazz in Lateinamerika“ und „Jazz
im Senegal“ nachgeht. Einziger Felgriff: der als Musiker
überzeugende aber als Referent wenig produktiv provozierende
Gilad Atzmon mit seinen Überlegungen zu „Jazz und Jihad“.
Wer keine fertigen Antworten erwartet, sondern intellektuelle
Auseinandersetzung mit den vielfältigen Prozessen eines Phänomens
sucht, das als „Weltmusik“ zu bezeichnen, eine Simplifizierung
an sich bedeutet, dem dieser Band der Darmstädter Beiträge
zur Jazzforschung sehr empfohlen. Neben musikwissenschaftlichen
finden sich aus essayistische Referate wie der in aktuelle Debatten
eingreifende Beitrag von Harald Justin „Jazz und World Music:
Im Fadenkreuz des Kulturkampfes“. Justins Text schließt
mit den Worten: „Wenn Musik nicht als Überlebensmittel
taugt – vergiss sie! In diesem Sinne gibt es viel zu vergessen.
Und viel zu hören.“
CD Ingrid Sertso: Dance With it
Track 1: Africa
0’24”
Abmoderation:
Bert Noglik über den von Wolfram Knauer herausgegebenen
Band 10 der Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung „Begegnungen
– The World Meets Jazz“. Das Buch ist im Wolke Verlag
Hofheim erschienen, umfasst 320 Seiten, enthält zahlreiche
Fotos und kostet 24 Euro.

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Wolfram
Knauer (Hg.): Albert Mangelsdorff. Tension | Spannung. Darmstädter
Beiträge zur Jazzforschung, Bd. 11, Hofheim 2010 (Wolke
Verlag), 320
Seiten, ISBN: 078-3-936000-05-4; 27,- €
.Albert Mangelsdorff
galt seit den 1950er Jahren als die überragende Persönlichkeit
des deutschen Jazz. Er war ein Musiker, der stil- und genreübergreifend
Anerkennung fand und an Projekten beteiligt war, die zwischen
Tradition, Avantgarde und Rock/Pop wechselten. Man achtete ihn
international als einen Künstler mit einem ausgewiesen eigenständigen
Stil, als einen Virtuosen auf der Posaune, als einen bedeutenden
Komponisten und als einen Wegbereiter des Jazz in Deutschland.
Für die Autoren dieses Bandes ist Mangelsdorff Ideengeber
für Beiträge, in denen es um Albert Mangelsdorff geht,
um die Geschichte des Jazz in Deutschland, um Instrumentaltechnik,
um Free Jazz, die Frankfurter Szene, um vokale Expressivität
im Jazz, soziale Ordnung im Free-Jazz-Kontext, ein erwachendes
politisches Bewusstsein bei Musikern der 1960er Jahre oder das
neue ästhetische Selbstbewusstsein europäischer Jazzmusiker
heute.
Der Band enthält die Referate des 11. Darmstädter Jazzforums
vom Oktober 2009. Er beleuchtet Facetten im Schaffen des Posaunisten,
schaut auf musikalische und ästhetische Parallelentwicklungen,
aber auch auf jüngste Entwicklungen im deutschen Jazz. Der
rote Faden ist dabei letztlich die musikalische Offenheit, die
Albert Mangelsdorff vorgelebt hat.
Beiträge:
- Wolfgang Sandner: Ein Prototyp und Sonderfall: Albert
Mangelsdorff, Jazzmusiker in Deutschland
- Rüdiger Ritter: Jazz-Musiker als „Gründungsväter“
für nationale Jazzszenen? Krzysztof Komeda und der polnische
Jazz
- René Grohnert: Bilder zur Musik. Jazzplakate (von
Günther Kieser und Niklaus Troxler) zwischen Ankündigung
und Erinnerung
- Wolfram Knauer: Es sungen drei Engel. Zum Umgang von
Jazzmusikern mit deutscher Musiktradition
- Martin Pfleiderer: Singin’ the Blues. Vokale Expressivität
im instrumentalen Jazz
- Kai Stefan Lothwesen: Emanzipation, Jazz-Dissidenten und
Paradigmenwechsel. Anmerkungen zur Diversität des europäischen
Jazz
- Harald Kisiedu: „European Freedom“. Zum Verhältnis
von Musik und Politik bei Peter Brötzmann
- William Bares: Play Your Own Thing „Our“ Thing:
„Young German Jazz“ und die deutsche Jazzidentität
- Silvana K. Figueroa-Dreher: Was kann die Soziologie vom
Free Jazz lernen?
- Harald Justin: Jenseits des Skandals. Albert Mangelsdorff:
Autobiographisches Erzählen im Kontext (und mögliche
Paradigmenwechsel im deutschen Jazz)
- Michael Rieth: Goethe und der Blues, Kropotkin und die
Krone, Albert und die Anarchie
- Jürgen Schwab: „50 Jahre institutionalisierte
Subkultur“. Das hr-Jazzensemble, eine Bestandsaufnahme
- Michael Rüsenberg: „Ein musikalisches Zwiegespräch
zwischen dem weltberühmten Posaunisten und dem unbekannten
Wal“. Anmerkungen zu Albert Mangelsdorff

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Jürgen
Schwab: Der Frankfurt Sound. Eine Stadt und ihre Jazzgeschichte(n)
Frankfurt/Main 2004 (Societäts-Verlag),
320 Seiten, 2 beigeheftete CDs, ISBN 3-7973-0888-4, Euro 29,90
"Frankfurt Sound“
– dieses 1957 von polnischen Musikern geprägte Schlagwort
versuchte den spezifischen Cool Jazz des Kreises um Joki Freund
und die Gebrüder Mangelsdorff auf den Punkt zu bringen. Von
Frankfurt am Main gingen damals zahlreiche Impulse für das
nationale und internationale Jazzgeschehen aus. So manches musikalische
Leuchtfeuer wurde dabei von Albert Mangelsdorff entfacht, aber
auch andere setzten Zeichen: etwa Horst Lippmann und Fritz Rau
als Konzertveranstalter oder die Deutsche Jazz Föderation
als Lobby für den Jazz. Am Beispiel der Hessenmetropole,
in den ersten Nachkriegsjahrzehnten die "Jazzhauptstadt der
Republik“, erzählt dieses Buch die Geschichte des Jazz
in Deutschland: von den frühesten verwunderten Reflexionen
angesichts schwarzer Künstler aus Übersee über
die Tanzbegeisterung der 1920er, die Kriminalisierung während
der Nazizeit, die enthusiastische Aufbauarbeit der 1950er Jahre
bis hin zur Selbstverständlichkeit des Jazz als eines Ausdrucks
zeitgemäßer Kunst.
Zahlreiche Quellen und Bildarchive wurden für diese Publikation
erstmals ausgewertet. In Wort und Bild ensteht so die höchst
lesenswerte Geschichte davon, wie der Jazz eine deutsche Stadt
für sich gewann und wie einzelne Bürger dieser Stadt
mit ihrem Enthusiasmus dazu beitrugen, dass der Jazz hierzulande
zu einer eigenständigen, inspirierten und dabei immer auch
kritischen Kunst wurde. Zwei beigefügte Audio-CDs mit fünf
hr2-Hörfunk-Features lassen „Frankfurts Goldene Hochzeiten
mit dem Jazz“ in musikalischen Tondokumenten und Kommentaren
von Zeitzeugen wieder lebendig werden.

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Wolfgang
Sandner (Hg.): Jazz (Handbuch der Musik im 20. Jahhrundert, Band
9)
Laaber 2005 (Laaber-Verlag),
359 Seiten, ISBN 3-89007-429-4, 72 €
Jazz, den wichtigsten
Beitrag Amerikas zur Musik des 20. Jahrhunderts, unterscheiden
einige wesentliche Merkmale von anderen musikalischen Erscheinungsformen
der Zeit. Der Jazz ist älter als sein Name, er war nicht
als Kunstform intendiert, wiewohl man ihn, vor allem in Europa,
als willkommene kulturelle Inspirationsquelle empfand. Er wurde
oral tradiert und ist bis heute eine künstlerische Äußerung
geblieben, die mehr als andere von der Aufführung lebt und
deren historisches Vermächtnis sich nicht so sehr in Bibliotheken
und Musikarchiven findet, vielmehr in Discographien. Möglicherweise
trennt die erotisierende Unterhaltungsmusik, die in amerikanischen
Großstadtspelunken zu Beginn des 19. Jahrhunderts erklang,
auch weit mehr von den musikalischen Konzepten eines Anthony Braxton
siebzig Jahre später als die Musik der Florentiner Camerata
vom Licht-Zyklus eines Karlheinz Stockhausen.
Die Beiträge:
- Wolfram Knauer:
Historischer Überblick
- Jürgen Schwab:
Stilelemente
- Reimer von Essen:
Aufführungspraxis historischer Jazzstile
- Ulrich Kurth: Wirtschaft,
Gesellschaft, Produktionsbedingungen
- Ulrich Kurth: Organisationsformen
- Peter Kemper: Bausteine
einer sozialen Ästhetik
- Wolfgang Sandner:
Der Jazz und die Künste
- Wolfram Knauer:
Die Jazz-Analyse

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Jazzinstitut
Darmstadt (Hg.): Wegweiser Jazz 2009/10. Das Adressbuch zum Jazz
in Deutschland,
Darmstadt 2006 (Jazzinstitut Darmstadt), 292 Seiten
Der Wegweiser Jazz erscheint
seit 1993 etwa alle zwei jahre und ist die umfassendste Übersicht
über die deutsche Jazzszene. In dem Kompendium finden sich
Informationen über und Adressen von Clubs, Festivals, Initiativen,
Plattenlabels, Rundfunkstationen, Agenturen etc. Daneben gibt
es einen Überblick über die Jazzförderung in den
einzelnen Bundesländern, Tipps zur Bewerbung um Konzerte
und vieles mehr. Sie wollen mehr wissen? Schauen Sie in die Online-Ausgabe
des Wegweiser Jazz:
"Wegweiser
Jazz 2009/10"
[Der aktuelle "Wegweiser Jazz" kostet
19,80 € und ist nur direkt beim Jazzinstitut Darmstadt erhältlich.
Hier können Sie direkt
bestellen]

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Jazz-Newsletter:
Nützliches, Bibliographisches, Programmatisches...
Die Ausgaben des Jazz-Newsletter
sind direkt vom Jazzinstitut Darmstadt erhältlich.
- Wolfram Knauer: Wynton
Marsalis. Eine Diskographie [1992]
- Jazz Newsletter #0 [September
1992] (Kommentierte Charles-Mingus-Bibliographie)
- Jazz Newsletter #1 [Januar
1993] (Wegweiser: Jazzfestivals in Deutschland 1993)
- Jazz Newsletter #2 [Mai
1993] (Jazz-Zeitschriften / Jazzmagazine / Jazzperiodika / Jazz-Newsletter)
- Jazz Newsletter #3 [August
1993] (Clubverzeichnis "Jazz in Deutschland")
- Jazz Newsletter #4 [September
1993] (Programmheft zum 3. Darmstädter Jazzforum - Jazz
in Europa)
- Jazz Newsletter #5 [November
1994] (Wegweiser: Jazzfestivals in Deutschland 1995)
- Jazz Newsletter #6 [Dezember
1994] (Kommentierte Bibliographie zum Thema "Frauen im Jazz")
- Jazz Newsletter #7 [August
1995] (Programmheft zum 4. Darmstädter Jazzforum - Jazz
in Deutschland)
- Jazz Newsletter #8 [August
1995] (Adressbuch zum Jazz in Deutschland)
- Jazz Newsletter #9 [Juli
1996] (Jazzförderung in Deutschland)
- Jazz Newsletter #10 [ca.
Juni1997] ("Wegweiser Jazz", neue Ausgabe)
Die Nr. 10 ist vorerst die letzte
Ausgabe des Jazz Newsletter. Die verschiedenen Verzeichnisse
über die deutsche Jazzszene finden sich jetzt zusammengefaßt
im alle zwei Jahre erscheienden Buch "Wegweiser Jazz",
Informationen über Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt
finden sich in loser Folge im "Jazzbrief". |
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Der
Jazzbrief
Der Jazzbrief erschien von 1997
bis etwa 2004 in loser Folge als Newsletter mit Berichten über
Aktivitäten des Jazzinstituts. Seither wird er in
elektronischer Form über unsere Internetseite weitergeführt
unter Der Jazzbrief. |
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Darmstädter
Jazzkalender
Neben den genannten wissenschaftlichen
oder Service-Publikationen veröffentlicht das Jazzinstitut
monatlich den Darmstädter Jazzkalender, ein
informatives Faltblatt, das über die musikalischen Aktivitäten
der lokalen Jazzszene informiert. Hier finden sich Konzerthinweise
und kurze Berichte über neue Projekte Darmstädter Musiker.
Der Darmstädter Jazzkalender liegt in Darmstädter
Kneipen und Hotels aus, kann im Internet aber auch von der Hauptseite
unserer Homepage aus angesteuert werden:
Darmstädter
Jazzkalender Online |
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