Was sind die Jazz Conceptions?
Die Darmstädter Jazz Conceptions, 1992 zum ersten Mal durchgeführt, gehören heute zu den wichtigsten Jazzworkshops in Deutschland. Erfolgreich sind sie wegen ihres Konzepts genauso wie wegen der einmaligen Atmosphäre: Die Teilnehmer erhalten keine verschulten Instrumentalstunden, sondern werden von Anbeginn an in gemischte Ensembles zusammengefasst, die je nach Dozent unterschiedliche Stücke erarbeiten, sich mit Improvisation befassen, musikalische Abläufe planen, über die Philosophie von Jazz und improvisierter Musik diskutieren. Das alles geschieht in der Bessunger Knabenschule, einem soziokulturellen Zentrum, das in dieser Woche quasi ganz dem Jazz gehört. In allen Räumen wird musiziert, auf dem Hof trifft man sich zum extra für den Anlass organisierten gemeinsamen Frühstück, zum vor Ort zubereiteten ausgiebigen Mittagessen, zum Reden über Erlebtes oder zum Planen und Absprechen weiterer musikalischer Aktionen.
Die Darmstädter Jazz Conceptions bieten die einmalige Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit professionellen Musikern im wahrsten Sinne des Wortes etwas aus der Werkstatt des Jazz zu erfahren. Da werden in Gruppen-Workshops Stücke erarbeitet, da wird über die richtige Art des Übens gesprochen, da werden harmonische Feinheiten erklärt, solistische oder kollektive Improvisationen geprobt und besprochen. Jeweils am späten Nachmittag fasst ein "Orchesterworkshop" sämtliche Teilnehmer der Jazz Conceptions in einem vielköpfigen Großensemble zusammen. Zwischen den Gruppensitzungen besteht die Möglichkeit des individuellen Übens mit anderen Teilnehmern oder des lockeren Gesprächs in der ganzen Tag nur für den Workshop geöffneten Cafeteria. Begleitend werden theoretische und jazzhistorische Programmpunkte angeboten (letztere verbunden mit einem obligatorischen Besuch im Jazzinstitut). An jedem Abend der Woche gibt es bei Sessions in verschiedenen Darmstädter Clubs die Möglichkeit, die Ergebnisse der täglichen Arbeit vor Publikum zu zeigen oder einfach nur zu jammen.
Die Darmstädter Jazz Conceptions sind nicht nur bei den Teilnehmern beliebt, von denen viele Jahr für Jahr wiederkommen, sondern auch bei den Dozenten, die hier gern unterrichten, weil sie die kreative Atmosphäre schätzen, die an sechs Tagen das Kulturzentrum Bessunger Knabenschule mit jazzmusikalischem Leben füllt. Wie immer konnten auch für die 20. Auflage 2011 herausragende Dozenten gewonnen werden, die jeder für sich ihr eigenes Konzept entwickelt haben, ob als Solist oder in der Gruppe, ob individuell oder im Kollektiv.
Die Teilnahme-Modalitäten finden sich hier! (Leider keine verbindliche Anmeldung mehr möglich. Es gibt eine Warteliste!)
Die Dozenten:
Peter Back (Saxophon)
... gehört zu den profiliertesten Instrumentalisten in Hessen. Back studierte Jazz in den Niederlanden (an der Hochschule in Arnheim) und an der Musikhochschule in Köln. Seit 1999 prägt er als Mitglied des hr-Jazzensembles, als Solist wie als Komponist, diesen legendären Klangkörper, der 2009 mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet wurde. Während er hier mit seine Kollegen wie Heinz Sauer, Johannes Lauer und Günter Lenz komplexe Klangstrukturen entwickelt und viel Wert auf die kompositorischen Aspekte der Musik legt, kann er sich bei anderen Projekten an denen er beteiligt ist, wie dem Heidelberger Pop-Jazz-Ensemble DePhazz oder den Souljazzdynamiters des Frankfurter Gitarristen Martin LeJeune, ganz Sounds und fließenden Improvisationen überlassen. Hier kommt Backs erdiger Tenor voll zur Entfaltung, trägt die Bands durch die latent drohende Monotonie der Pop- und Soul grooves. Mit der Sängerin Stefanie Hoevel zeigt er in der der klassischen Quartettbesetzung, dass sein kultivierter Ton als Begleiter auch im Bereich des klassischen Standardrepertoires besteht. Back ist seit Jahren als Pädagoge unter anderem an der Musikschule Main-Kinzig aktiv und leitet dort sowohl Instrumental- wie Kompositionsklassen. Website: www.peterback.de
Christopher Dell (Vibraphon)
... wird immer als Darmstädter gelten, auch wenn er mittlerweile in Berlin lebt. Der Vibraphonist und Komponist studierte unter anderem am Berklee College im amerikanischen Boston. Er ist nicht nur ein virtuoser Vibraphonist, sondern auch ein einfallsreicher Komponist, dessen Musik oft genug die Grenzen zwischen Avantgarde-Jazz, Neuer Musik und anderen stilistischen Richtungen überschreitet. Dell arbeitete mit Heinz Sauer, Kenny Wheeler, Theo Jörgensmann, mit den Bigbands des Westdeutschen wie des Norddeutschen Rundfunks und mit vielen anderen namhaften Musikern. In seinem aktuellen Ensemble D.R.A. macht er zusammen mit Christian Ramond und Felix Astor eine Musik, in der man fasziniert verfolgen kann, wie sich Individualität und Gruppenstil durch langjähriges Zusammenspiel in ein ungemein dichtes Gefüge verweben lassen. Dell, der lange Jahre an der Akademie für Tonkunst unterrichtet und damit auch die Szene in Darmstadt mitgestaltet hat, ist außerdem ein Theoretiker seiner Kunst, der Improvisation, und hat zu diesem Thema das Buch "Prinzip Improvisation" veröffentlicht. Dell erhielt im Januar 2006 den als erster Preisträger den Darmstädter Musikpreis. Er wird in diesem Jahr auch das große Ensemble der Teilnehmer leiten.
Website: www.christopher-dell.de
Jörg Fischer (Schlagzeug)
... beeindruckt durch seinen freigeistigen Ansatz. Musikalische Grenzen und Barrieren sind ihm völlig fremd. Es ist der Rhythmus, der ihn begeistert, "die eigene Instrumentalstimme einbringen, aufeinander hören, reagieren, kreativ sein, spielen". 1971 geboren, begann Fischer als Jugendlicher mit dem Schlagzeugspiel zunächst in der Schul-Bigband. Es folgten alsbald erste Bandaktivitäten im Bereich Rockmusik (freier Jazzrock, Punk, Hardrock), danach zunehmend die intensive Beschäftigung mit Free Jazz, u.a. mit dem Göttinger Kontrabassklarinettisten Ove Volquartz. Anfang der 90er kam er an die Hochschule in Mainz, wo er bei Janusz Stefanski Jazzschlagzeug und Instrumentalpädagogik studierte. Hier wurde für ihn die Auseinandersetzung mit der klassischen Jazztradition zum musikalischen Fixpunkt. Inzwischen bevorzugt er rein akustisches Schlaginstrumentarium und tritt vor allem in konzertanten Zusammenhängen in Erscheinung (intermediale Begegnungen spielen eine eher untergeordnete Rolle); sein Schwerpunkt hat sich dabei in den letzten Jahren verlagert – vom Spielen in Modern Jazz/Repertoire-Bands hin zu offen improvisierenden Ensembles. Er liebt die kleine Besetzung, gleich ob er, wie in letzter Zeit des öfteren, mit FreeJazz-Legende Peter Brötzmann konzertiert, im Trio mit dem Wiesbadener Pianisten Uwe Oberg oder in verschiedenen Besetzungen des Posaunisten Christof Thewes.
Website: www.myspace.com/joergfischer
Uli Partheil (Piano)
... ist nicht nur ein versierter Pianist in sämtlichen Stilistiken des Jazz, sondern ist auch als Komponist eigener Stücke aktiv, in denen er kreativ mit den verschiedenen Einflüssen umgeht, die ihn als Pianisten prägen. Partheil ist einer der aktivsten Musiker der Darmstädter Szene, beeinflusst von der Musik Duke Ellingtons, Thelonious Monks und kubanischen Rhythmen. Für seine musikalischen Verdienste und sein Wirken für die Förderung des jazzmusikalischen Nachwuchses erhielt er 2008 den Darmstädter Musikpreis. Uli Partheil studierte an der Mannheimer Musikhochschule unter anderem bei Professor Jörg Reiter Jazzpiano, bei Bernd Rabe und Jürgen Friedrich Komposition und Arrangement. Beim wichtigsten europäischen Nachwuchspianisten-Preis, dem Concours-Martial Solal war er 2002 für die Auswahl der besten Teilnehmer nominiert. Partheil arbeitete seit Beginn der 90er Jahre mit Jürgen Wuchner, Matthias Schubert, Janusz Stefanski, Ack van Rooyen, Rudi Mahall, Daniel Guggenheim, Alan Jacobson,Thomas Siffling, dem Wiener Kronenbräu Orchester dem Palatina Swing Orchestra, der Mannheim Jazz Big-Band und vielen anderen zusammen. Neben seinem eigenen Trio "Playtime" ist er in den letzten Jahren auch mit einem Literatur-&-Jazz-Projekt erfolgreich, bei dem seine Musik ausgesuchte Texte von Educardo Galeano oder Pablo Nerruda umrahmt. Partheil unterrichtet an der Jazz & Pop School Darmstadt und war bereits bei einigen der vergangenen Ausgaben der Jazz Conceptions als Dozent aktiv.
Website: www.ulipartheil.de
Jon Sass (Tuba)
... ist einer der wenigen Musiker, in dessen Händen sich eine Tuba schlagartig zu einem filigranen, hochvirtuosen Soloinstrument verwandelt. Vorbild des 1961 in New York geborenen war der legendäre Baritonsaxophonist und Tubaspieler Howard Johnson, dem er noch zu Highschool-Zeiten zu all dessen Auftritten in der näheren Umgebung New Yorks folgte. Musikalisch hatte er da allerdings längst seinen eigene Weg gefunden. Mit 15 Jahren begann er bei Sam Pilafian, der zufällig der Nachbar eines Jungen im Schulorchester der berühmten "Music and Art High School" in Harlem war, die auch Sass besuchte, klassische Tuba zu studieren. Mit 18 Jahren entdeckte ihn ihn Matthias Ruegg und engagierte Sass für eine Tournee des Vienna Art Orchstra durch Europa. Nach diesem ersten Kontakt mit dem alten Kontinent kehrte er zunächst in die USA zurück und studierte an der Boston University bei seinem alten Lehrer Pilafian. Ruegg und Wien aber lockten Sass schließlich wieder über den Atlantik, wo er seit dieser Zeit lebt und als einer der herausragenden Solisten auf seinem Instrument nicht nur mit dem Vienna Art Orchestra große Erfolge feierte, sondern mit unzähligen Musikern wie Erika Stucky "Bubbles and Bangs", Arkady Schilkloper, Ray Anderson, David Murray, Bobby Shew, Leon Thomas oder auch dem Bluesmusiker Hans Thessink konzertierte. Jon Sass hat bei über 70 Musikaufnahmen mitgewirkt. In den letzten Jahren macht er verstärkt duch Soloprojekte aber auch durch Workshop-Arbeit auf sich aufmerksam.
Website: www.jonsass.com
Jürgen Wuchner (Kontrabass)
... schließlich ist der eigentliche Initiator der Jazz Conceptions. Wuchner spielte u.a. mit Hans Koller, Heinz Sauer und dem Vienna Art Orchestra und tritt im Rhein-Main-Gebiet vor allem mit seinen eigenen Bands in Erscheinung, mit denen er sich immer wieder neuen Projekten widmet. Er besitzt einen erdigen, ungemein warmen und persönlichen Basston, viele seiner Kompositionen kann zumindest die Darmstädter Jazzgemeinde mitpfeifen. In Darmstadt ist er außerdem als langjähriger Leiter eines regelmäßigen kleineren Jazz-Workshops bekannt. Für seine Arbeit als Musiker und Pädagoge wurde Wuchner 1996 mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet. Wuchner leitet zusammen mit Uli Partheil die Jazz & Pop School und unterrichtet an der Darmstädter Akademie für Tonkunst.
Die Darmstädter Jazz Conceptions sind eine Gemeinschaftsveranstaltung des Trägervereins Bessunger Knabenschule und des städtischen Jazzinstituts Darmstadt.
Alle Dozenten der Darmstädter Jazz Conceptions von 1992 bis 2011:
Peter Back, Johannes Bauer, Harry Beckett, Han Bennink, Karl Berger, Élodie Brochier, Rüdiger Carl, Graham Collier, Marty Cook, Thomas Cremer, Christopher Dell, Axel Dörner, Reimer von Essen, Christina Fuchs, Peter Giger, Rachel Gould, Carola Grey, Michael Griener, Gerhard Gschlößl, Gunter Hampel, Gabriele Hasler, Allen Jacobson, Ute Jeutter, Sven-Ake Johansson, Ekkehard Jost, Wollie Kaiser, Günter Klatt, Hans Koller, Peter Kowald, Steve Lacy, Tony Lakatos, Christoph Lauer, Martin LeJeune, Rudi Mahall, Stefan Meinberg, Krzysztof Misiak, Frank Möbus, Mani Neumaier, Angelika Niescier, Tom Nicholas, Uwe Oberg, Uli Partheil, Elvira Plenar, Wolfgang Puschnig, Gerd Putschögl, Adam Pieronczyk, Wolfgang Reisinger, Michael Sagmeister, Heinz Sauer, Ack van Rooyen, Joe Sachse, Jon Sass, Uli Scherer, Matthias Schubert, Thomas Siffling, Günter 'Baby' Sommer, Janusz Stefanski, John Tchicai, Christof Thewes, Gebhard Ullmann, Philipp van Endert, Peter Weiss, Jürgen Wuchner ... (to be continued)