Neue Bücher / New Books 2005
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Hier stellen wir Neuerscheinungen vor, die im laufenden Jahr im Jazzinstitut eingetroffen sind. Wir erhalten regelmäßig Buchveröffentlichungen von Autoren und Verlagen und werden in Zukunft alle bei uns eingehenden Veröffentlichungen hier kurz vorstellen. Wenn Sie Ihr Buch auf dieser Seite vorgestellt sehen möchten, senden Sie bitte ein Exemplar an die untenstehende Adresse.
This page lists new books received by the Jazzinstitut. We regularly receive new books and publications from authors and publishers which we will introduce on this page.If you want your book listed here, please send one copy to the address below.
Jazzinstitut
Darmstadt, Bessunger Strasse 88d, D-64285 Darmstadt, Germany, e-mail:
jazz@jazzinstitut.de
Übrigens: Die meisten der hier besprochenen Bücher sind erhältlich über:
Norbert Ruecker (orders@jazz-book.com)
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Inhalt / Content:
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The unclosed eye. The music photography of David Redfern
von David Redfern
London 2005 (David Refern)
192 Seiten
25 Britische Pfund
ISBN: 0-9550718-0-1
David Redfern gehört zu den großen Fotografen der europäischen Jazzszene. Sein Fotobuch "The Unclosed Eye" ist eine Art fotografischer Autobiographie, denn nicht nur enthält es wunderbare Abbildungen aus über 40 Jahren Berufserfahrung, sondern daneben auch etliche Anekdoten, Begegnungen, die Redfern mit feinem britischem Humor gewürzt erzählt und die die Bilder aus dem bloßen Dokument heraus- und ins wirkliche Leben hineinholen. Er berichtet von seiner ersten Schallplatte (Humphrey Lytteltons "Bad Penny Blues", seiner ersten Kamera (einer Voigtländer Bessa 66 (120)), seinem ersten selbstgeschusterten Studio, und von seiner fotografischen Ästhetik: Er habe früh gelernt, wie wichtig es sei, auch das Auge geöffnet zu haben, das nicht durch den Sucher blicke, um eine Überanstrengung des arbeitenden Auges zu vermeiden. Redfern fotografierte weit mehr als nur Jazzmusiker. Mit seiner Hasselblad lichtete er die Beatles ab und John Lee Hooker, die Rolling Stones, Bill Haley und Sandy Shaw, Rockstars und Popsternchen sowie die Größen des Jazz, Duke Ellington, Miles Davis, John Coltrane, Bill Evans und so viele mehr. Redfern hatte sich einen Namen gemacht als exzellenter Schwarzweiß- genauso wie Farbfotograf und schoss Bilder für Plattencover, Magazinartikel und die Band-Promotion. Manchmal hatte der Auftraggeber das Sagen, manchmal ließ man ihm freie Hand. So wechseln Bilder von Konzerten ab mit Studioshots, Außenaufnahmen, Fotos, bei denen man zum Teil raten mag, wer den Künstler wohl so sehen wollte, wie er abgebildet ist: der Auftraggeber, der Künstler selbst oder der Fotograf. In den 1960er Jahren reiste Redfern jedes Jahr zum Newport Jazz Festival, bis es 1971 seine Pforten schloss. In den 1970er Jahren machte George Wein ihn zum Hausfotografen des Newport in New York Festival, um so die Armada an Pressefotografen zu vermeiden und der Presse dennoch genügend Hintergrundbilder zur Verfügung stellen zu können. Redfern erzählt, wie Miles Davis ihn einmal fast wütend rausschmiss, um ihn gleich darauf freundlich wieder reinzubitten. Er berichtet von Partyfotos, die von der Presse in der Discoära nachgefragt wurden. Er berichtet von einem Konzert, das Dexter Gordon vor Gefangenen auf Rikers Island gab. Neben all den Geschichten aber stehen die Bilder, Big Joe Turner, eine Zigarette rauchend backstage in New Orleans, Josephine Baker oder Sun Ra in völlig unterschiedlichen und doch so ähnlich exotischen Kostümen, James Brown, und immer wieder Miles, Dizzy Gillespie in der Badehose in Havanna und und und. Ich selbst erlebte Dave Redfern in den 1970er und 1980er Jahren ab und zu bei Festivals, und erinnere ihn als einen jener Fotografen, die man kaum bemerkte, weil er mit seiner Hasselblad zugleich ein Freund der Musik war, weil er die Musik dokumentierte, aber wusste, dass er damit nur ein Mittler war und nicht der eigentliche Star. Sein Buch ist eine launig-spaßige Reise durch viereinhalb Jahrzehnte Musikgeschichte, die zugleich seine eigene Berufsgeschichte ist. Lesens- wie sehenswert!
(Wolfram Knauer, Jun.2010) |
Freie
Töne
Die Jazzszene in der DDR
herausgegeben von Rainer Bratfisch
Berlin 2005 (Ch. Links Verlag)
336 Seiten
24,90 Euro
ISBN 3-86153-370-7
15
Jahre nach dem Mauerfall ist offenbar genügend Zeit ins Land gegangen,
um die Geschichte des Jazz in der DDR angemessen aufzuarbeiten. Rainer
Bratfisch hat die ehrenwerte Aufgabe der Jazz-Abwicklung übernommen,
mit einem Buch, dass die Geschichte der Musik, ihrer musikalischen wie
politischen Bedeutung erzählt ohne zu verklären. Nischenkultur
bedeutete im totalitären Staat nun mal etwas vollkommen anderes als
im westlichen Deutschland. Und so kommen in diesem Buch Vertreter der
unterschiedlichsten Bereiche des DDR-Jazz zu Wort. Neben dem historischen
Fließtext finden sich Kapitel zu Teilbereichen der DDR-Jazzkultur.
Manfred Krug, Karlheinz Drechsel, Ernst Ludwig Petrowsky, Joachim Kühn,
Ruth Hohmann, Hannes Zerbe, Conny Bauer, Joe Sachse werden in Features
und Interviews vorgestellt, über Konzertreihen wie "Jazz in
der Kammer" oder die Festivals in Peitz und Eldena reflektiert, über
Jazz-und-Lyrik-Projekte, die Westerfahrungen renommierter Ost-Jazzer,
Jazzfans und das Publikum als solches, über das staatseigene Schallplattenlabel
Amiga, den Jazzkeller Treptow, regionale Szenen in Jena, Weimar, Eisenach
und Potsadam berichtet. Eine angemessene Mischung aus objektiven und höchst
subjektiven Sichtweisen, in der die Betroffenheit der Autoren und Musiker
durchscheint, die ja alle dabei waren, für die 40 Jahre DDR eben
auch ihre musikalische Sozialisation betraf. Hilfreich: Die Chronologie,
die wichtige Ereignisse des DDR-Jazz von 1949 bis 1990 festhält.
Besonders interessant: Die Antworten bedeutender Musiker auf die Frage:
"Was war das Besondere am jazz in der DDR?". Bratfischs Buch
schließt eine Lücke und wird zum wichtigsten Nachschlagewerk
über eine scheinbar abgeschlossene Geschichte. Scheinbar? Nun, die
Musiker spielen schließlich noch. Und der DDR hat im Jazzbereich
durchaus Musiker hervorgebracht, die im Westen ihresgleichen suchte, die
eigenständig war, einen eigenen Charakter besaß. Wer die letzte
CD des Zentralquartetts hört, "Aus teutschen Landen" (Intakt,
2006) , weiß darum, dass sie Erfahrungen der DDR-Musiker, die ihre
eigene Kunst so prägten, weiterleben und aus dem kreativen gesamtdeutschen
Jazz nicht wegzudenken sind. (Wolfram Knauer)

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Tender Warrior.
L'eredita' musicale di Eric Dolphy
herausgegeben von Giovanni Di Pasquale & Francesco Martinelli & Basiliano
Sulis & Paolo Zucca
Sant'Anna Arresi 2005 [Sardegna e Jazz]
98 pages, many photos
Das
Festival "Ai Confini tra Sardegna e Jazz 2004" in Sardinien widmete
sich der Musik Eric Dolphys. Wie es sich für einen Giganten des modernen
Jazz gehört, war die Musik auf dem Festival allerdings keinesfalls Dolphy-Nostalgie,
sondern die Reaktion aktueller Musiker auf seinen Einfluss. Zeitgenössische
italienische Musiker waren genauso mit dabei wie amerikanische Künstler,
Tim Berne beispielsweise im Duo mit Umberto Petrin, die Gruppe Nexus, ICP
aus Holland mit Misha Mengelberg und Han Bennink, die auf Dolphys letzter
Einspielungen zu hören sind, eine spezielle Memorial Band, die sich Dolphys
Kompositionen widmetet, das David S. Ware Quartet mit Matthew Shipp und William
Parker sowie Musiker wie Roy Campbell, Henry Grimes und Hamid Drake. Nun ist
ein Buch erschienen, das das Festival in vielen Bildern dokumentiert und die
Dolphy zugleich in Beiträgen von Musikern und Musikwissenschaftlern näher
beleuchtet. Claudio Sessa beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem
Einfluss von Thelonious Monk auf den Saxophonisten und Bassklarinettisten
sowie mit dem Einfluss Dolphys auf die Chicagoer Schule, auf AACM-Musiker,
insbesondere Anthony Braxton. Gérard Rouy befragt etliche zeitgenössische
Musiker nach Dolphys Bedeutung für sie. Zu Wort kommen dabei vor allem
Saxophonisten, Joe McPhee, Peter Brötzmann, Ken Vandermark, Michel Portal,
François Jeanneau, Louis Sclavis, Carlo Actis Dato, daneben aber auch
Mengelberg und Bennink und andere. Paul Karting zeichnet die letzte Tournee
Dolphys nach, die er selbst von April bis Juni 1964 organisiert hatte. Graham
Connah beleuchtet Dolphys kompositorisches Schaffen. Eine ausführliche
Disko- und Filmographie von Alan Saul sowie eine Bibliographie vom Jazzinstitut
Darmstadt beschließen das Buch, das etliche (auch seltene) Fotos enthält,
sehr ansprechend aufgemacht, Bekanntes mit neuen Blickwinkeln auf die Arbeit
des Musikers verbindet. Und im Buchdeckel findet sich dann noch eine CD, die
einzelne der Programmpunkte des Festivals dokumentiert, und am Schluss eine
bislang unveröffentlichte Dolphy-Aufnahme enthält, "Strength
and Unity" aus einem Konzert in Ann Arbor, Michigan vom 1./2. März
1964. (Wolfram Knauer)
The
festival "Ai Confini tra Sardegna e Jazz 2004" in Sardini was
dedicated to the music of Eric Dolphy. Fitting for a giant of modern jazz,
the music of this festival was no Dolphy nostalgia, though, but featured
reactions of current musicians on his influence. Contemporary Italian musicians
participated, as did American artists. Tim Berne played a duo with Umberto
Petrin, the group Nexus was to be heard, ICP from the Netherlands with Misha
Mengelberg and Han Benning, both of whom were present on Dolphy's last recording,
a special Memorial Band playing Dolphy compositions, the David S. Ware Quartet
with Matthew Shipp and William Parker as well as musicians such as Roy Campbell,
Henry Grimes and Hamid Drake. The festival now has been documented in a
book which also throws a closer light on Dolphy, provided by fellow musicians
and musicologists. Claudio Sessa writes about the influence of Thelonious
Monk on the saxophonist and bass clarinetist and about Dolphy's influence
on the Chicago school, AACM musicians such as Anthony Braxton. Gérard
Rouy asks many contemporary musicians about Dolphy's influence on their
work. Among his interview partners are mostly saxophone players, Joe McPhee,
Peter Brötzmann, Ken Vandermark, Michel Portal, François Jeanneau,
Louis Sclavis, Carlo Actis Dato, but also Mengelberg and Bennink and others.
Paul Karting sketches Dolphy's last tour which he himself organized from
April to June 1964. Graham Connah looks at Dolphy's compositional oeuvre.
An extensive disco- and filmography by Alan Saul and a bibliography from
the Jazzinstitut Darmstadt end the book which also contains many (and some
rare) photos. The book is a beautifully designed labor of love which combines
well-known facts with new aspects of his music. And it contains a CD documenting
some of the highlights of the festival plus a hitherto un-relesed Dolphy
recording, "Strength and Unity" from a concert in Ann Arbor, Michigan,
from March 1st/2nd, 1964. (Wolfram Knauer)
Contact: Assoziazione
Culturale, Piazza Martiri, 5, I-09010 Sant'Anna Arresi (CA), Italien, Tel/Fax
(0781) 966861, e-mail: puntagiara@santannarresijazz.it 
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Chuck Sher
(ed.): The European Real Book.
The Best of Contemporary Jazz from Europe
Petaluma/CA 2005 (Sher Music)
430 Seiten, 40 US-$
ISBN 1-883217-24-5
Das
"Real Book" ist aus der Reisetasche des Jazzmusikers nicht wegzudenken
– sei es das legendäre illegale Real Book früherer Jahre,
das nach wie vor in zahllosen Kopien von Kopien herumgeistert, seien es
die diversen "legalen" Real Books, die vor allem Sher Music
in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat. In ihnen sind Standards
der Jazzgeschichte genauso enthalten wie modernere Stücke, denen
die Herausgeber Standardqualitäten zutrauen. Shers neuestes Real
Book nun wendet sich an den europäischen Markt, sicher auch besonders
an europäische Musiker, die nach nicht ganz so bekannten Stücken
suchen und die vielleicht auch in ihrem Repertoire ihre eigene Herkunft
widergespiegelt sehen möchten. Europa ist dabei weit gefasst wenn
sich neben den tatsächlich in Europa tätigen Musikern auch Exileuropäer
finden wie George Shearing ("And Then I Wrote"), Valery Ponomarev
("Messenger from Russia"), George Mraz" ("Wisteria")
oder Claus Ogerman ("Favors", "In the Presence & Absence
of Each Other"). Am ältesten sind wohl die drei Django-Reinhardt-Klassiker
"Nuages", "Swing '42" und "Manoir de mes rêves",
der Rest sind Titel, die wohl kaum jemand sofort ansummen könnte.
Immerhin: Geographisch ist nichts ausgespart: Frankreich, England, Deutschland,
Italien sind genauso vertreten wie Vertreter aus osteuropäischen
Ländern oder aus Skandinavien. Joe Zawinul mag als Österreicher
durchgehen, auch wenn die hier enthaltenen Titel ("In a Silent Way",
"Midnight Mood", "Man in the Green Shirt") eher seine
amerikanische Sozialisation zeigen. Michel Petrucciani ist mit drei Titeln
vertreten ("Home", "Looking Up", "La Champagne"),
Tommy Smith, David Linx, Kenny Wheeler und der polnische Pianist Michal
Tokaj gar mit vier. Aus Deutschland stammen Peter Bolte ("Miss J."),
Barbara Dennerlein ("Bo-Peep", "Birthday Blues"),
Johannes Enders ("Little Peace Waltz"), Paul Heller ("Vista",
"Relaxation"), Gregor Hübner ("910 Columbus Ave."),
Peter Lehel ("Elegie"), Hendrik Meurkens ("A Summer in
San Francisco", "Bolero Para Paquito"), Ludwig Nuss ("Night
Over Lake Tarawera") und Florian Ross ("Hal", "Platypus",
"By Any Means Necessary", "Getting There (Is Half The Fun)".
Bobo Stenson, NHOP, Enrico Pieranunzi, Perico Sambeat, John Dankworth,
Michiel Borstlap, Anders Bergcrantz oder Stefano Di Battista sind weitere
Namen hinter den mehr als 180 Kompositionen. Sicher, es ist eine willkürliche
Auswahl,Lücken bleiben da nicht aus. Esbjörn Svensson, Tomasz
Stanko, Michel Portal, Chano Dominguez, aber auch viele deutsche Namen
kommen einem in den Sinn, die durchaus in das Buch gepasst hätten.
Aber alles ließe sich eh nicht unterbringen, und es ist ein Beginn.
Das Repertoire hält sich im konventionellen Bereich: Latin-Stücke,
Balladen, medium und schnelle Swingnummern, Jazz-Rock, sogar Gesangstitel
(Tony Lakatos' "A Dream Come True" mit einem Text von Masha
Bijlsma), etliche komplexer aufgebaute Arrangements, die sicher weniger
zur Jam Session taugen als viel mehr zur Repertoireerweiterung. Alle Titel
sind in Lead-Sheet-Form abgedruckt, mit Akkordsymbolen, eventuell Hinweisen
zur Aufführung und Urheberrechtsverweisen. Viele der Titel lassen
sich auf der Website von Sher Music (www.shermusic.com)
im Original anhören – gewiss eine wichtige Hilfe bei wenig
bekannten Stücken. Chuck Sher betont in seinem Vorwort, dass er selbst
die meisten der enthaltenen Stücke zuvor nicht gekannt habe. Er dankt
Enrico Pieranunzi, Dave Liebman und Sandra Costantini für Beratung
und Hinweis auf wichtige europäische Komponisten. Und er schreibt,
das in Amerika immer noch anzutreffende Vorurteil, europäische Jazzer
könnten nicht swingen, sei lange widerlegt; die Qualität europäischer
Jazzmusiker zeige sich eben auch in der Vielfalt der hier enthaltenen
Stücke. "The European Real Book" sieht er damit genauso
als ein Buch für den amerikanischen als auch für den europäischen
Markt an, der die Jazz-Entwicklungen in den USA ja nach wie vor oft als
wichtiger ansieht als vieles, was aus den eigenen Reihen stammt. "The
European Real Book" kann also durchaus das Selbstbewusstsein des
europäischen Jazz stärken helfen, und es bleibt zu hoffen, dass
es Bands und Musiker dazu animiert, ihr Repertoire zu erweitern, zu Titeln
zu greifen, die man sonst nicht ganz so oft hört. Wolfram
Knauer (Februar 2006)
Chuck
Sher (ed.): The European Real Book.
The Best of Contemporary Jazz from Europe
Petaluma/CA 2005 (Sher Music)
430 Seiten, 40 US-$
ISBN 1-883217-24-5
The "Real
Book" is a seemingly necessary tool for every jazz musician –
be it the legendary illegal Real Books of earlier years which still are
around in photo copies of photo copies or the several "legal"
Real Books which have been published much more recently, especially by
the publishing house Sher Music. They contain standards of jazz history
as well as more modern pieces which the editors think might make tomorrow's
standards. Sher's newest Real Book is especially attractive to European
musicians looking for music not played that often, for a repertory mirroring
their musical heritage. Europe in this sense also stands for some European
musicians who live in the United States since decades such as George Shearing
("And Then I Wrote"), Valery Ponomarev ("Messenger from
Russia"), George Mraz" ("Wisteria") or Claus Ogerman
("Favors", "In the Presence & Absence of Each Other").
The oldest pieces in the book are three Django Reinhardt classics, "Nuages",
"Swing '42" and "Manoir de mes rêves", most
of the other tunes will be much lesser known to the average jazz fan or
musician. Geographically, the book covers a lot: France, England, Germany,
Italy are present as are the Eastern European countries or all of Scandinavia.
Joe Zawinul may be understood as Austrian even though the three numbers
contained in the book ("In a Silent Way", "Midnight Mood",
"Man in the Green Shirt") might more easily stand for his American
socialisation. Michel Petrucciani can be found with three titles ("Home",
"Looking Up", "La Champagne"), Tommy Smith, David
Linx, Kenny Wheeler and the Polish pianist Michal Tokaj even with four.
From Germany we find Peter Bolte ("Miss J."), Barbara Dennerlein
("Bo-Peep", "Birthday Blues"), Johannes Enders ("Little
Peace Waltz"), Paul Heller ("Vista", "Relaxation"),
Gregor Hübner ("910 Columbus Ave."), Peter Lehel ("Elegie"),
Hendrik Meurkens ("A Summer in San Francisco", "Bolero
Para Paquito"), Ludwig Nuss ("Night Over Lake Tarawera")
and Florian Ross ("Hal", "Platypus", "By Any
Means Necessary", "Getting There (Is Half The Fun)". Bobo
Stenson, NHOP, Enrico Pieranunzi, Perico Sambeat, John Dankworth, Michiel
Borstlap, Anders Bergcrantz or Stefano Di Battista are some other names
behind the more than 180 compositions. Sure, it might look like a random
choice, some important composers may be considered missing. Esbjörn
Svensson, Tomasz Stanko, Michel Portal, Chano Dominguez, many German names
come to mind that might easily have fit into the scope of the book. But
you cannot squeeze everybody in, and: This is a beginning, after all.
The repertoire stay within a more conventional framework: latin pieces,
medium and fast swing titles, jazz-rock, even vocal compositions (Tony
Lakatos' "A Dream Come True" with lyrics by Masha Bijlsma),
many more complex arrangements which may prove hard for a jam session
but be welcome additions to the repertoire of jazz tunes for any band.
All pieces are printed with lead sheets, chord symbols, notes about execution
and copyright information. Many of them can be listened to in their original
form on the website of Sher Music (www.shermusic.com). In his introduction,
Chuck Sher states never to have known most of the pieces contained in
the volume before Enrico Pieranunzi, Dave Liebman and Sandra Costantini
pointed out some of the most important European composers to him. He also
states that the prejudice common among American musicians that European
jazz doesn't swing, has proved wrong since long, and the high quality
of European jazz can be easily proved by the pieces contained in this
book. With "The European Real Book" Sher aims at the American
as well as at the European market for which jazz developments from the
USA still seem to bear more weight than developments from their own soil.
May "The European Real Book" help maintain the self confidence
of European jazz, may it inspire musicians and bands to broaden their
repertoire and use some of these pieces which are rarely heard otherwise.
Wolfram Knauer (February 2006)

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Silvano
Luca Gerosa & Karoline Thürkauf (ed.):
Jazz Life. Essays zum Alltag von Jazzmusikern anhand ihrer Autobiografien,
Frankfurt/Main 2005 (Peter Lang)
197 Seiten, 39 Euro
ISBN: 3-631-52922-8
Die Literatur zum Jazz setzt sich aus ganz unterschiedlichen Quellen
zusammen. Interviews in Publikums- und Fachzeitschriften oder der anekdotischen
Jazzliteratur vergangener Jahrzehnte gesellen sich seit mehr als 30
Jahren mehr und mehr wissenschaftlich fundierte Werke hinzu, die mit
den Mitteln der Musikwissenschaft, der Soziologie oder Anthropologie
den Geheimnissen der Musik und ihrer Macher näher zu kommen versuchen.
Das vorliegende Buch verspricht, sich dem Alltag von Jazzmusikern anhand
ihrer Autobiographien zu nähern. Es entstand im Rahmen eines Tutoriums
am Historischen Seminar der Universität Basel, enthält sechs
Beiträge zu ganz unterschiedlichen Aspekten der Jazzgeschichte
und geht dem Thema "Autobiographie" dabei genauso auf den
Grund wie den Unterthemen, den durch Autobiographien sich darstellenden
Musikern und ihrer musikalischen Umwelt. Karoline Thürkauf macht
den Anfang: Anhand der Autobiographie von Nina Simone untersucht sie
Erzähltechnik und Erzählperspektiven sowie deren Übereinstimmung
mit der historischen Realität bzw. dem subjektivem Selbstverständis
der Künstlerin. Paola Cimino will sich in ihrem Beitrag mit Klischees
über die Entstehung des Jazz in New Orleans auseinandersetzen.
Dabei geht es ihr vor allem darum, die Diversität der Einflüsse
aufzuzeigen und auch die Diversität der verschiedenen gesellschaftlichen
Gruppen, die an der Entstehung und frühen Entwicklung des Jazz
teilhatten. Etliche der von ihr angemahnten Klischees sind natürlich
schon vor Jahrzehnten aufgeklärt worden, und ihre Herleitung des
Wortes "Jazz" aus dem westafrikanischen "Jazz" =
"ungewöhnlich handeln" ist nur eine von vielen etymologischen
Erklärungen. Mit der benutzten Literatur geht sie recht unkritisch
um, und den von ihr angemahnten Klischees sitzt sie letzten Endes selbst
auf, insbesondere in ihrer doch recht simplen Darstellung der Jazzgeschichte
als einer jeweils von Schwarzen entwickelten und von Weißen ausgebeuteten
Musik. (Und dass es von Buddy Bolden nicht nur "wenige", sondern
gar keine Aufnahmen gibt, hätte sie sicher in der benutzten Literatur
nachlesen können.) Ivo Chiavi hat sich die autobiographischen Notizen
vorgenommen, die Charles Mingus 1971 als Buch "Beneath the Underdog"
veröffentlichte. Erste Feststellung: "Beneath the Underdog"
ist nur zu verstehen, wenn man sich bei der Lektüre die Persönlichkeit
des Bassisten und Komponisten vergegenwärtigt, so wie auch seine
Musik nur verständlich ist, wenn man um die Ursachen von Zorn und
Verletzlichkeit bei ihm weiß. Chiavi geht dabei auf unterschiedliche
Aspekte des Textes ein, berichtet über die Entstehungsgeschichte
des Buchs, über Mingus' Identitätssuche, darüber wie
seine politische Haltung einzuschätzen ist, die sich ja oft genug
auch in Titelungen, Interviews und Ansprachen des Musikers finden. Schließlich
beschreibt er Mingus' Buch als eine "Psychografie", ein Projekt
der Selbstanalyse. Fazit: Mingus' Buch ist eine ungewöhnlich persönliche
Autobiographie – und wem das ein Widerspruch in sich zu sein scheint,
muss sie nur mit anderen gängigen Biographien des Genres vergleichen.
Silvano Luca Gerosa berichtet in seinem Beitrag – dem längsten
des Buchs – davon, wie sich aus Sicht Eddie Condons die Musikszene
Chicagos darstellt. Er vergleicht Mythen und Realität, Legenden
und Tatsachen und fragt methodisch nach dem Wert und der Problematik
jazzmusikalischer Autobiographien als historische Quelle. Tobias Lerch
befasst sich mit der Identitätssuche des Trompeters Miles Davis,
wie sie sich anhand seiner Autobiographie darstellt. Sein Kapitel allerdings
ist mehr beschreibend als kritisch über das Geschriebene und über
die Tatsache des Niederschreibens durch den Künstler selbst reflektierend.
Luca Jerfino beendet das Buch mit dem Vergleich autobiographischer Details
im Leben zweier Jazzmusiker: der Drogenprobleme bei Art Pepper und Miles
Davis. Bei allen kritischen Einwänden ergeben sich die Unterschiede
zwischen den Beiträgen aus dem Ursprung des Buchs. Und dass ein
Tutorium doch so viele qualifizierte Beiträge hervorbringen kann,
ermutigt in einer Zeit, in der insbesondere in der deutschsprachigen
Welt nur wenige Fortbildungsmöglichkeiten für Jazzforscher
oder -kritiker existieren.

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Jazz & Blues
USA
Live Jazz and Blues
Hertfortshire/GB 2005 (buffguides)
202 Seiten
$19.95 USD + Shipping
direkt erhältlich direkt bei: www.buffguides.com
Reisende
Jazzfreunde fragen sich immer wieder, wo es wohl in der Stadt, in der sie
gerade sind, auch ein Jazzlokal geben könnte. Die lokale Wochenzeitung,
in der das abendliche Clubprogramm abgedruckt sein könnte, findet sich
nicht in jedem Hotel. "Jazz & Blues USA" will dem abhelfen.
Auf über 200 Seiten präsentiert das Buch eine Auflistung von Veranstaltungsorten
in New York, Chicago, New Orleans und vielen anderen Städten der Vereinigten
Staaten. Der Druck des Buches ist eher einfach, die wenigen enthaltenen Bilder
in minderer Qualität. Wie bei allen solchen Führern muss man sich
darüber bewusst sein, dass sich die Clubszene rasend schnell verändert
- und so gibt es keine Garantie dafür, dass die im Führer enthaltenen
Angaben auch noch in Jahren stimmen werden. Solche Auflistungen sind immer
nur eine Bestandsaufnahme. Die bedeutendsten Clubs stehen zu Beginn mit ausführlichen
Beschreibungen und Berichten über Besuche der Autoren. Da finden sich
Informationen zur Geschichte des Clubs, kritische Anmerkungen zu Programm,
Ausstattung und Service, Hinweise auf die zu erwartenden Kosten sowie die
Telefonnummern für Reservierungen. Unter "Other Places" findet
sich des weiteren eine Auflistung weiterer Veranstaltungsorte, diesmal ohne
jede weitere Beschreibung, einzig mit Adressangaben, Telefonnummern und Website.
Für den Touristen interessant auch das Festivalverzeichnis, vor allem
aber die Rubrik "Other Information", die für New York beispielsweise
diverse Jazz-bezogene Sightseeing-Tours auflistet, Plattenläden, öffentliche
Archive etc. New York, Chicago, New Orleans werden ausführlich abgehandelt,
der Rest der Vereinigten Staaten nur in Kurzlistungen. Ein Index fehlt, auch
gibt es keine Karten der wichtigsten Stadtkerne oder Hinweise darauf, wie
man sich am besten in den jeweiligen Gegenden bewegt. Es ist klar, dass die
Autoren nicht alle Clubs, nicht einmal alle Städte besuchen konnten,
aber etwas mehr wäre da schon wünschenswert. Christine Bird hatte
es vor Jahren mit ihrem "Jazz & Blues Lovers' Guide" vorgemacht.
An den reicht "Jazz & Blues USA" nicht heran. Zur Vorbereitung
einer USA-Reise taugt das Buch aber auf jeden Fall, animiert zu Besuchen in
Clubs, von denen man noch nie gehört hat. Und beim Durchblättern
daheim macht es Sehnsucht auf die große weite Welt, auf musikalische
Ausflüge in die Nacht. (Wolfram Knauer)
Traveling
jazz friends often ask themselves where they might hear good music in the
cities they come to. The local weekly containing the club program of the
region might not be found in every hotel. "Jazz & Blues USA"
is there to help. On more than 200 pages the book presents a listing of
clubs and venues in New York, Chicago, New Orleans and many other US cities.
Printing quality is not the best, the photos hardly worth looking at. As
is the case with guide books of this type, one has to be aware of the fact
that the club scene changes constantly – no guarantee, thus, that
the entries are still valid when you visit years later. Listings such as
this are only a moment's picture. He best known clubs start the chapters,
described extensively and commented upon by the authors who visited the
clubs. You find historical details about the clubs, critical notes about
their program, sound, service, the entry fee as well as telephone numbers
for reservation. "Other Places" lists more clubs with just contact
details, phone numbers and websites. There is a festival listing and under
"Other Information" a listing of jazz-related sightseeing tours,
record shops public archives etc. New York, Chicago, New Orleans have extensive
chapters, the rest of the USA is listed in shorthand. There is no index,
no maps pf the city centers or tips about how to move around in the respective
areas. Of course, the authors could not have visited all of the clubs, not
even all of the cities, but a bit more might have been helpful. Christine
Bird had set the example a couple of years ago in her "Jazz & Blues
Lovers' Guide", not reached by this "Jazz & Blues USA".
It helps preparing a USA trip, inspires travelers to visit clubs they never
would have heard about otherwise. And just leafing through it, one gets
hungry for traveling the world, for musical trips into the night. (Wolfram
Knauer)

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Friedel Keim
Das große Buch der Trompete
Instrument, Geschichte, Trompeterlexikon,
Mainz 2005 [Schott]
ED 9863
860 Seiten, 42,95 Euro
ISBN: 3-7957-0530-4
Trompeterbibel
...
Der Ur-Maizer Trompeter
Friedel Keim hat mit dem großen Buch der Trompete wirklich ein umfassendes
Kompendium vorgelegt, das die verschiedensten Seiten des Instruments und seiner
Musiker beleuchtet. Von Klassik über Jazz bis zur volkstümlichen
Musik reicht das Spektrum. Keim kennt keine Berührungsängste, versteht
es genauso, sich über die Kunst der Barocktrompete auszulassen wie über
die Probleme, die viele Jazzer mit der Ästhetik eines Wynton Marsalis
haben. Und neben den großen Stars finden auch die Satzbläser Erwähnung
oder Modernisten wie Axel Dörner. Neben den vielen ausführlichen
Portraits gibt es eher lexikalisch-biographische Einträge, ein Trompeten-Kreuzworträtsel,
Trompeter-Witze und -Cartoons und jede Menge an Wissenswertem rund um die
Trompete. Preisspannen verschiedener Trompetenmodelle finden sich da genauso
wie Kommentare zu Neuentwicklungen. Keim ist ein akribischer Dokumentar seines
Instruments, in seinem Buch finden sich Instrumentalisten, die kaum irgendwo
sonst erwähnt werden. So hat Keim Geburtsdaten eruiert, die sich in keinem
anderen Lexikon nachschlagen lassen. Die großen Namen werden natürlich
auch abgehandelt, aber man merkt schnell, dass Keims Herz eben auch den "kleinen"
Vertretern des Instruments gehört, Satzspielern, jungen Musikern, die
durchaus auch zwischen den stilistischen Welten leben und arbeiten, Dixieland-
und Swingmusikern, die eher der Amateur- als der Profiszene angehören,
aber dennoch gute Musiker sind. Musiker von denen man noch nie gehört
hat oder aber auch Musiker, die man persönlich kennt, aber nie in einem
Lexikon vermutet hätte, weil ihr Arbeitsschwerpunkt doch eher regional
begrenzt ist. Keim hat sich ihnen allen angenommen mit einem Vollständigkeitsanspruch,
der jede Kritik an der Auswahl im Keim ersticken ließe (man entschuldige
das Wortspiel). Und gerade in den Einträgen zu den kleinen Vertretern
der Trompete erkennt man die "labor of love" dieses Buches, das
zu alledem noch exzellent lesbar ist. Kein kritisches Buch vielleicht, dafür
ein verlässliches und mit 860 Seiten mehr als umfangreiches Nachschlagewerk
für jeden, der sich für die Trompete interessiert: eine Trompeterbibel
fürwahr! (Wolfram
Knauer)
Trumpeters'
bible ... Trumpeter
Friedel Keim from Mainz has written an all-comprising opus about his favorite
instrument presenting the different sides of the trumpet and its players.
His range includes classical music, jazz as well as folklore. Keim knows
how to talk about the art of baroque trumpet playing as well as about the
problems many jazz musicians have with Wynton Marsalis' aesthetic. And next
to the big stars one finds entries on lesser known section musicians or
modern players such as Axel Dörner. There are many extensive portraits
and smaller, more biographical entries, there is a crossword puzzle on trumpets,
a section with trumpeter jokes and cartoons and a lot of data around the
instrument itself. You can read about the range of prices of different trumpet
models as well as comments about some new developments. Keim is a detailed
archivist of his instrument, his book contains data about musicians you
will find in no other encyclopaedia. Of course he mentions the big stars,
but one soon notices that his heart really belongs to the "small"
representatives of his instrument, section players, young musicians who
live and work somewhere between the stylistic worlds, dixieland and swing
musicians who belong more to an amateur than a professional scene but who
nevertheless are good musicians. You'll find musicians you have never heard
about or musicians you might have known personally but never would have
expected to find in a dictionary as their fame is mostly regional. Keim
has taken them on with a ideal of completeness which drowns out every criticism
about his choice of entries. And especially his entries on the small musicians
show the "labor of love" which went into this book that nevertheless
is highly readable. No critical book, perhaps, but a reliable one and with
860 pages a thick reference book for everyone interested in the trumpet:
a trumpeters' bible indeed (Wolfram Knauer)

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Nils Landgren –
red & cool
Herausgegeben von Rainer Placke und Ingo Wulff
Eine Bildbiografie
Lübbecke
2005 (jazzprezzo Verlag)
176 Seiten, Fadenheftung, 17,5 x 24 cm
24,80 Euro
ISBN 3-9810250-0-8
Eine
Biographie über einen ja doch noch relativ jungen europäischen Jazzmusiker?
Nun, wenn dies überhaupt über jemanden möglich ist, so mag es
wohl tatsächlich Nils Landgren sein, der die Grenzen zwischen Jazz, Soul
und Pop munter überschritt, als Musiker, bandleader und sogar künstlerischer
Leiter des Berliner Jazzfestes Furore machte und zu den vielleicht populärsten
Musikern seines Genres hierzulande gehört. Die einen mögen die Nase
rümpfen, weil Landgren sicher keiner der intellektuellen Avantgardisten
ist, die die Vorhut des Jazz so oft ausmachen. Aber Landgren hat dieser Musik
ein Publikum zugeführt, das von seinem erdigen Posaunenspiel genauso begeistert
ist wie von den Liedern, die er im Repertoire hat und die sich in der Jazztradition
genauso bedienen wie im großen Pool globaler Popmusik. Ingo Wulff und
Rainer Placke ist ein schönes Buch gelungen, voll mit Beiträgen von
Journalisten und Musikerkollegen des Posaunisten, die ihrem Kollegen Reverenz
erweisen. Eine kritische Biographie ist dies sicher nicht, aber das Buch kann
sehr wohl helfen, Landgrens Musik zu verstehen, seine Herkunft, seine Entwicklung,
seinen Musikgeschmack über den Jazz hinaus. Und die Fotos allein sind den
Preis des Buchs wert: Schnappschüsse und Fotos, die hinter die Kulissen
blicken auf den Musiker, den Kollegen, den Macher Landgren. Zu beziehen über
den Buchhandel oder direkt beim Verlag: www.jazzprezzo.de (Wolfram Knauer)
A
biography about a relatively young European jazz musician? Well, if this is
a possible project at all, then Nils Landgren is a fitting subject, bridging
the worlds of jazz, soul and pop as musician, bandleader and even musical
director of the Berlin Jazzfest and became one of the most popular musicians
of his genre in Germany. Some may be sceptical at his art because Landgren
is not one of the intellectual avantgardists. But Landgren has brought this
music to an audience which is just as enthusiastic about his down home trombone
style as about his repertoire making use of the jazz tradition just as of
the big pool of global pop music. Ingo Wulff and Rainer Placke have produced
a beautiful book, filled with essays of journalists and interviews with musical
colleagues. This is certainly not a critical biography, but the book might
nevertheless help understand Landgren's music, his origin, his development,
his musical taste which steps over the borders of jazz. And the photographs
alone are worth the price of the book: lucky shots and photos looking behind
the stage persona and presenting Landgren as musician, as colleague, as someone
who gets things done. To be bought at your bookdealer or directly at the publisher: www.jazzprezzo.de (Wolfram Knauer)

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Arne Reimer
Jazz Calendiary 2006
Mit einem Vorwort von Brian Blade
Lübbecke 2005
(jazzprezzo Verlag)
112 Seiten, Spiralbindung, 17 x 22,5 cm
14,80 Euro
ISBN 3-9810250-1-6
Jazzkalender
sind seit den 1960er Jahren beliebte Spielwiesen für Fotografen, die
hier eine Präsentation ihrer Bilder mit dem Nützlichen verbinden
können: Wo man ein Fotobuch schnell durchsieht und dann in den Schrank
stellt, da nutzt man einen Kalender täglich. Und so erhalten die Fotos
in Fotokalendern die Chance, immer wieder neu entdeckt zu werden, den Besitzer
durch den tag, durch die Woche zu begleiten. Das Jazz Calendiary aus dem jungen
jazzprezzo-Verlag lehnt sich in der Gestaltung an das Jazz Diary an, das Layouter
Ingo Wulff vor einigen Jahren im Kieler Nieswandt-Verlag herausbrachte. Und
dieser Tatsache allein bürgt für Qualität: gutes Papier, exzellente
Druckqualität, saubere und nützliche Spiralbindung (der Kalender
lässt sich tatsächlich flach auf den Schreibtisch legen). Neben
dem Nützlichen dann das Schöne: Schwarzweiß- und Farbfotos
von Arne Reimer, entstanden auf und hinter der Bühne, in Hamburg, Schleswig-Holstein,
Nürnberg, Dresden, Leipzig und anderswo in der Welt des Jazz. Reimer
hat einen Blick für die Menschen hinter der Musik, und so sind die Fotos
Bilder von Menschen, die ihrem Beruf nachkommen, proben, sich unterhalten,
sich auf den bevorstehenden Auftritt vorbereiten, ihre e-Mail auf dem Laptop
abholen, Noten sortieren, sich konzentrieren oder einfach nur in die Kamera
blicken. Die 53 Duoton- und Farbfotografien zeigen unter anderem: Geri Allen,
Brian Blade, Philip Catherine, Ornette Coleman, Dave Douglas, Harry »Sweets«
Edison, Bill Frisell, Johnny Griffin, Herbie Hancock, Roy Hargrove, Charlie
Hunter, Abdullah Ibrahim, Hank Jones, Joachim Kühn, Nils Landgren, Abbey
Lincoln, Charles Lloyd, Joe Lovano, Wynton Marsalis, Brad Mehldau, Paul Motian,
Enrico Rava, Pharoah Sanders, John Scofield, Wayne Shorter, Esbjörn Svensson,
Viktoria Tolstoy, Ralph Towner, Mal Waldron und viele andere. Eine limitierte
Auflage von je fünfundzwanzig Exemplaren ist direkt beim Verlag erhältlich
und enthält jeweils ein Original-Color-Print von Brian Blade und Hank
Jones, signiert und nummeriert. Zu beziehen über den Buchhandel oder
direkt beim Verlag: www.jazzprezzo.de (Wolfram Knauer)

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Werner Josh Sellhorn
Jazz - DDR - Fakten. Interpreten, Diskographien, Fotos, CD
Mit einem Geleitwort von Manfred Krug
Berlin 2005
Neunplus 1 Edition Kunst
297 Seiten; 35,80
Euro
ISBN: 3-936033-19-6
Der
Jazz in der DDR hatte über die vier Jahrzehnte realsozialistischer Existenz
seine eigene Stimme entwickelt. Von den Anfängen der Amiga-Star-Bands
bis zu den Klängen eines oft augenzwinkernden, recht eigenwilligen DDR-Free
Jazz dokumentiert Werner Josh Sellhorn diese Szene in seinem Buch, das vor
allem eine Diskographie der DDR-Jazzgeschichte darstellt. Kein historischer
Abriss also, kein Fließtext, sondern einzig Plattenverzeichnis, mit
Besetzungen, Ort und Datum, Titelliste, Titellänge, Veröffentlichungsdaten
und eventuell erklärenden Anmerkungen. Das Buch gliedert sich dabei in
sechs Abschnitte: "Jazz und Swing in der Nachkriegszeit auf Amiga";
"Aufnahmen der DDR-Jazzmusiker"; "Aufnahmen von Nicht-DDR-Musikern
mit Beteiligung von DDR-Musikern"; "Aufnahmen von Nicht-DDR-Musikern
in der DDR"; "Aufnahmen von Verbindungen Jazz und Literatur"
sowie "Amiga-Editionen". Ein Personen- und ein Titelregister schließt
das Buch ab, das damit auf jeden Fall Grundlagen für jede weitere Erforschung
zum DDR-Jazz bieten dürfte. Einziges Manko dürfte der fehlende chronologische
Index sein (innerhalb der Abschnitte sind die diskographischen Kapitel nach
Ensembles sortiert), aber so etwas wäre vielleicht nachzuliefern (und
wenn im Internet). Viele zum Teil seltene Fotos bebildern diese Dokumentation,
die für den Sammler und den Interessenten am europäischen Nachkriegsjazz
interessant sein dürfte. Und der Sampler mit Aufnahmen von 1962 bis 1988,
von Manfred Krug und den Jazz-Optimisten bis zu den Fun Horns erlaubt auch
einen hörenden Einblick in die Besonderheiten dieser kreativen Szene. (Wolfram Knauer)
Jazz
in the German Democratic Republic over the 40 years of its real-socialist
existence had developed its own distinctive voice. From the beginnings of
the Amiga-Star-Bands Werner Josh Sellhorn documents this scene in his book
which is mainly a discography of the East German jazz history. No history,
then, no story to read, but lists of records, with personnel, place and
date of recordings, track listing, track length, release date and notes.
The book has six chapters: "Jazz and swing in the post war era as recorded
on Amiga"; "recordings of GDR jazz musicians"; "recordings
of non-GDR musicians under participation of GDR musicians"; "recordings
of jazz and literature projects"; and "Amiga editions". An
name and title index ends the book which will be extremely helpful for further
research of the East German jazz history. I would wish for a chronological
index (within the chapters the discography is sorted by ensembles / bands),
but that might be added in a subsequent edition (or on the internet). Many
photos, some of them rare round up this documentation which should be of
interest to the collector as well as those interested in European post war
jazz history. And the enclosed sampler with recordings from 1962 to 1988,
from Manfred Krug with the Jazz-Optimisten to the Fun Horns allows a listening
in into the special sounds of this creative scene. (Wolfram Knauer)

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